Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Biographisches Künstler-Lexikon

Dr. Hermann Alex. Müller, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig, 1882

Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke.

Schlagworte auf dieser Seite: Bohnstedt; Boileau; Boilvin

62

Bohnstedt - Boilvin.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Böhm'

Porträtbüsten und Reiterstatuetten auf, die zwar oft etwas zu malerisch ausfielen, ihn aber am Hof der Königin sehr beliebt machten und zur Folge hatten, daß er mit größern Aufträgen für monumentale Porträtstatuen bedacht wurde, unter denen die bedeutendsten sind: eine kolossale Marmorstatue der Königin Victoria in Windsor, die bronzene Kolossalstatue des Sir John Bunyan in Bedford, die kolossale Reiterstatue des Prinzen von Wales für Bombay (erst 1879 enthüllt), die Statue des Thomas Carlyle, des Feldmarschalls Sir John Burgoyne auf dem Waterlooplatz in London, des Lords Napier von Magdala für Kalkutta, des Herzogs von Kent und andrer Glieder des königlichen Hauses. 1879 führte er für die verstorbene Großherzogin Alice von Hessen ein prächtiges Grabdenkmal für Darmstadt und ein Replik für das Mausoleum in Frogmore aus. 1889 arbeitete er an einem Denkmal William Tyndales, des ersten Übersetzers der Bibel ins Englische, das, umgeben von den verschiedenen Vorkämpfern des Protestantismus, auf dem Thames Embankment errichtet werden soll. Er wurde Mitglied der Akademie in London und erhielt Medaillen in Wien und Paris.

Bohnstedt, Ludwig, einer der talentvollsten und fruchtbarsten Architekten, geb. 27. Okt. 1822 zu Petersburg von deutschen Eltern, bezog, daselbst vorgebildet, 1839 die Universität in Berlin, hörte zugleich die Vorlesungen an der damaligen Bauschule und machte 1841 Studienreisen in Italien und Frankreich. In seine Heimat zurückgekehrt, entfaltete er im Baufach eine reiche Thätigkeit, der es nicht an Anerkennung fehlte. So wurde er 1851 Oberarchitekt der Großfürstin Helene, 1859 Professor an der Akademie und Hofrat. Die Hauptbauten, die er dort ausführte, sind: die Restauration des chinesischen Palais in Oranienbaum, der Neubau des Nonnenklosters der Auferstehung, das Stadthaus, die Palais Chauveau-Narishkin und Jussupow und 1862-63 das Stadttheater in Riga im klassischen Stil. 1854 trat er aus dem russischen Staatsdienst und nahm 1863 Gotha zum Wohnsitz. Hier beteiligte ↔ er sich bei zahlreichen öffentlichen Konkurrenzen und produzierte so unermüdlich und so rasch, daß er 1869 auf die Ausstellung in München zwölf Foliobände seiner Entwürfe brachte, die von beispielloser Leichtigkeit, aber auch hin und wieder von zu großer Schnelligkeit im Produzieren und von übersprudelnder künstlerischer Schöpferkraft zeugen. Sein schönstes und bedeutendstes Werk dieser Art ist der besonders in der äußern Architektur großartige Entwurf zum Reichstagsgebäude in Berlin, der 1872 den ersten Preis erhielt. Außerdem errichtete er Monumentalbauten in verschiedenen Gegenden Deutschlands, z. B. in Gotha die Feuerversicherungs-, die Grundkredit- und die Privatbank, ja sogar in Portugal die Kathedrale von Guimarães. Er ist Mitglied der Akademie in Berlin.

Boileau (spr. boalóh), Louis Auguste, franz. Architekt, geb. 24. März 1812 zu Paris, trat 1826 in ein großes Atelier feiner Holzarbeiten, etablierte sich mit 20 Jahren selbständig, widmete sich insbesondere der Anfertigung gotischer Ornamente und gründete eine Specialschule für Holzarbeiten, die 1843 nach Mirecourt (Vogesen) verlegt wurde. Aus ihr gingen z. B. das Orgelgehäuse der Kirche St. Germain l'Auxerrois und der Lettner der Peterskirche in Aire (Pas de Calais) hervor. 1853 gab er ein Kirchenprojekt für die Chaussee d'Antin heraus, worin er zum erstenmal das System der Eisenkonstruktion zur Anwendung brachte, baute in diesem System auch die gotische Kirche St. Eugène in Paris und stellte danach zahlreiche Kirchenprojekte aus. Er gab heraus: »Esquisse scénographique et historique de l'église de St-Pierre d'Aire«, »De l'art religieux et monumental« und »L'église St-Eugène« (1856).

Boilvin (spr. boalwäng), Emile, franz. Genremaler und Radierer, geb. 7. Mai 1845 zu Metz, Schüler von Pils, debütierte 1865 mit einem Porträt und brachte dann einige recht bedeutende Genrescenen, z. B.: Francesca da Rimini (1866), un écorcheur (1867), Ludwig XI. im Gebet (1870), Metz am 8. Okt. 1870 (1873); noch bekannter aber wurde er durch seine meister-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 63.