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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Energieübertragung – Enfants sans souci

die Arbeit p h zu leisten, welch letztere dessen potentielle E. darstellt, die von Helmholtz (1847) auch als Spannkraft bezeichnet wurde. Ein anderes Beispiel der potentiellen E. ist eine gespannte Feder. Ein schwingendes Pendel enthält in seiner größten Ausweichung eine potentielle, in seiner Gleichgewichtslage eine kinetische E. In jeder andern Lage ist potentielle und kinetische E. vorhanden, deren Summe jedoch immer gleich ist der potentiellen E. der größten Ausweichung. Bei der schwingenden Bewegung findet eine unausgesetzte Umwandlung der einen Energieart in die andere statt. Bei rein mechan. Vorgängen blieb die Unveränderlichkeit der E. auch den Begründern der Mechanik nicht verborgen. Schon Huygens kannte sie, jedoch wurde der Name E. erst von Th. Young (1800) eingeführt.

Durch derartige Betrachtungen auf dem Gebiet der Mechanik entsteht die Gewohnheit und das Bedürfnis, die E. als etwas Unveränderliches, ähnlich einem Stoff, aufzufassen, der nur aus einer Form, z. B. Fallarbeit, in eine andere Form, lebendige Kraft, übergeht. Julius Robert Mayer (1842) hat dieses Bedürfnis zuerst so stark empfunden, daß er diese Anschauung auch in den Fällen festzuhalten suchte, die bis dahin als Ausnahmen angesehen worden waren. Wenn z. B. unelastische Massen durch Stoß ihre lebendige Kraft verlieren, findet von rein mechan. Standpunkte ein Verlust an E. statt. Mayer erkannte aber in diesem Falle die beim Stoß erzeugte Wärmemenge als gleichwertig der verlorenen kinetischen E. und wandte eine analoge Auffassung auf alle Gebiete der Physik an. Diese Auffassung wurde wesentlich gestützt durch den von James Prescott Joule (1843‒49) experimentell geführten Nachweis, daß zur Erzeugung einer bestimmten Wärmemenge, z. B. durch Reibung, eine ganz bestimmte Arbeit, und zwar für eine Kilogrammkalorie (s. Wärmemenge) 425 Kilogrammmeter nötig sei, welche letztere durch eine Kilogrammkalorie wieder erzeugt werden kann. Namentlich durch Helmholtz (1847) wurde diese Ansicht auf allen Gebieten der Physik befestigt und mathematisch geklärt. Nach der heutigen Auffassung der Physiker besteht der Satz der Erhaltung der E. (Erhaltung der Kraft) darin, daß durch Aufwand von mechan. Arbeit nicht nur lebendige Kraft, sondern auch Wärmezustände, elektrische Zustände u. s. w. hervorgebracht werden können, die beim Verschwinden wieder die mechan. Arbeit zu erzeugen vermögen, aus der sie entstanden sind. (S. Mechanische Wärmetheorie, Entropie.) – Vgl. J. R. Mayer, Mechanik der Wärme (2. Aufl., Stuttg. 1874); Helmholtz, Über die Erhaltung der Kraft (Berl. 1847); ders., Über die Wechselwirkung der Naturkräfte (Königsb. 1854); Stewart, Die Erhaltung der E. (Bd. 9 der «Internationalen wissenschaftlichen Bibliothek», 2. Aufl., Lpz. 1883); Krebs, Die Erhaltung der E. (Münch. 1878); Secchi, Die Einheit der Naturkräfte (deutsch von Schulze, 2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1884‒85); Planck, Das Princip der Erhaltung der E. (ebd. 1887); Helm, Die Lehre von der E. Historisch-kritisch entwickelt (ebd. 1887). – Über E. in der Elektricitätslehre s. Elektrische Energie.

Energieübertragung, Energieverteilung (elektr.), s. Elektrische Kraftübertragung.

Energisch, thatkräftig (s. Energie).

Enervieren (lat.), entnerven, entkräften; Enervation, Entnervung, Erschöpfung.

En escarpins, s. Escarpins. ^[Spaltenwechsel]

En face (frz., spr. ang fahß), von vorn, in der bildenden Kunst Ausdruck dafür, daß das Gesicht, auch ganze Gestalt, in voller Vorderansicht dargestellt ist (s. Bildnis).

En famille (frz., spr. ang famij), im Familienkreise.

Enfant (frz., spr. angfáng), Kind.

Enfantin (spr. angfangtäng), Barthélemy Prosper, gewöhnlich Père E. genannt, Saint-Simonist, geb. 8. Febr. 1796 zu Paris als der Sohn eines Bankiers, trat 1812 in die Polytechnische Schule, woraus er 1814 verwiesen wurde, weil er sich den Zöglingen angeschlossen, welche die Schule verlassen und sich auf den Höhen von Montmartre gegen die Verbündeten geschlagen hatten. Er wurde Handlungsreisender, war dann in Petersburg und Paris in Bankhäusern thätig und wurde nach dem Tode von Saint-Simon ein Hauptvertreter seiner Schule. (S. Saint-Simonismus.) Als solcher erfand er ein besonderes System, gründete eine patriarchalisch-socialistische Gesellschaft und bethätigte an dieser seine socialistischen Ideen in einer derart cynischen, alle Moral verspottenden und nebenbei kindischen Weise, daß seine Gesellschaft aufgelöst, er selbst im Aug. 1832 zu 2 Jahren Gefängnis und 100 Frs. Geldstrafe verurteilt wurde. Nach Verlauf einiger Monate aus der Haft entlassen, ging E. nach Ägypten, beschäftigte sich als Ingenieur des Paschas mit Arbeiten am Nil und dem Plan einer Kanalisierung des Isthmus von Sues, kehrte aber bald nach Frankreich zurück, wurde Postmeister in der Gegend von Lyon und darauf Mitglied der wissenschaftlichen Kommission von Algier, welche im Auftrage der Regierung die Kolonisationsfrage dieses Landes untersuchen sollte. Hierüber verfaßte er ein gutes Buch: «Colonisation de l’Algérie» (Par. 1843). Nach der Februarrevolution gab er kurze Zeit das Blatt «Le Crédit public» heraus. Später war er bei der Verwaltung einer Eisenbahn angestellt. Seiner Lehre blieb er stets treu bis zu seinem Tode, 31. Aug. 1864. Zum Oberhaupt der Sekte hatte er vorher noch Arlès Dufour ernannt. E. hat wenig geschrieben; er wirkte mehr durch seine salbungsvolle Rednergabe und seine bestechende Persönlichkeit. Seine Hauptschriften sind «Traité d’écononomie politique» (Par. 1830) und «Religion Saint-Simonienne» (ebd. 1831). Eine Sammlung seiner Briefe und Schriften zusammen mit denen von Saint-Simon erschien zu Paris (47 Bde., 1865‒78).

Enfants de France (spr. angfáng dĕ frangß, «Kinder Frankreichs»), ehemals in Frankreich Bezeichnung der legitimen Kinder und Enkel sowie der Geschwister und Geschwisterkinder des Königs. Die entferntern Verwandten hießen Princes du sang («Prinzen von Geblüt»).

Enfants de troupe (frz., spr. angfáng dĕ trup, «Kinder der Truppe»), s. Soldatenkinder.

Enfants perdus (frz., spr. angfáng perdüh, «verlorene Kinder»), im Mittelalter bis um die Mitte des 17. Jahrh. eine aus Frankreich stammende und hauptsächlich dort angewendete Bezeichnung für eine Art leichter Infanterie, die das Gefecht zu eröffnen hatte, einer Angriffs- oder Sturmkolonne voranging und deshalb gewissermaßen für verloren galt. Aus den E. p. entstanden später die Grenadiere. In taktischer Beziehung sind die E. p. zu vergleichen mit den verlorenen Haufen der Landsknechtsordnung.

Enfants sans souci (spr. angfáng ßang ßußih, «Kinder ohne Sorgen»), nach einer unver- ^[folgende Seite]