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Biographisches Künstler-Lexikon

Dr. Hermann Alex. Müller, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig, 1882

Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke.

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Richter.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Richter'

Anmerkung: Fortsetzung von Nummer 1)

und Studentenlieder, Musäus' »Volksmärchen«, Hebels »Alemannische Gedichte«, Schillers »Glocke«, Bechsteins »Märchenbuch« u. a., die, in unzähligen Exemplaren verbreitet, einen Schatz von Bildern bieten, in denen sich Humor und Tiefe des Gemüts mit dem Schönheitssinn um den Vorrang streiten. Noch reicher aber entfaltete er sein Talent, noch beliebter wurde er beim deutschen Publikum und namentlich in der Kinderwelt durch die Ergüsse seiner eignen Phantasie und seines eignen Herzens, in denen er mit offenem Auge und geschickter Hand aus dem unversiegbaren Born des Lebens schöpft. Das sind seine Bilderhefte: Erbauliches und Beschauliches, Fürs Haus, Das Vaterunser, Altes und Neues u. a., die eine Fülle von Lieblichkeit, Innigkeit und tiefer Menschenkenntnis offenbaren und so unendlich viel zur Hebung und Förderung des Holzschnitts in Deutschland gewirkt haben. Unter seiner großen Zahl von Radierungen befinden sich allein 70 Ansichten aus der Umgegend von Dresden. Er ist Komtur des sächsischen Albrechtsordens, Ritter des österreichischen Franz-Josephs- und des bayrischen Michaelsordens.

2) Gustav, Landschaftsmaler, geb. 12. Mai 1847 zu Dessau, war 1863-66 Schüler der Akademie in Berlin, bildete sich dann unter Max Schmidt und durch Studienreisen in Deutschland aus. Er brachte bis jetzt einige recht ansprechende Wald- und Gebirgslandschaften aus der Umgegend von Dessau, aus dem Harz und andern Gegenden des mittlern Deutschland. Er lebt in Berlin.

3) Gustav Karl Ludwig, Historien- und Porträtmaler, geb. 31. Aug. 1823 zu Berlin, Schüler der dortigen Akademie und Eduard Holbeins (gest. 1875), ging nach Paris, wo er 1844-46 im Atelier Cogniets arbeitete, der einen großen Einfluß auf ihn ausübte. Von 1847-49 verweilte er in Rom, später wiederholt in Frankreich und Italien, 1861 in Ägypten und 1873 in der Krim. Nach seiner ersten Rückkehr aus Rom führte er zunächst im nordischen Saal des Neuen Museums zu Berlin in stereochromischer Technik drei von den Friesbildern (Baldur, die Walküren ↔ und Walhalla) aus, die bereits ein glänzendes Zeugnis seines eminenten koloristischen Talents ablegten. Bald nachher brachte er in der Weihnachtsausstellung von Transparentgemälden eine Auferweckung der Tochter des Jairus, die dem König so gefiel, daß er ihm die Ausführung als Ölbild in großem Maßstab auftrug. Das Bild, 1856 vollendet (Nationalgallerie), rief als erstes Erzeugnis der realistischen Auffassung biblischer Motive wie als glänzende Errungenschaft der modernen französischen Schule einen gewaltigen Enthusiasmus hervor, obwohl es nicht frei ist von dem der Pariser Schule eignen theatralischen Anstrich. 1856 brachte er auch sein erstes durchschlagendes Porträt, das schon damals in diesem Fach die Krone der Ausstellung war, wie es noch heutzutage der Fall ist. 1859 erhielt er den Auftrag, für das Maximilianeum in München den Bau der ägyptischen Pyramiden zu malen, machte dazu seine Studien in Ägypten und vollendete 1873 das Bild, das sowohl in den Einzelheiten wie im ganzen Kolorit meisterhaft, aber keine eigentliche historische Komposition ist. Bei seinem Mangel an der Gabe der dramatischen Darstellung ist er ungleich bedeutender in Einzelfiguren und in Porträten, denen er sich daher mit Vorliebe zuwandte. Dahin gehören unter den Einzelfiguren: eine Ägypterin, eine Odaliske, ein neapolitanischer Fischerknabe, Zigeunermädchen in der Krim, und unter seinen Porträten als die hervorragendsten: der Sultan Abd ul Medschid, die Herzogin von Edinburg, der Fürst von Pleß, zwei Bilder seiner eignen Familie (1874), Kaiser Wilhelm (für Breslau) und derselbe als Brustbild in Civil (1877), die Kaiserin Augusta (1878) und namentlich die Fürstin von Karolath-Beuthen (1872), die Gräfin Károlyi (1878), die weltbekannte ganze Figur der Königin Luise (1879, jetzt eine Zierde des Kölner Museums) und das diesem ebenbürtige einer brasilischen Dame (Berliner Ausstellung 1880). Er besitzt zahlreiche Medaillen, ist Professor und Mitglied der Berliner Akademie sowie Ehrenmitglied der Akademien in Wien und München.