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Biographisches Künstler-Lexikon

Dr. Hermann Alex. Müller, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig, 1882

Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke.

Schlagworte auf dieser Seite: Chevalier; Chierici; Chifflart

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Chevalier - Chifflart.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Chenavard'

sent zu Delacroix und dann zu Ingres, auf dessen Rat er Italien besuchte. Dort kopierte er in Mailand mit wunderbarer Geschicklichkeit die Köpfe aus dem Abendmahl Lionardo da Vincis und ging von da nach Florenz, Rom und Venedig, immer mit dem größten Eifer arbeitend. Nach Paris zurückgekehrt, trat er zunächst mit einem Luther auf dem Reichstag zu Worms (im Stil der neuen Romantiker) auf, der kein Glück machte. Nach einem zweiten Aufenthalt in Italien, wo er den Plan faßte, die ganze Weltgeschichte in einem Cyklus von großartigen Philosophischen Kompositionen zu malen, und diesen Plan auch zu verwirklichen begann, beteiligte er sich 1833 bei einer Konkurrenz für eine Episode aus dem Nationalkonvent von 1789, erhielt aber trotz gewichtiger lobenden Stimmen nicht den Preis und stellte deshalb bald nachher das Todesurteil Ludwigs XVI. in einer Zeichnung aus, die zwar großen Beifall fand, aber aus politischen Gründen von Ludwig Philipp wieder entfernt wurde. Auch in den nächstfolgenden Jahren stellte er nur das Martyrium des heil. Polykarp und eine Scene aus der Hölle aus (Museum in Montpellier). Jene mittlerweile vollendeten weltgeschichtlichen Kompositionen legte er nach der Februarrevolution dem Minister Ledru-Rollin vor und wurde beauftragt, sie in großen monochromen Kartons für Wandgemälde im Pantheon auszuführen. Als er diese Kartons 1849 vollendet hatte, wurden sie als atheistisch nicht angenommen, das Pantheon wurde 1851 dem christlichen Kultus zurückgegeben, und das ganze Projekt, das trotz seiner destruktiven Tendenz als künstlerische Komposition allgemein bewundert wurde, war gescheitert. Unter seinen übrigen Bildern, in denen stets die Zeichnung die Farbe überwiegt, namentlich: Tod des Cato, Tod des Brutus, la divina tragedia (1869, Museum des Luxembourg), ist das letztere zwar sehr verschroben im Grundgedanken, aber künstlerisch das bedeutendste.

Chevalier (spr. sch'walljéh), Nicolas, vielseitiger Maler aus der Schweiz, verlebte seine Jugendzeit in Petersburg, kehrte dann in seine Heimat zurück, erhielt den ↔ ersten Unterricht in Lausanne und studierte drei Jahre die Architektur unter Ludw. Lange (gest. 1868) in München. 1851 ging er nach London, arbeitete viel für Ludw. Gruner und für Layards »Niniveh« und begab sich 1852 nach Rom, wo er gründliche Modellstudien machte. Von dort aus begleitete er seinen jüngern Bruder nach Australien, wo er mit seinen Bildern viel Glück machte und sieben Jahre artistischer Mitarbeiter des »Melbourne Punch« war. Dort zog er in Gesellschaft des Hydrographen Georg Neumeyer in die malerischen Gegenden von Victoria und bereiste Neuseeland; ebenso begleitete er 1869 den Herzog von Edinburg nach den Südseeinseln, nach Japan und China und brachte eine große Ausbeute an landschaftlichen und architektonischen Darstellungen mit. Erst 1873 kehrte er nach London zurück und stellte dort zahlreiche interessante Bilder aus, unter denen besonders zu nennen sind: die im Auftrag der Königin gemalte Danksagungsprozession zur St. Paulskirche 27. Febr. 1873, die bald darauf als Gegenstück das Innere der St. Paulskirche während dieser Feier zur Folge hatte (1874); ferner die in Petersburg gemalte Vermählungsfeier des Herzogs von Edinburg (ein Bild von überaus glänzendem Kolorit), eine große Revue bei Gelegenheit dieser Hochzeit (1874), ebenso die Eröffnung der Weltausstellung in Wien 1873, chinesische Lamapriester beim Spiel, ein orientalischer Schafhirt u. a.

Chierici (spr. kjéritschi), Gaetano, ital. Genremaler, geb. 1838 zu Reggio in der Emilia, malt hübsche, gemütliche Scenen aus dem Volksleben, besonders Kücheninterieurs mit Figuren von gesundem Humor und echter Komik; z. B.: Zeitvertreib und Schrecken, Mittagsmahl der Witwe, der alte Musiklehrer (1873), der Säugling u. a.

Chifflart (spr. schiffláhr), Nicolas François, franz. Historienmaler und Radierer, geb. 21. März 1825 zu St. Omer (Pas de Calais), besuchte die École des beaux-arts in Paris, malte anfangs Porträte und Landschaften, erhielt 1851 den großen römischen Preis für sein Bild: Perikles am Sterbebett seines Sohns,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 105.