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Biographisches Künstler-Lexikon

Dr. Hermann Alex. Müller, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig, 1882

Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke.

Schlagworte auf dieser Seite: George-Mayer; Gérard; Gerhardt

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George-Mayer - Gerhardt.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Gentz'

der französischen Schule nicht nachsteht. Weniger gefielen wegen ihres damals noch unverständlichen Realismus einige Bilder aus der religiösen Historie, namentlich das Gastmahl bei Simon dem Pharisäer (Klosterkirche in Neuruppin) und Christus unter den Pharisäern und Zöllnern (Museum in Chemnitz). Auch seine orientalischen Bilder hatten erst allmählich glänzenden Erfolg, so namentlich in den 60er Jahren der Sklaventransport durch die Wüste, das Lager der Mekka-Karawane, Beduinenlager, Almosenspenden in Kairo, das Gebet der Mekka-Karawane und die Begegnung zweier Karawanen in der Wüste. Nachdem er dann in den Jahren 1870-72 die höchst verschiedenartigen, aber stets interessanten und in der Charakteristik ausgezeichneten Bilder: Nillandschaft, Märchenerzähler bei Kairo, Totenfest bei Kairo, Dorfschule in Oberägypten und einen Schlangenbeschwörer gebracht hatte, reiste er 1873 nach Palästina, um die Lokalstudien für das große Bild: Einzug des deutschen Kronprinzen in Jerusalem 1869 zu machen, das, in Komposition und Farbenpracht unvergleichlich, als die Krone seiner Schöpfungen erschien (1876) und alsbald in die Nationalgallerie überging. Nachher folgte nur noch ein kleines Genrebild: der Koranspruch als Heilmittel, und 1879 ein figurenreicher Bazar in Algier. An dem Ebersschen Prachtwerk »Ägypten« beteiligte er sich mit vielen Zeichnungen, die eine Hauptzierde des Buches bilden. Er ist Mitglied der Akademie in Berlin.

George-Mayer, August, Porträtmaler, geb. 28. März 1834, war auf der Akademie in Wien der Lieblingsschüler Rahls und erregte gleich anfangs große Erwartungen, die, weil vielleicht zu hoch gespannt, nicht in vollem Maß in Erfüllung gingen, obgleich er einer der besten Wiener Porträtmaler, namentlich im Kolorit des Fleisches, ist. Nur in den ersten Jahren seiner Thätigkeit brachte er Bilder andern Inhalts (die Wirkung des Weins, 1853, und Richard III.), seit 1857 aber widmete er sich fast ausschließlich dem Bildnis. Schon die ersten derselben, denen es allerdings noch an feiner Charakteristik ↔ fehlte, erregten durch ihre meisterhafte Technik Aufsehen; späterhin trat daneben auch eine schärfere Charakteristik ein. Mit besonderer Vorliebe malt er Künstlerporträte, z. B. den Schauspieler Ludwig Löwe, den Komiker Beckmann, den Maler v. Angeli und mehrere Wiener Architekten und Bildhauer. Die besten sind wohl die Porträte des Grafen Rudolf Hoyos, des Schauspielers Findeisen, Ludwig Damböcks und des Anatomen Rokitansky. Weniger gelungen sind einige größere Bilder weiblicher Schönheiten.

Gérard (spr. schĕráhr), Louis Alphonse, franz. Holzschneider, geboren im Januar 1820 zu Paris, ging von der Malerei zur Formschneidekunst über, wurde 1836 Schüler von Porret und machte sich schon 1838 durch die Holzschnitte der »Scènes populaires« nach Zeichnungen von Henri Monnier bekannt. Später lieferte er eine Anzahl trefflicher Schnitte für das »Musée des familles«, dessen artistischen Teil er leitete, für die »Histoire des peintres«, für die Zeitschrift »L'Artiste«, die »Illustration«, das »Magasin pittoresque« und zahlreiche andre Blätter.

Gerhardt, Eduard, Maler landschaftlicher Architekturen, geb. 1812 zu Erfurt, trieb anfangs dort und in Köln die Lithographie, bis er 1837 nach München ging und die Malerei ergriff. Seine wiederholten längern Reisen in Italien, Spanien und Portugal veranlaßten ihn, die Architekturmalerei zu seinem Hauptfach zu machen, die Bauwerke jener Länder gründlich zu studieren und sie in Öl- wie in Aquarellbildern darzustellen. Durch Korrektheit der Zeichnung, klares und tiefes Kolorit, poetische Auffassungsweise und die geschickte Verbindung der Staffage mit der landschaftlichen Umgebung sind sie ausgezeichnet. Am schönsten die Werke der maurischen Architektur in Spanien, die er ebenso treu und naturwahr wie im poetischen Glanz erscheinen läßt. Dahin gehören seine Aquarelle aus der Alhambra und San Ildefonso, der Inquisitionspalast in Cordova (1863), die Carmokirche in Lissabon, das herrlich gelegene Cintra, die Kirchen San Marco und Santa Maria

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 202.