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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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schließlich, wenn dieser Punkt glücklich erreicht ist, schnell genug wieder beim Boden beginnt, so kann der Geist der Ordnung seine Wohnung nicht mehr behalten. Um ihn zum Bleiben zu veranlassen, mutz eine gewisse Ruhe regieren.
Dieser höchste Grad, den ich hier angeführt habe, wird ja nicht bei allen scheuerluftigen Hausfrauen erreicht, aber auch viele weniger fanatische fehlen doch dadurch, daß sie zu ungünstigen Zeiten ihre Scheuerfeste einrichten, ohne Rücksichtnahme auf andere Hausglieder und deren Wünsche.
Wenn z. B. der Hausherr für einige Stunden fort ist, und die Zeit wird erbarmungslos dazu benutzt, um seiner Stube ein kräftiges Bad von Wasser und Seife zu gönnen, so ist es wohl nicht zu verwundern, wenn fein Geficht etwas lang wird und feine Laune verdorben ist beim Nachhausekommen und bei der Zumutung, sich in der feuchten, den Scheuer- und Seifengeruch noch atmenden Stube aufzuhalten.
Ich habe schon öfter Gelegenheit gehabt, solch langes Gesicht zu sehen und habe öfter solche verdorbene Stimmung miterlebt und habe gedacht, daß dergleichen doch vermieden werden könnte.
Und nicht bloß für den Hausherrn, sondern auch für andere Hausgenossen kann die Herrschaft eines, besonders kräftig ausgebildeten Scheuerteufelchens recht unbequem werden. Die Hausfrau felbst, die diesem Kobold eine so große Macht gestattet, muß schließlich unter ihm leiden: sie kann ja nie zur Ruhe und zur Sammlung kommen. Trotz des vielen Wassers, das verbraucht wird, muß schließlich die Seele dürften, und trotz der steten Bewegung der Staubbesen legt ftch schließlich Staub auf das Herz und läßt schließlich für viele vorhandene edle Regungen nicht mehr Raum und Luft.
Es müßte doch gelingen, ein wildes Scheuerteufelchen einigermaßen zu zähmen und ihm ein Wesen anzuerziehen, das den Geist der Ordnung freundlich und friedlich mit ihm zugleich regieren läßt.
Wenn dieser unruhige Kobold in einem bequemen Eckchen festgesetzt und angekettet würde mit einem Kettchen, dessen Ringe Ruhe und Maßhalten heißen, so kommt wohl schließlich der Geist der Ordnung von selbst, löst die Kette, drückt dem Scheuerteufelchen die Scheuerbürste in die Hand, trägt ihm wohl selbst etwas Wasser herbei und nimmt dann in dem Eckchen Platz, bis genügend Wasser und Seife verbraucht worden sind und er mit gewohntem leisen Schritt die Räume durchwandern kann. M. E.
Aus »Bote der Frauenhilfe".
Oesundheitspstege.
Der Stoffwechsel des Begetarianers. Zur Lösung der alten Streitfrage, ob die Diät der Vegetarianer, wie von diesen behauptet wird, ebenso geeignet sei zur Ernährung wie die gemischte Kost, können einzig und allein nach wissenschaftlichen Grundsätzen vorgenommene systematische Stoffwechseluntersuchungen beitragen. Sie allein können darüber Aufschluß geben, ob die pflanzliche Kost ebenso gut verarbeitet wird im Körper wie die gemischte, wie es sich weiter mit der Aufrechterhaltung des Gewichtes und dem Kräftezustand verhält. In Berlin sind nunmehr von zwei Forschern derartige Untersuchungen an Vegetarianern, die sich bereitwillig diesen Untersuchungen unterwarfen, angestellt worden und diese haben zu interessanten Ergebnissen geführt. Bei der einen Reihe der Versuche handelte es sich um ein Ehepaar, bei der andern um drei Männer und eine Frau. Es wurden die von diesen aufgenommenen Nahrungsstoffe genau notiert, deren Nährwert berechnet und ermittelt, in welcher Weise sie im Körper ans genutzt wurden. Da ergab sich dann zunächst, daß in der pflanzlichen Diät die stickstoffhaltigen Nahrungsmittel am schlechtesten ausgenutzt werden. Der Grund ist einmal darin zu suchen, daß es den Verdauungssäften erschwert ist, an die Eiweißstoffe heranzutreten, weil dieselben durch unverdaulichen Zellstoff eingeschlossen werden, andererseits bedingt aber dieser Zellstoff eine vermehrte Darmbewegung, so daß die Nahrungsstoffe sehr rasch den Darm verlassen und dadurch der Ausnutzung entgehen. Besser steht es mit der Ausnutzung der Fette und am besten werden in der vegetarischen Diät die Stärkesubstanzen ausgenutzt. Trotz dieser schlechten Ausnutzung des Eiweißes wurde bei dem Ehepaar Stickstoffanfatz und Steigerung des Körpergewichtes konstatiert und das Studium des Stoffumsatzes in der Ruhe und bei Muskelarbeit ergab, daß der Vegetarianer pro Meter Weg an Körpergewicht genau so viel verbraucht, wie ein gleich trainierter, von gemischter Nahrung lebender Mensch. Wenn nun auch bei besonders Zweckmäßiger Auswahl und Zubereitung der Nahrung die vegetarische Kost der gemischten an Nährwert nicht nachsteht, so kommen doch noch zwei Eigenschaften der ersteren in Betracht, welche immer die größere Verbreitung dieser Diät verhindern werden: das ist die Eintönigkeit der Kost und der Umstand, daß die Menge der einzunehmenden Nahrung eine viel Zu große ist.