Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Biographisches Künstler-Lexikon

Dr. Hermann Alex. Müller, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig, 1882

Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke.

Schlagworte auf dieser Seite: Gallait

191

Gallait

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Gale'

z. B. ein Bild vom Karneval, der Gang zur Sixtinischen Kapelle, italienisches Mädchen u. a.; später, infolge seines Aufenthalts im Orient: die fast allzu minutiös ausgeführte Trauerstätte der Juden (1862), Einzug in Jerusalem (1867), Rückkehr des verlornen Sohns (1869), Abraham und Isaak auf dem Weg zum Opfer (1872), Verstoßung der Hagar (1873). Zu seinen besten Genrebildern aus den letzten Jahren gehören: die Augen des Blinden (1873), Frühlingszeit im Orient (1874), der Gang zur Prüfung (1875), die Liebesgeschichte (1876), Kriegsbeute (1877) und Interieur in Algier (1878).

Gallait (spr. galläh), Louis, Hauptbegründer der jetzigen belgischen Historienmalerei, geb. 10. März 1810 zu Tournay, wurde trotz seines großen Talents zur Malerei für die juristische Laufbahn bestimmt und war bereits Advokat, als er, seinem innern Drang folgend, diesen Beruf aufgab, die Malerei ergriff und in die Akademie seiner Vaterstadt eintrat, deren Direktor, damals Hennequin, ein Anhänger der Davidschen Schule war, aber das hervorragende Talent seines Schülers zu entwickeln verstand. Schon 1831 trat er mit einem noch ganz im akademischen Stil gemalten Bild: Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, auf, das den ersten Preis erhielt, aber von seinen Neidern als nicht von ihm herrührend angesehen wurde. Sein Lehrer riet ihm daher selber, nach Antwerpen zu gehen, wo er nach Rubens und van Dyck eifrig studierte und 1833 das Gegenstück dazu vollendete: Christus heilt einen Blinden (Kathedrale in Tournay), das ihm die Mittel zu einem Aufenthalt in Paris verschaffte. Hier kam er im Frühjahr 1834 an, begann eifrig zu studieren und zu schaffen und brachte bald nachher das Bild: Herzog Alba in den Niederlanden, das er aus Geldmangel für 200 Frank hergeben mußte, während es später für das Hundertfache verkauft wurde. Nachdem er in Paris in freundschaftlichen Verkehr mit Delaroche getreten war, kam für ihn wieder eine erfolgreichere Zeit. Er schuf: Hiob und seine Freunde, Michel Montaigne bei Tasso ↔ im Gefängnis (damals vom König Leopold erworben), die Schlacht von Montcassel unter Ludwig XIV. (historisches Museum in Versailles) und 1840 die als geistreiches Nachtstück sehr wirkungsvolle Eroberung von Antiochia durch Gottfried von Bouillon. Sein Hauptruhm aber datiert erst von der im Auftrag der belgischen Regierung gemalten Abdankung Karls V. (1841, Museum in Brüssel; verkleinerte Farbenskizze im Städelschen Institut), die ihn mit Einem Schlag an die Spitze der ganzen belgischen Historienmalerei stellte, bekanntlich einen Triumphzug durch halb Europa hielt (vgl. Bièfve) und in der Kunstwelt die größte Aufregung hervorrief. Und doch war es weder der geistige Gehalt, noch die allerdings vorhandene Unmittelbarkeit der Auffassung und die dramatische Kraft der Darstellung, welche solchen Erfolg hatten, sondern die glänzende Technik, das satte, leuchtende Kolorit, das sich nicht bloß äußerlich zeigt, sondern die Gedanken und die Charakteristik des Bildes durchdringt. Er erhielt dafür vom König der Belgier den Leopoldorden, vom König der Franzosen das Ritterkreuz der Ehrenlegion und von der Stadt Brüssel eine ihm zu Ehren geschlagene Medaille. Nach einer mehrjährigen Pause, die er, nach Brüssel übergesiedelt, nur durch einige Porträte und kleinere Genrebilder ausfüllte, erschien er 1848 mit dem zweiten Hauptbild: Egmonts letzte Stunde 3. Juni 1568 (Nationalgallerie in Berlin), das an meisterhafter Technik jene Abdankung womöglich noch übertrifft. Nachdem er 1850 für ein Künstlerfest in Brüssel die Decke des Lokals mit dem figurenreichen Triumph des Genius bemalt hatte, ließ er zunächst das schöne Genrebild: der zerbrochene Fiedelbogen folgen und brachte dann 1851 auf die Brüsseler Ausstellung das dritte Hauptbild: die Brüsseler Schützengilde erweist Egmont und Hoorn die letzten Ehren, das sowohl wegen der tiefen Auffassung der Charaktere als wiederum wegen seiner Technik bewundert wurde (Museum in Tournay). Damit war aber sein großartiges Schaffen so gut wie abgeschlossen; es folgten zwar noch: das tief em-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 192.