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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dimotika - Dinapur
bei parasitischen Formen der Fall ist, indem beide
Geschlechter dnrch das Schmarotzertum rückgebildet
werden, aber in verschiedener Richtung, bei schma-
rotzenden oder festsitzenden Krebsen, bei Stern-
würmern u. s. w. Daneben giebt es Tiere, bei denen
nur ein Geschlecht dimorph ist; so finden sich zweier-
lei Weibchen bei einer Anzahl malaiischer Tag-
schmetterlinge, bei manchen Schwimmkäfern n. s. w.
Seltener ist diese Erscheinung bei Männchen, doch
findet sie sich bei einigen Vlatthornkäfern und wurde
von Fritz Müller bei den Männchen einer brafil.
Assel (1auai8 äudiuL F>.M/??6,-) beobachtet, welche
auf zweierlei Art zum Aufsuchen, resp. Festhalten
der Weibchen ausgestattet sind: die einen, die "Rie-
cher'), haben besonders entwickelte Geruchsorgane,
welche der andern Form fehlen, doch ist diese dafür
wieder mit Greiforganen versehen, es sind "Packer".
Auch nach den Jahreszeiten kann ein und dieselbe
Tierart in zweierlei Formen auftreten: manche
Schmetterlinge haben eine Sommer- und eine
Wintergeneration, die in ihrer Färbung so sehr von-
einander abweichen, daß man früher zweierlei
Arten annahm. Diefer sog. Saisondimorphis -
mus betrifft beide Geschlechter und nähert sich sehr
der Hcterogenesis (s. d.) und weiter sogar dem Gc-
ncrationswechsel (s. d.).
Dimotlka, Stadt in der Türkei, s. Demotika.
Dimoviereu (lat.), fortschaffen, entfernen: Di-
motion, Fortschaffung.
Dimyarier, Zweimuskler, s. Muscheln.
Dmadschpur, Distrikt der Division Nadsch-
schahi-Kotsch-BibarderLieutenant-Gouverneurschaft
Bengalen des Indobritischen Reichs, mit 10665
<ikm und (1881) 1514346 E. (795824 Mohamme-
daner, 716630 Hindu, 1435 Santal und 457 Chri-
sten). D. ist ein niedriges, wellenförmig von N.
nach S. abfallendes Flachland. Der bedeutendste
der zahlreichen Flüsse ist der von den Bergen von
Sikkim herabkommende Atrai, im Oberlauf Karota
genannt, ein Nebenfluß des Brahmaputra. Die
seit einigen Jahreu eröffnete nordbcngal. Eisenbahn
durchschneidet den Distrikt. Das Klima ist sehr un-
gefund, befonders herrfcht in der beißen Jahreszeit
eine für Europäer gefährliche Malaria. Voden-
erzeugnisse sind Neis, Weizen, Gerste, verschiedene
Arten Hirse und Ölpflanzen, Pfeffer, Ingwer, Ko-
riander, Anis, Bananen, füfte und gewöhnliche Kar-
toffeln, Gurken- und Kürbisarten und Zuckerrohr.
Die Erträgnisse an Baumwolle, Tabak und Indigo
sind nur gering. Die Bevölkerung ist arm und stobt
auf niedriger Bildungsstufe. - Wichtige Orte sind
die Hauptstadt D. (durch Eisenbahn mit Kalkutta
verbunden, mit guten sanitären Einrichtungen,
^1881) 12 560 E., darunter 6407 Mohammedaner,
6059 Hindu) sowie Hemtabad.
Dinan (spr. -näng). 1) Arrondissemeut des
franz. Depart. Lotes-du-Nord, hat 1398, ,9 <ikm,
(1891) 121232 E., 91 Gemeinden und zerfällt in die
10KantoneVroons(226,44qIvm, 15546 E.),Caulncs
(136,09 ykm, 9433 E.), Dinan-Eft (69,43 hkm,
15536 E.), Dinan-Ouest (122,75 c^km, 16 374 E.),
Evran (119,95 (ikm, 10023 E.), Iugon (193,i? cikm,
12 047 E.), Matignon (195,92 ^km, 14375 E.),
Plancoe't (166,39 qkm, 13872 E.), Plelan-le-Petit
(85,28 qkm, 5496 E.), Ploubalay (82,4? c^km,
8530 E.). - 2) Hauptstadt des Arrondissements D.
und der Kantone Dinan-Eft und Tinan-Ouest, 60km
östlich von <^t. Vrieuc, links der Nance, über welche
ein prächtiger, 250 m langer, 40 m hoher Viadutt
führt, an der Mündung des Kanals der Ille und
Nance und an den Linien Avranches-Lamballe und
D.-Dinard (21 km) der Franz. Westbahn, auf einem
73 m hohen Hügel, mit einem Hafen, der Schiffe von
150 t aufnimmt und zur Flutzeit mit dem 12 km
entfernten von St. Malo in Verbindung steht, ist
Sitz eines Gerichtshofs erster Instanz, des Kom-
mandos der 10. Kavalleriebrigade, hat (1891)
8032, als Gemeinde 10444 E., in Garnison das
24.Dragoner- und 13.Husarenregiment. Die Stadt
ist sehr alt, größtenteils schlecht gebaut, mit engen,
finstern und krummen Straßen, von hohen, dicken
Mauern mit Türmen und schönen Thoren um-
schlossen und mit schönen Promenaden, einer Schöp-
fung des hier geborenen Historikers Duclos, um-
geben. Ihr um 1300 erbautes stattliches festes
Schloß, welches im Mittclalter den Herzögen von
Bretagne zum Wohnsitz und meist zur Abhaltung
der Landtage diente, wird jetzt als Gefängnis be-
nutzt. Der Platz Vertrands Duguesclin, ein Teil des
Turnierplatzes, auf dem der Held 1359 mit dem engl.
Ritter Contorbie kämpfte, ist seit 1823 mit seinem
Standbilde geziert; sein Herz ist in der Kirche St.
Sauveur (mit einer Facade aus dem 12. Jahrh.) bei-
gesetzt. D. bat ein Kom'munalcoll^ge, ein Irrenhaus,
! Flachsbau, Hanfspinnereien, Salzsiedereien, Fabri-
kation von Ackerbaumaschinen, Thonwaren,Flanell,
Leinwand, Segeltuch, Baumwollstoffen, Leder, Por-
zellanwarcn und Rübenzucker, sowie bedeutenden
Handel mit Vieh, Butter, Getreide, Hanf, Lein-
wand, Zwirn und Wein. Etwa 1 km vor der Stadt
liegt in einem reizenden Thale der nach einem alten
Schlosse Couinnais benannte eisenhaltige Sauer-
brunnen mit einem kalten Mineralbade.
DinlNtderie (frz., spr. -nangd'rih), Messingge-
schirr (nach der belg. Stadt Dinant benannt).
Dmant (spr. -näng), eine der ältesten Städte
Belgiens, in der Provinz Namur, an der Linie
Namur-Givet der Velg. Nordbahn, im Durchbruchs-
thal der Maas, zwischen dieser und steilen Kalkstein-
felfen, hat (1890) 7245 E., Glashütte, Papieruiühlen,
Marmorsäge, Gerbereien, Getreide- und Ölmühlen,
Karten-, Eisen- und Kupferwarenfabriken fowie leb-
haften Handel. Berühmt waren im Mittelalter die
getriebenen Kupfer- und Messingwaren von D.
(<Iinlmäoi-i68); jetzt sind es die Dinanter Kuchen, aus
Speltmehl und Honig. Hinter der got. Liebfrauen-
kirche (aus dem 13. Jahrh., neuerdings restauriert,
mit 68 m hohem Turm und bemerkenswerten Por-
talen) führt eine Fclfentreppe (408 Stufen) zur
Festung, welche 1818 an der Stelle des 1690 von
den Franzosen geschleiften Schlosses gebaut wurde,
deren Werke aber seit 1879 verkaust sind, da der Ort
keine strategische Bedeutung mehr bat. Die ganze
Felsenwand ist terrassenförmig in Gärten eingeteilt,
an der Maas ziehen sich fchöne Promenaden entlang,
die nach dem Schloß von Walfin, der Abtei Wauls-
ort, der Grotte und dem Schloß von Freyr und zum
Bayardfelsen führen. Eine^ eiserne Brücke über die
3NaassübrtzuderVorstadt^t.Medard. -Gefchicht-
lich berühmt ist die Verwüstung der Stadt durch den
Grafen von Eharolais (Karl den Kühnen) im Krieg
gegen Ludwig XI. (1466), ferner der Sturm des
Herzogs von Nevers (1554) im Dienst Heinrichs II.
gegen Kaiser Karl V. 1675 ward sie abermals von
den Franzosen genommen, aber im NyswijkerFrieden
1697 dem Bistum Lüttich zurückgegeben, dem der
Ort seit der Hohenstaufenzeit bis 1794 gehörte.
Dinapur, Stadt in Vengalen, s. Dänapur.