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Biographisches Künstler-Lexikon

Dr. Hermann Alex. Müller, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig, 1882

Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke.

Schlagworte auf dieser Seite: Veyrassat; Viardot; Vibert; Vidal

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Veyrassat - Vidal.

Veyrassat (spr. wärassáh), Jules Jacques, franz. Genremaler und Radierer, geboren zu Paris, sollte nach dem Wunsch seines Vaters Juwelier werden und besuchte deshalb den Zeichenunterricht in einer Kunstgewerbschule, wo er im Zeichnen und Modellieren große Fortschritte machte. Nach der Revolution von 1848 begann er im Louvre zu kopieren und für Buchhändler Radierungen anzufertigen, wodurch er so viel erübrigte, daß er nach Ecouen gehen und Schüler von Edouard Frère werden konnte. Seine Bilder aus dem Landleben (Menschen und Tiergestalten) sind von überaus kräftiger, aber auch allzu derber Malerei, z. B.: die Pferdefähre über einen Fluß (1877), die kleine Brücke in Samois, Pferde auf dem Leinpfad, die Schwemme und einige Partien aus Fontainebleau. Als Radierer lieferte er mehrere treffliche Blätter für die Evangelien von Bida (mit K. Bodmer), die Radierungen von Hamertons »Chapter of animals« und namentlich viele geistreiche Pferdebilder. Unter seinen Aquarellen ist eins der besten Blätter das Vesperbrot der Schnitter. Er lebt gewöhnlich in Samois an der Seine bei Fontainebleau.

Viardot (spr. wjardóh), Léon, franz. Porträt-, Genre- und Tiermaler, geboren im Dezember 1805 zu Dijon, jüngerer Bruder des bekannten Kunstschriftstellers Louis V., Schüler von Picot, machte sich in den ersten Jahrzehnten seiner Thätigkeit namentlich durch seine Bildnisse einen geachteten Namen, brachte nachher aber auch Historienbilder, z. B.: Christus heilt die Schwiegermutter des Petrus, Christus und die Samariterin und mehrere Tier-, namentlich Hunde- und Jagdbilder, diese besonders in den letztern Jahren.

Vibert (spr. wibär), Jean George, franz. Genremaler, geb. 30. Sept. 1840 zu Paris, Schüler von Félix Barrias und Picot sowie der École des beaux-arts, suchte anfangs durch nackte Gestalten, denen er einen mythologischen Namen verlieh, zu fesseln, z. B.: Narcissus in eine Blume verwandelt (1864), Daphnis und Chloe (1866); später legte er sich mehr auf das komische und humoristische Genre, das ↔ er mit geistreicher Charakteristik und satirischer Pointe, aber etwas harter Farbe behandelt. Dahin gehören: Zudringlichkeit, die Abreise der Neuvermählten (1873), die Grille und die Ameise (nach Lafontaine), die Serenade, der Verweis, das Porträt des Schauspielers Coquelin in einer Rolle aus Molière (1874) und mehrere andre in Wasserfarben: Gulliver und die Liliputer, Feenmärchen, die Badende u. a. Eine Sonderstellung unter seinen Werken, weil von allen frühern durchaus verschieden, nimmt die im Museum des Luxembourg befindliche, nur teilweise gelungene große Apotheose Thiers' ein, der mitten im Bild auf einem antiken Ruhebett liegt, zu beiden Seiten zwei Traumgebilde: das flammende Paris des Bürgerkriegs und das Paris des Friedens (im Pariser Salon 1878). Als Schriftsteller machte er sich durch einige kleine dramatische Sachen bekannt. 1870 wurde er Ritter der Ehrenlegion.

Vidal (spr. widáll), 1) Louis, genannt Navatel, französischer Bildhauer, geboren zu Nîmes, beschäftigte sich anfangs mit Anatomie und widmete sich erst, nachdem er blind geworden war, der Bildhauerei, worin er in Paris Schüler von Barye und Rouillard wurde. Als solcher machte er durch seine ungemeine Geschicklichkeit im Modellieren von Tieren und Tiergruppen großes Aufsehen. Dahin gehören (in den Besitz Napoleons III. gekommen): die Bronzefiguren eines Stiers und eines sterbenden Hirsches (1863), eine Gazelle, ein sterbendes Pferd (Artilleriemuseum). Er modelliert auch Porträtbüsten, wobei er das Gesicht des Modells so lange betastet, bis er dessen Physiognomie in den Fingern hat und mit großer Sicherheit trifft.

2) Vincent, franz. Porträt- und Genremaler, geb. 1818 zu Carcassonne, Schüler von Paul Delaroche, malte Bildnisse, ideale Köpfe und Einzelfiguren von eleganter Zeichnung und pikanter Ausführung, aber etwas schwacher Charakteristik. Zu seinen bekanntesten Bildern gehören: die halb sinnlichen, halb verschämten vier Evastöchter, Blumen und Schmuck, Geschichte der Engel, das Buttern in der Bretagne (1874), am Saum einer Heide

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 537.