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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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Erscheint wöchentlich. Abonnement jährlich Fr. 2.50; Betlage zum "Vckweiz. Familien-Wochenblatt" g
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bei der Post bestellt 10 Eis. mehr; als ntis. Inserate die kleine geile 2b Ets, lchröter, Obere Zäune 12, Mich
1904. 27. November. Inhalt Ueber den Ursprung des Kochens und dessen Bedeutung für die Stellung der Fran.  Der Hase in der Kucke.  Weihnachtsarbeiten.  Au« unserem Leserkreise.  Hausmiitel uud Rezepte.  Gesundheitspflege  Vermischtes  Kochrezepte.  Briefwechsel der Abonnenten unter sich.  Neuheit.  Reklame.
Ueber den Ursprung des Rochens und dessen Bedeutung für die Stellung der Frau.
(Kulturgeschichtliche Streiflichter).
"Der Mensch ist das einzig kochende Tier." Ersetzt man den Ausdruck ^Tier" durch "Lebewesen", so wird man an diesem Ausspruch, den ein englischer Gelehrter getan, nicht mehr viel auszusetzen haben. Denn es ist wahr, der Mensch hat dem Tiere neben so Vielem auch die Kunst des Kochens voraus. Kein einziges Tier kann seine Nahrung auf irgendwelche Weise durch einen dem Kochen ähnlichen Vorgang zubereiten; selbst der gelehrigste Affe ist nicht darauf abzurichten.
Dieser Umstand hängt aufs innigste zusammen mit einem andern Faktoren, der das Kochen bedingt und ohne welchen es überhaupt nickt denkbar ist, nämlich mit dem Feuer. Auch hier ist wieder der Mensch der alleinige Herrscher; kein einziges Tier hat Macht über das Feuer, ja fast alle Tiere scheuen und fürchten dasselbe. Wie kam das? Diese Frage lösen, hieße den Schleier heben, der über der Entdeckung des Feuers liegt.
Heute lebt wohl kein Volk mehr, das nicht das Feuer kennt und sich desselben bedient. Daß das einmal anders gewesen sein muß, das liegt schon im Prinziv der Entwicklung begründet. Gekannt hat man das Feuer gewiß schon lanae, ehe man es entdeckte und Macht über dasselbe gewann. Geschah die Entdeckung durch Zufall oder Abficht? Ueberhaupt wie wurde dasselbe entdeckt? Hier hat die Seele des Volkes vielfach eingegriffen, um eine Lösung des Rätsels zu geben. Bekannt ist ja dje griechische Sage von Prometheus, der das Feuer im Himmel entwendet und es den Menschen bringt, dafür aber von den neidischen Göttern mit schweren Strafen belegt wird, unter anderen mit der Strafe eines Weibes . Allein diese Lösungen sind eben Sagen. Hier ist wohl dem menschlichen Erkennen nun einmal eine Schranke ge-
zogen, die es kaum je wird zu überschreiten die Macht haben. Am Ende fällt dixse Frage nach der Entdeckung des Feuers für unser Thema auch nicht allzusehr in die Wagschale. Wir begnügen uns, daß das Feuer da war, daß man es kannte und in seiner Macht hatte. Denn damit hatte der Mensch einen gewaltigen Schritt aufwärts getan. Was bietet das Feuer dem Menschen nicht alles I Es hilft ihm gegen die Unbilden der Natur, es schützt ihn vor wilden Tieren, es spendet ihm Licht und Wärme, und endlich lehrt es ihn seine Nahrung genußfähiger zu gestalten, es lehrt den Menscken das Kochen.
Auf welcher Stufe hat der Menfch zuerst gekocht? Aller Wahrscheinlichkeit nach kannten die uralten Iägerftämme das Kocken schon. Wenigstens ist noch keine prähistorische Höhle oder Niederlassung entdeckt worden, in der man nicht schon Ueberreste von verkohlten Gegenständen aufgefunden hätte, oder durchbohrte Muscheln und Knochen, die auf eine Erzeugung von Feuer durch bohrenartiges Reiben hindeuten.
Erst durch das Kochen wurde der Mensch weiter, zum Äckerbau geführt. Denn daß das Jäger- und Nomadenleben eine ältere und darum tiefere Kulturstufe ist, das leugnet heute vielleicht niemand mehr, außer etwa die  Vegetarianer, die der Anficht sind, daß der Mensch von Natur auf und seinem ursprünglichsten Wesen nach nur ein Pflanzenfresser sei. Sie wollen ihre Theorie vielfach damit stützen, daß sie vorgeben, daß auch die ältesten Naturvölker, die wir kennen, sich nur von Pflanzenkost nähren. Allein die neuere Forschung hat unumstößlich nachgewiesen, daß selbst die "natürlichsten" der Naturvölker unserer Tage sich von allem nähren, was da kreucht und fleucht, d. k.: Der Mensch ist von Natur auf ein Carnovor, ein Fleischfresser, ja ein Omnivor, ein Allesfresser. Der Vegetarianismus ist kein ursprünglicher Anstand des Menschen, sondern ein erst später, künstlich gewonnener Standpunkt.