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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Leutershausen - Leuthen

fabriken, Mehl-, Loh- und Sägemühlen und wird als Sommerfrische besucht. Auf dem Schloßberg die Friedensburg.

Leutershausen in Bayern, Stadt im Bezirksamt Ansbach des bayr. Reg.-Bez. Mittelfranken, an der Altmühl und der Linie Nürnberg-Crailsheim der Bayr. Staatsbahnen, hat (1895) 1473 (1890: 1557) E., darunter 20 Katholiken und 71 Israeliten, Postexpedition, Telegraph; Viehzucht. Hier besiegte 11. April 1450 Albrecht Achilles die Nürnberger.

Leuthen, Dorf im Kreis Neumarkt des preuß. Reg.-Bez. Breslau, 15 km westlich von Breslau, hat (1895) 704 E. (ohne die königl. Domäne), Postagentur, Fernsprechverbindung. In der Schlacht bei L. besiegte 5. Dez. 1757 Friedrich d. Gr. den Prinzen Karl von Lothringen. Nach dem Siege bei Roßbach (5. Nov. 1757) eilte der König nach Schlesien, um die Österreicher aufzuhalten. Als er in Parchwitz 28. Nov. anlangte, führte ihm Zieten die Trümmer des Bevernschen Korps zu; er marschierte hierauf 4. Dez. mit 33000 Mann, davon 12000 Reiter) und 167 Geschützen dem Feinde entgegen. Am 5. warf er den General Nostitz, der mit fünf Kavallerieregimentern bei Borne stand, zurück und erblickte nun die feindliche Stellung (82000 Mann und 210 Geschütze), die sich lang ausgedehnt, L. vor der Mitte, von Nippern (Lucchesi) über Frobelwitz (Daun) bis Sagschütz (Nádasdy) zog, die Weistritz im Rücken, den linken Flügel zurückgebogen und durch eine schwere Batterie verstärkt. Er marschierte treffenweise in geöffneter Zugkolonne rechts ab, an der feindlichen Fronte vorüber; die österr. Generale spotteten ("Potsdamer Wachtparade") und glaubten, gegen Dauns Warnung, an keinen Angriff. Vor dem linken feindlichen Flügel angekommen, ließ der König einschwenken und durch den General Wedel mit neun Bataillonen als Vortreffen die vorliegenden Dörfer angreifen. Seine Kavallerie des rechten Flügels brach vor, die Infanterie folgte und nahm die Höhe von Sagschütz gegen 1 Uhr nachmittags, und bald war der Feind überflügelt und seine Linke geschlagen. Nunmehr wollte Prinz Karl von Lothringen wenigstens das Centrum bei L. behaupten. Die Truppen Nádasdys und Dauns sammelten sich hier, eine große Batterie wurde hinter dem Dorfe aufgefahren und dieses stark besetzt. Der König ließ seine Infanterie staffelweise vom rechten Flügel vorgehen, wodurch der linke zurückgehalten und die sog. schräge Schlachtordnung (ähnlich der des Epaminondas) gebildet wurde. L. wurde von den nach und nach in das Feuer rückenden Bataillonen angegriffen und nach halbstündigem blutigen Kampfe erobert. Der linke Flügel war unterdessen im Nachrücken geblieben, die österr. Kavallerie des rechten Flügels unter Lucchesi griff 4 Uhr nachmittags an, wurde aber von der preußischen unter Driesen geworfen; Lucchesi fiel, und die österr. Infanterie löste sich in wilder Flucht auf. Der König setzte sich an die Spitze der Verfolgung und geriet dabei auf dem Schlosse zu Lissa fast ohne Begleitung unter den österr. Armeestab. Die Ergebnisse dieses Sieges waren 12300 Gefangene, darunter 308 Offiziere, 110 Geschütze, 51 Fahnen und 4000 Wagen, die Auflösung der österr. Armee und die Wiedereroberung ganz Schlesiens, mit Ausnahme von Schweidnitz. Gesamtverlust der Österreicher 804 Offiziere, 22000 Mann, der Preußen 196 Offiziere, 6048 Mann. (S. obenstehenden Plan.) Im Sept. 1854 wurde auf dem Schlachtfelde eine Granitsäule mit Victoria aufgestellt.

^[Abb.: Plan der Schlacht bei Leuthen.]