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Hugenotten
veranlaßte nur eine stärkere Reaktion. Sie unterbrach Karls IX. Regierungsantritt, die antiguisische Politik Katharinas von Medici und die protestantische, auf Anton von Navarra sich stützende Politik Colignys. Die Guisen stifteten eine Gegenverbindung, das sog. Triumvirat, wodurch Katharina vollends genötigt wurde, ihren Halt in den Protestanten zu suchen. Im Juli 1561 erschien ein Edikt, das die Todesstrafe der Ketzer abschaffte. Zur völligen Beilegung des Streites eröffnete der Hof im September ein Religionsgespräch zu Poissy. Der Kardinal von Lothringen (s. Guise) und Theodor Beza waren die Hauptkämpfer. Die Unterredung hatte nur zur Folge, daß der Zwiespalt der Bekenntnisse sich schärfte, die Protestanten aber, am Hofe wohlgelitten, im ungebrochenen Vertrauen auf die Siegeskraft ihrer Sache, mit steigender Kühnheit auftraten. Coligny, von L’Hôpital unterstützt, errang den H. die erste staatliche Anerkennung. Am 17. Jan. 1562 erschien das Edikt von St. Germain, das ihnen Gewissensfreiheit und, unter gewissen Bedingungen, freie Religionsübung gewährte. Aber die Katholiken, von Spanien gedeckt, griffen gewaltsam ein; 1. März 1562 entstand zu Vassy zwischen dem Gefolge des Herzogs von Guise und den Protestanten, die in einer Scheune Gottesdienst hielten, eine von Guise verschuldete blutige Metzelei. Dies Blutbad von Vassy war das Signal zum ersten Hugenottenkrieg. Condé begab sich nach Orléans und rief seine Glaubensgenossen im Namen der königl. Edikte zu den Waffen, während sich die Guisen des Königs und seiner Mutter bemächtigten und die Protestanten für Aufrührer erklärten. Nach langen Verhandlungen und einigen Belagerungen kam es 19. Dez. zur Schlacht bei Dreux, wo die Protestanten nach heftigem Kampfe das Feld räumten. Guise zog nun vor das prot. Orléans, verlor aber daselbst 24. Febr. 1563 durch Mord das Leben. Die Königin-Mutter schloß eiligst 19. März den Frieden von Amboise, der den Protestanten eine an bestimmte Orte gebundene, nur für den Adel ganz freie Religionsübung verschaffte. Aber die Gegensätze waren noch allzu scharf, der Friede ward von Gewaltthaten unterbrochen, die Königin, auf ihre Selbständigkeit bedacht, den H. innerlich abhold, suchte den Bund mit Spanien. (S. Bayonner Zusammenkunft.) Diese Politik, Verletzungen der H., Befürchtungen eines großen Anschlages führten die Protestanten zu dem Entschluß, sich auf den 28. Sept. 1567 des Königs zu Monceaux zu bemächtigen. Der Hof floh jedoch nach Paris, Verhandlungen mißglückten; 10. Nov. kam es bei St. Denis zur Schlacht (zweiter Hugenottenkrieg), wobei sich die Protestanten gegen den unvergleichlich stärkern Feind aufs heldenmütigste schlugen, doch ohne den Sieg davontragen zu können. Aber deutscher Zuzug, von dem pfälzischen Prinzen Joh. Kasimir herbeigeführt, zwang Katharina zum Frieden zu Longjumeau 27. März 1568, der den Vertrag von Amboise wiederherstellte, aber nur bestimmt war, die H. zu täuschen. Nachstellungen der Königin trieben Condé und Coligny nach La Rochelle, wo auch die Königin Johanna von Navarra mit ihrem 15jährigen Sohn, dem spätern König Heinrich IV. von Frankreich, eintraf.
Nachdem sich die Protestanten aus Deutschland durch Mannschaft, aus England durch Geld und Geschütz verstärkt hatten, begannen sie den dritten Hugenottenkrieg. Am 13. März 1569 verloren sie indessen bei Jarnac eine heiße Schlacht, wobei auch Condé durch Meuchelmord fiel. Unter Johannas Beistand, im Namen ihres Sohnes wie des jungen Condé, mit erneuter ausländischer Hilfe setzte Coligny den Krieg fort, belagerte Poitiers, wurde von neuem bei Moncontour geschlagen, wußte aber dennoch den Hof zum Frieden zu nötigen. Der zu St. Germain-en-Laye 8. Aug. 1570 geschlossene Vertrag gab den Protestanten Amnestie, freie Religionsübung an allen Orten, mit Ausnahme von Paris, und zahlreiche Sicherheitsplätze.
Es folgte die Zeit einer Annäherung zwischen den H. und der Krone, die schließlich 24. Aug. 1572 in der Bartholomäusnacht (s. d.) ihr Ende fand; mit 2000 Genossen, denen in den Provinzen 20000 nachgefolgt sein sollen, erlag Coligny den königl. Mördern. Damit war das Aufwärtsstreben der Hugenottenpartei gebrochen, und da sie sich dem Einheitszuge der franz. Geschichte und der Idee des Königtums mit ständischen Lehren entgegenstemmten, wurden sie zu einer die franz. Entwicklung hemmenden, reaktionären, zum Untergang verurteilten Kraft. Mit 1572 beginnt ihr Zerfall. Obwohl ihrer Führer beraubt, griffen sie zu den Waffen und begannen den vierten Hugenottenkrieg. Sie verschlossen den Hoftruppen ihre wichtigsten Städte und verteidigten sie mit Hartnäckigkeit. Der Herzog von Anjou (s. Heinrich III.) benutzte, nachdem er vor La Rochelle sein Heer eingebüßt hatte, seine Berufung auf den poln. Königsthron und schloß 24. Juni 1573 Frieden, wonach die Protestanten freie Religionsübung in ihren Sicherheitsplätzen: Montauban, Nimes und La Rochelle, übrigens sog. Gewissensfreiheit erhielten. Eine kath. Adels- und Hofpartei, an deren Spitze der Herzog von Alençon, der jüngste Sohn Katharinas, stand, trat jetzt mit den Protestanten zum gemeinsamen Widerstande gegen das Regiment der Königin-Mutter und der Guisen in Verbindung. Aber Heinrich III. blieb auf den Bahnen kath. Offensive, der fünfte Hugenottenkrieg brach aus, nahm aber seit 1575 eine für die Protestanten günstige Wendung. Heinrich I. Condé, Johann Kasimir von der Pfalz und Alençon vereinigten eine überlegene Streitmacht, überdies machte Heinrich von Navarra in Guyenne kräftige Fortschritte. Der Hof schloß deshalb 6. Mai 1576 zu Beaulieu einen Frieden, der den Protestanten endlich volle Religionsfreiheit und sehr viele Sicherheitsplätze gewährte. Zugleich bezahlte der König die deutschen Hilfsvölker. Der Gegenschlag der Altgläubigen war die Bildung der katholischen Liga (s. d.) unter Heinrich Guise. Auch der König mußte, um der Bewegung Herr zu bleiben, auf dem Reichstage zu Blois 1576 diesem Bunde beitreten und demzufolge den sechsten Hugenottenkrieg eröffnen. Der Krieg wurde jedoch matt geführt; schon im Sept. 1577 wurde vom König zu Bergerac auf Grund der frühern Bedingungen Friede geschlossen, und Katharina trat aus Besorgnis vor den ehrgeizigen Plänen des Herzogs von Guise mit Heinrich von Navarra zu Nérac in geheime Unterhandlungen, die den Protestanten noch einige Sicherheitsplätze eintrugen. Eine Weile lang herrschte Ruhe; ein siebenter Hugenottenkrieg, von Condé und Navarra 1579 aufgenommen, wurde schon 1580 ohne die Lage der Dinge zu ändern beendet; erst Alençons Tod (1584) regte alles zu stärkster Bewegung auf; gegen Navarras Thronfolge bildete sich von neuem eine Liga, und Spanien