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Eselsbrücke – Eskadron
Eselsbrücke, Hilfsmittel zum Verständnis eines fremden Schriftstellers, das den Zweck hat, dem Lernenden das eigene Nachdenken zu ersparen, also auf dessen Faulheit und Trägheit berechnet ist. Die Bezeichnung E. soll man zuerst der Schrift «Super summulas» von Joh. Buridan, die «asini pons» (d. i. E.) genannt wurde, beigelegt haben. Heute nennt man E. (oder Schwarten, Klatschen) im gymnasialen Sprachgebrauche die aus pädagogischen Gründen verbotenen wörtlichen Übersetzungen der gelesenen fremden Schriftsteller.
Eselsbrüder, s. Trinitarierorden.
Eselsdistel, s. Onopordon.
Eselsfest (lat. festum asinorum), ein im Mittelalter an einigen Orten in Frankreich (Rouen, Sens, Beauvais) und Spanien gefeiertes Volksschauspiel, bei dem zur Erinnerung an den redenden Esel Bileams, der zu den Verkündern der Ankunft Christi gezählt wurde, oder an die Flucht nach Ägypten ein Esel, in letzterm Falle mit einer darauf sitzenden Jungfrau mit einem Kinde, in die Kirche geführt wurde. Damit wurde allerlei Unfug verbunden; so wurde bei der Messe (Eselsmesse) Ya statt Amen geantwortet und statt des Ite missa est wurde Hinham gesungen. In Deutschland wurde vielfach am Palmsonntag bei der zur Erinnerung an den Einzug Christi in Jerusalem gehaltenen Prozession ein hölzerner Esel mit oder ohne ein Bild Christi darauf mitgeführt (in Salzburg bis 1783). Solcher Palmesel besitzt das Germanische Museum in Nürnberg mehrere. – Vgl. Didron, Annales archéologiques Ⅶ, 26; ⅩⅤ, 673; ⅩⅥ, 26.
Eselsgurke, Pflanzenart, s. Ecballium.
Eselshaupt oder Eselshoofd, im Schiffswesen ein eisernes oder hölzernes Joch, welches die Marsstengen (s. d.) am Topp (s. d.) der Untermasten (s. Mast) sowie die Bramstengen (s. Stengen) am Topp der Marsstengen in Verbindung mit den Salings (s. d.) festhält. In ersterm Fall heißt es Untereselshaupt, in letzterm Brameselshaupt. Das E. greift mit einem viereckigen Loch über den Masttopp und hat vorn ein rundes Loch zum Durchlassen der Stengen.
Eselshoofd, s. Eselshaupt.
Eselshuf, s. Klappmuschel.
Eselslehen, im Mittelalter die Verpflichtung bestimmter Familien in vielen deutschen Städten, den Esel zu stellen, auf dem die Frauen, die ihre Männer geschlagen hatten, oder Verbrecher, von dem Büttel geführt, durch die Stadt reiten mußten.
Eselsmesse, s. Eselsfest.
Eselsrücken (in der Architektur), s. Bogen.
Esenbeck, Botaniker, s. Nees von Esenbeck.
Esens, Stadt im Kreis Wittmund des preuß. Reg.-Bez. Aurich, 4 km von der Nordseeküste, am südl. Rande der Marsch, an der Nebenlinie Emden-Georgsheil-Jever (Ostfries. Küstenbahn) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtes und Amtsgerichts (Landgericht Aurich), hat (1890) 2098 E., darunter 89 Israeliten; Post zweiter Klasse, Telegraph; evang. Kirche mit Grabmälern fries. Häuptlinge, Methodistenkapelle, Synagoge, Genossenschaftsbank; Ackerbau, Pferde- und Rindviehzucht, Pferde- und Viehmärkte. Von dem 4 km nordwestlich gelegenen Küstenorte Bensersiel ist im Sommer Dampferverbindung nach den Seebädern Langeoog und Spiekeroog. E. war Hauptort des Harlingerlandes (s. d.).
Eserīn oder Physostigmīn, das neben Calabarin den Calabarbohnen, den Samen von Physostoma venenosum Balf., eigentümliche giftige Alkaloid von der Zusammensetzung C₁₅H₂₁N₃O₂, bildet rhombische Krystalle oder eine gelbe, amorphe, bei 45° schmelzende Masse, in allen Lösungsmitteln löslich, wird beim Kochen mit Wasser, ebenso durch Licht- oder Luftzutritt rasch zersetzt und färbt sich dabei rot. Das E. kommt hauptsächlich in der Augenheilkunde zur Verwendung, verengt, in den Bindehautsack gebracht, die Pupille und spannt den Accommodationsmuskel an. – Das Calabarin (1876 von Harnack und Witkowsky entdeckt) unterscheidet sich vom E. dadurch, daß es in Äther unlöslich ist, sowie durch seine physiol. Wirkung, indem es bei Fröschen, ähnlich dem Strychnin, Tetanus hervorruft, während E. Lähmung des Gehirns und Rückenmarks bewirkt.
Esher (spr. ihsch’r), Dorf in der engl. Grafschaft Surrey, 22 km im SW. von London. Esher-Place, einst Schloß des Kardinals Wolsey, ist jetzt umgebaut. Im nahen Sandownpark werden Pferderennen (Sandown-Races) abgehalten.
Esĭno (auch Jesino), Fiume di Jesi oder Fiumesino, der Äsis der Römer, Fluß im ital. Compartimento Marche (die Marken), entspringt westlich von Matelica in der Provinz Macerata auf dem Ostabhang des Römischen Apennin, tritt gleich darauf in die Provinz Ancona, fließt zuerst nach N., dann nach NO., berührt Jesi und mündet nach einem Laufe von 52 km westlich von Ancona an versandetem Ufer ins Adriatische Meer.
Esĭnokalk, lichtgraue, petrefaktenreiche Kalksteine, die in den südl. Alpen den untern Keuper Deutschlands vertreten, also der obern alpinen Trias angehören.
Esĭto (ital.), Ausgang, Ausfuhr; Esitowaren, Ausfuhrwaren; Esitozoll, Ausfuhrzoll.
Esk, Name mehrerer Flüsse in Schottland, England und Irland. Darunter: 1) Der E., entspringt am Fuße des Ettrick-Pen (688 m), durchfließt die schott. Grafschaft Dumfries, tritt in die engl. Grafschaft Cumberland, um, nach einem Laufe von 60 km, in den Solway-Firth zu münden. Hauptnebenfluß ist der Liddel (s. d.). – 2) Der Südesk, 79 km lang, fließt nach SO. aus dem Esksee im nordöstl. Teil der schott. Grafschaft Forfar, berührt Brechin und mündet in die Bai von Montrose. – 3) Der Nordesk, entspringt ebendort, hat einen Lauf von 47 km und ergießt sich 6 km nördlich von jenem ebenfalls in die Nordsee.
Eskadre (frz., spr. -kahdr), Geschwader.
Eskadron (frz., spr. -dróng), Schwadron, Bezeichnung für die taktische Einheit der Kavallerie, war ursprünglich im 16. und Anfang des 17. Jahrh. Bezeichnung einer Stellungsform, indem man unter Squadron (von Quadra) jeden viereckig geformten, d. h. aus mehrern hintereinander stehenden Compagnien gebildeten Schlachthaufen verstand ohne Unterschied der Waffengattung. Später wurde mit E. eine fast in allen Heeren aus je 2 Compagnien, bestehende Kavallerieabteilung bezeichnet; die im preuß. Regiment Garde du Corps bis 1889 beibehaltene administrative Einteilung der E. in 2 Compagnien und die in England noch jetzt bestehende Zusammensetzung der E. aus zwei administrativ selbständigen Troops ist ein Nachklang der histor. Entwicklung der E. – Die Kriegsstärke einer E. beträgt fast in allen Heeren ungefähr 150 Pferde. Eine Anzahl E. (zur Zeit in Rußland, Österreich und Italien je 6, in Deutschland und Frankreich je 5, in England je 4) bilden ein Regiment; in Deutsch- ^[folgende Seite]