706
Damascenen – Damascieren
Pair von Frankreich und Generallieutenant, dann Kommandant der 18. Militärdivision. Nachdem er 30. Mai 1825 den Herzogstitel erhalten, starb er ohne Erben 5. März 1829.
Roger, Graf von D., des vorigen Bruder, geb. 1765, ging nach Rußland und erhielt dort Anstellung. Er zeichnete sich im Türkenkriege (1787‒91) durch Wegnahme eines Admiralschiffs, ferner beim Sturme auf Oczakow und Ismail aus und wurde zum Obersten befördert. D. schloß sich 1791 den franz. Prinzen in Koblenz an und nahm hierauf in der Armee Condés, der ihm von 1795 an den Befehl über die Legion Mirabeau anvertraute, an allen Feldzügen gegen die Republik teil. Als der Krieg zwischen Frankreich und Neapel ausbrach, führte er unter dem General Mack eine neapolit. Division, die einzige, die einen geordneten Rückzug bewerkstelligte. 1801 führte er ein neapolit. Korps im Kirchenstaate, trat 1805 in neapolit. Dienst und kämpfte 1806 mit Auszeichnung in Calabrien. Er ging später nach Wien und 1814 nach Paris zurück, wo ihn Ludwig ⅩⅧ. zum Generallieutenant und Gouverneur von Lyon und 26. Dez. 1815 zum Pair und Herzog erhob. 1815 wurde er in die Deputiertenkammer gewählt. Als Befehlshaber der 19. Militärdivision zeigte er bei den Unruhen in Grenoble royalistischen Eifer, war aber seiner Partei nicht energisch genug, weshalb er Canuel Platz machen mußte. Er starb 18. Sept. 1823. – Die herzogl. Linie erlosch 29. Mai 1846.
Ange Hyacinthe Maxence, Baron von D., geb. 30. Sept. 1785 zu Paris, folgte in der Revolution seiner Familie nach Deutschland, dann nach Rußland, wo er in die Armee eintrat und seit 1805 als Offizier alle Feldzüge gegen die Franzosen mitmachte. Nach der Restauration der Bourbons trat er in die franz. Armee, wurde Maréchal-de-Camp, 1815 Generallieutenant und Kommandant der 8. Militärdivision in Marseille. Er befehligte 1823 eine Division im span. Feldzuge, worauf er 1824 die Leitung des Kriegsministeriums übernahm. Da er aber den ungerechten Maßregeln gegen die alten Offiziere des Kaiserreichs widerstrebte, übertrug ihm Villèle im Okt. 1824 das Departement des Auswärtigen, das er bis zum 4. Jan. 1828 behielt. Später ward D. zum Gouverneur des Herzogs von Bordeaux ernannt, dem er 1830 in die Verbannung folgte. Einige Jahre darauf kehrte D. nach Frankreich zurück, wo er auf dem Lande den Wissenschaften lebte und 6. Mai 1862 starb.
Damascēnen, Damascener Pflaumen, eine Gruppe des Siegelschen Pflaumensystems, Früchte von rundlicher Gestalt mit stumpf-spitzigem Stein. Man unterscheidet die echten D. mit weichhaarigen Sommertrieben von den zwetschenartigen D. mit kahlen Sommertrieben; zu den erstern gehören die frühe Reineclaude, die frühe Aprikosenpflaume und die Herrenpflaume; zu letztern die große Reineclaude, Althanns Reineclaude, Jefferson, bunter Perdrigon u. a. (S. auch Chrysophyllum.)
Damascēnerklingen, Klingen von besonderer Herstellungsart, die sich durch große Elasticität bei großer Härte und äußerlich durch eine eigentümliche bunte, wellenförmig gewässerte Zeichnung, den sog. Damast, auszeichnen (s. Damascieren). Gute D. sind bei außerordentlicher Härte und Festigkeit selten dem Zerspringen ausgesetzt, dringen in weiche Körper tiefer ein als andere Klingen und zeigen, wenn sie gegen harte Körper, z. B. zum Abhauen starker eiserner Nägel verwendet werden, kaum eine Verletzung der Schneide. ^[Spaltenwechsel]
Damascēner Pflaumen, s. Chrysophyllum und Damascenen.
Damascēner Rose, s. Damaskus.
Damascēner Stahl, s. Damascieren.
Damascēner Traube, s. Damaskus.
Damascēnus, s. Johannes Chrysorrhoas.
Damascieren (von der Stadt Damaskus), eine seit dem 15. Jahrh. aus dem Orient nach Europa übertragene Bearbeitungsart des Stahls (Damascener Stahl oder Damaststahl). Diese besteht im allgemeinen in einer Verschweißung mehrerer kohlenstoffreicher Stahlplatten oder von Drähten verschiedener Sorten bei äußerst langsamer Abkühlung. Die Platten werden durch Drehen und Knicken eng ineinander verflochten, vorher aber mit Säuren verschiedenartig behandelt. Es zeigen sich dann im fertigen Stahl «wurmbunte», unregelmäßige, gewässerte Linien, welche nicht wie bei europ. Fälschungen nur aufgeätzt (s. Ätzen, Bd. 2, S. 66 b), sondern dem Stahl selbst eigentümlich sind. Die Frage, ob in Damaskus diese Stahlart, aus der namentlich die Damascenerklingen (s. d.) gefertigt wurden, erfunden worden sei, ist vielfach umstritten worden. Sicher ist, daß schon Nebukadnezar und im 14. Jahrh. n. Chr. Timur-Lenk die Waffenschmiede von Damaskus nach der Eroberung der Stadt entführten, und daß diese dauernd eine der wichtigsten Handelsplätze für Waffen war. Die Fabrikation stammt wahrscheinlich aus Nordindien. Es sind noch alte ind. Dolche und Schwerter erhalten. Jetzt ist die Fabrikation im Orient eine verbreitete, weniger in Damaskus selbst als in Persien und darüber hinaus im Osten, in Chorassan, Schiras, Ispahan, Kerman, Herat und Meschhed. Der Stahl wird meist aus Golkonda in Indien bezogen und oft mit dem sehr harten und spröden pers. Stahl gemischt. So vereinigt die zu fertigende Klinge die Härte des pers. Stahls mit der Elasticität des indischen. Die europ. Behandlung mit rascher Abkühlung würde auch den ind. Stahl spröde machen. In Persien macht man ihn rotglühend und wickelt ihn in nasses Tuch. Die Klingen werden, wenn sie ihre Form erhalten haben, 6‒8 Tage lang in eine mäßige Hitze gegeben, welche durch trocknen Dünger von Kühen und andern Tieren gleichmäßig erhalten wird. Dieser Dünger soll auch die Salze enthalten, welche zur Entwicklung der eigentümlichen Eigenschaften für notwendig gehalten werden. Den aus dem Ofen genommenen Stahl läßt man sich ruhig abkühlen und poliert ihn sodann. Damit hat er seine Schneidigkeit und seine Biegsamkeit erhalten, aber noch nicht den Damast, die wellige Zeichnung. Diese hervorzurufen, bedarf es noch einer neuen Behandlung, einer Ätzung mit Vitriol, oder einem andern Ätzmittel. Das Verfahren der Damascierung wird auch auf Gewehrläufe in Anwendung gebracht. Der hohe Kostenpunkt verbietet die Anwendung damascierter Stücke im Waffengebrauch der Armee. – Die Damascenerklingen kamen schon im frühen Mittelalter nach Europa, wo sie seit dem 17. Jahrh. in Frankreich nachgeahmt wurden und zwar für Klingen, Gewehrläufe und andere Gegenstände. Allein immer ist es nur Imitation auf der Oberfläche, weder der echte Damast noch der echte Stahl. Namentlich seit den fünfziger Jahren haben Clouet, Crivelli, Bréant und vor allem Anossow es in dieser Nachahmung weit gebracht. Man unterscheidet in Europa: Banddamast