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Biographisches Künstler-Lexikon

Dr. Hermann Alex. Müller, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig, 1882

Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke.

Schlagworte auf dieser Seite: Fannière; Fantin-Latour; Farrer; Fassett; Fattóri

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Fannière - Fattori.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Falguière'

dellierung und Tiefe des Gefühls und Ausdrucks ist Kain, der seinen toten Bruder Abel fortträgt (1876), weniger gelungen eine Enthauptung Johannis des Täufers. 1870 erhielt er das Ritter- und 1878 das Offizierkreuz der Ehrenlegion.

Fannière (spr. fannjähr), François Auguste und François Joseph, franz. Bildner und Ciseleure, geboren zu Longwy (Mosel), ersterer 1818, letzterer 1822, Enkel des Bildners Fauconnier (gest. 1839), von dem sie das Ciselieren erlernten. Der ältere der beiden Brüder besuchte zwar auch das Atelier Drollings und die École des beaux-arts, aber des Broterwerbs wegen mußten beide beim Ciselieren bleiben und für die bedeutendsten Gold- und Waffenschmiede arbeiten, worin sie so glänzende Leistungen hervorbrachten, daß sie mehrere Medaillen erhielten und der ältere Bruder 1855, der jüngere infolge der Londoner Ausstellung 1862 Ritter, der ältere 1878 Offizier der Ehrenlegion wurde. An dergleichen kostbaren Geräten der Goldschmiedekunst schufen sie namentlich im Geschmack des 16. Jahrh. Salzfässer, Karaffen, Tafelservice und mehrere künstliche Schilde.

Fantin-Latour (spr. fangtäng-latúhr), Ignace Henri Jean Théodore, franz. Genre- und Porträtmaler, geb. 14. Jan. 1836 zu Grenoble, Sohn eines Pastellmalers, der sein erster Lehrer war; später wurde er in Paris Schüler von Lecoq de Boisbaudran und arbeitete im Atelier Courbets. Seine Bilder, Einzelporträte oder ganze Gruppen, genreartig dargestellt, sowie seine allegorischen Darstellungen sind meistens voll Wahrheit und Anziehungskraft. Sein erstes von Erfolg begleitetes Bild war die Huldigung an Delacroix (der Maler u. sein Verehrer); ähnliches Kollektivporträt: der Toast (Künstler und Schriftsteller gruppiert um eine Statue der Wahrheit, 1865); dann folgten: ein Atelier in Batignolles (1870), eine Tischgesellschaft (1872), der Geburtstag Hector Berlioz' (1876), Erinnerung an die Baireuther Festspiele und Richard Wagner (Pastell), die Lektüre (1877) und namentlich 1878 die Familie Delacroix, die als ein Meisterstück feiner, sinniger ↔ Auffassung gerühmt wurde und ihm das Kreuz der Ehrenlegion einbrachte.

Farrer, 1) Henry, englisch-amerikan. Landschaftsmaler, geb. 1843 zu London, zog schon früh nach New York, wo er seine künstlerische Ausbildung erhielt und Mitglied der Gesellschaft der Aquarellisten wurde. Unter seinen besten, stimmungsvollen Bildern werden genannt: am East River, ein heißer Tag, Sonnenuntergang an der Küste von Maine, die schweigende Zunge (eine Warnungsglocke am Strand), die alte Heimat im Zwielicht, der stille Teich. Sehr geschätzt werden auch seine Radierungen.

2) Thomas, englisch-amerikan. Landschafts- und Architekturmaler, jüngerer Bruder des vorigen, lebte eine Zeitlang in New York, ließ sich später in London nieder und besuchte auch den Kontinent. Unter seinen auch in England sehr geschätzten, für die Zukunft viel versprechenden Bildern der letzten Jahre werden genannt: Zwielicht am Hudson, Strand bei Hastings, englische Farm, Schloß Carnarvon in Wales, Inneres der Marcuskirche in Venedig, Schloß in Rochester, der Bach u. a.

Fassett (spr. fässĕtt), Frau Adele, amerikanische Porträtmalerin, geb. 1831 zu Owasco (New York), widmete sich in New York unter dem Engländer Wondesforde der Aquarellmalerei und in Paris unter Castiglione und Matthieu der Ölmalerei. Nachdem sie in letzterer Stadt und in Rom zwei Jahre zugebracht hatte, ließ sie sich in Chicago nieder, wo sie fast 20 Jahre lang die Porträte zahlreicher namhaften Persönlichkeiten malte, darunter auch das des bekannten italienischen Bildhauers Vincenzo Vela. 1875 zog sie nach Washington und malte 1878 die Wahlkommission in öffentlicher Sitzung bei Beginn der Rede Evarts, ein großes historisches Kollektivporträtbild von etwa 200 Personen, das von der amerikanischen Kritik hoch gepriesen wurde.

Fattóri, Giovanni, ital. Tier- und insbesondere Pferdemaler, geb. 28. Sept. 1828 zu Livorno, bildete sich auf der Akademie in Florenz aus und widmete sich dem landschaftlichen Fach, den Tier- und Gefechtsbildern. Eine seiner ersten be-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 169.