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Nago – Nagy-Maros
1821 war er außer Dienst und legte während dieser Zeit seine kostbaren Kunstsammlungen an, die später in den Besitz der Berliner Museen übergingen. 1821 zum Chef des Postwesens und 1823 zum Generalpostmeister ernannt, machte er sich hoch verdient durch Anlegung von Schnellposten, Regulierung des Briefportos und Verbesserung der Poststraßen. 1828 wurde N. in den Adelstand erhoben und 1824 als preuß. Gesandter auf den Bundestag nach Frankfurt geschickt, wo er als entschiedener preuß. Partikularist hervortrat. 1835 aus Frankfurt abberufen, blieb N. wie bisher Generalpostmeister und wurde zugleich 1836 Staatsminister. Stolz auf seine großen Erfolge in der Vervollkommnung des Fahr- und Personenpostwesens, stand er der Einführung der Eisenbahnen anfänglich sehr ablehnend gegenüber. N. starb 13. Juni 1846. Kelchner und Karl Mendelssohn-Bartholdy veröffentlichten N.s «Briefe an einen Staatsbeamten» (2 Bde., Lpz. 1869).
Nago, Negervolk, s. Joruba.
Nagoja, Hauptstadt des japan. Ken Aichi (Provinz Owari) auf der Insel Honshiu, an der seichten Bucht von Owari, Knotenpunkt von 3 Bahnlinien, hat (1890) 170453 E., ein schönes Schloß des frühern Daimio (jetzt Kaserne), großen Tempel Higashi Hongwanji, Postgebäude, Hospital und Präfektur in europ. Stil. Es ist eine gewerbthätige Stadt mit dem Vertrieb des Porzellans von Seto, der Fabrikation von Fächer- und Emaillearbeiten.
Nagold, rechter Zufluß der Enz, entspringt im württemb. Schwarzwald bei Urnagold, verändert bei N. den östl. Lauf in einen nördlichen, nimmt links die Teinach, rechts die Würm auf und mündet bei Pforzheim.
Nagold. 1) Oberamt im württemb. Schwarzwaldkreis, hat 284,93 qkm, 1890: 25720, 1895: 25088 (11727 männl., 13361 weibl.) E. in 5 Stadt- und 33 Landgemeinden. – 2) Oberamtsstadt im Oberamt N., an der N., an der Linie Pforzheim-Horb und der Nebenlinie N.-Altensteig (61,1 km) der Württemb. Staatsbahnen, Sitz des Oberamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht Tübingen), hatte 1890: 3540, 1895: 3571 E., Post, Telegraph, evang. Schullehrerseminar mit Präparanden- und Taubstummenanstalt; Möbelschreinerei, Wollspinnerei, Tuchfabrikation, Gerberei, Landwirtschaft und Holzhandel. Nahebei die Ruinen der Burg Hohennagold, um 1200 erbaut und im Dreißigjährigen Kriege zerstört.
Nagoldbahn, 66,5 km lange, 1874 eröffnete Bahn von Horb nach Brötzingen.
Nāgpur, engl. Nagpore, ehemaliger Mahrattenstaat im nördl. Dekan in Vorderindien, der einen großen Teil von Gondwana und Berar (s. d.) umfaßt und seit 1854 die aus den fünf Distrikten Balaghat, Bhandara, Tschanda, N. und Wardha bestehende Division N. der Centralprovinzen bildet, welche 1881 auf 62263 qkm 2758056 E. zählte. Erzeugnisse sind Reis, Mais, Weizen, Bohnen, Gurken, Baumwolle, Öl- und Leinsaat, Sesam, Senf, Gewürze, Betel, Tabak, Gemüse und Früchte aller Art. Auch gewinnt man Eisen, Kupfer und Marmor. Rohe Baumwolle, Getreide, Lack und Wachs kommen zur Ausfuhr. Die ursprünglichen Bewohner sind Gond (s. d.).
Die Hauptstadt, an dem Flusse Nag unter 21° 9½′ nördl. Br. und 79° 7′ östl. L. gelegen, hat 8,5 km im Umfang, ist sehr unregelmäßig gebaut und besitzt außer einer guten Straße nur enge, von Wasserläufen durchzogene Gassen. Die Häuser sind aus Lehm erbaut und mit Blättern oder Ziegeln gedeckt. Die Stadt, über Bussawal mit Bombay durch Eisenbahn verbunden, hat (1891) mit Kantonnement 117014 E., darunter 94549 Hindu, 16387 Mohammedaner, 3087 Christen; zahlreiche Tempel, Hospital, Gefängnis u. s. w. Man fertigt grobe und feine Baumwollzeuge, Zitze, Turbane, Seiden- und Brokatstoffe, Decken und andere Wollwaren, Zeltleinwand, Kupfer- und Messingwaren. Wichtig ist auch Kamthi (s. d.). ^[Spaltenwechsel]
Nagy (ungar., spr. naddj), groß, häufig vor ungar. Ortsnamen.
Nagyagīt, Mineral, s. Blättertellur.
Nagy-Bánya (spr. naddj bahnja), früher Frauenbach, ungar. Asszonypáták, Stadt mit geordnetem Magistrat, mit dem Titel Königliche Freistadt, im ungar. Komitat Szatmár, an der Linie Szatmár-N. (61 km) der Ungar. Staatsbahnen, hat (1890) 9838 magyar. und rumän. E., Münzstätte, staatliches Obergymnasium; Bergbau auf Gold, Silber und Kupfer, Weinbau und starke Töpferei. N. wurde im 11. Jahrh. als sächs. Bergwerkskolonie gegründet, ist aber jetzt vollständig magyarisiert.
Nagy-Becskerek, s. Becskerek.
Nagy-Bocskó, s. Bocskó.
Nagy-Enyed, s. Enyed.
Nagy-Kálló (spr. naddj), Groß-Gemeinde und Hauptort des ungar. Komitats Szabolcs sowie eines Stuhlbezirks (33494 E.), in sumpfiger Gegend, an der Linie Nyiregyháza-Máté Szalka der Ungar. Staatsbahnen, hat (1890) 5632 E., meist Magyaren und Kumanen; Getreidebau, Viehzucht und Salpetergewinnung.
Nagy-Kanizsa, s. Kanizsa.
Nagy-Károly, s. Károly.
Nagy-Kikinda (spr. naddj), Groß-Kikinda, Stadt mit geordnetem Magistrat und Hauptort des Stuhlbezirks N. (48623 E.) im ungar. Komitat Torontál, Vorort des frühern Großkikindaer Krondistrikts, an der Linie Budapest-Verciorova der Ungar. Staatsbahnen und der Zweigbahn N.-Groß-Becskerek (71 km), Sitz eines königl. Gerichtshofs, hat (1890) 22768 E. (3519 Ungarn, 5719 Deutsche, 12855 Serben), darunter 8484 Römisch-Katholische, 13207 Griechisch-Orientalische, 261 Evangelische und 670 Israeliten; in Garnison 2 Eskadrons des 3. ungar. Husarenregiments «Graf Hadik», Post, Telegraph, kath. und griech.-orient. Pfarrkirche, Kommunal-Obergymnasium; Weizen-, Mais- und Rapsbau, Getreidehandel und bedeutende Viehzucht.
Nagy-Körös, s. Körös.
Nagy-Küküllö, s. Kokelburg.
Nagy-Lak (spr. naddj), Groß-Gemeinde und Hauptort eines Stuhlbezirks (24176 E.) im ungar. Komitat Csanád, rechts an der Maros, an der Linie Szegedin-Arad der Vereinigten Arader und Csanáder Eisenbahnen, hat (1890) 12800 slowak., rumän. und magyar. E., Getreidebau (namentlich Weizen), Vieh- und Geflügelzucht. Zu N. gehört die große Puszta Töviskes.
Nagy-Maros (spr. naddj marrosch), deutsch Groß-Maros, Groß-Gemeinde im Stuhlbezirk Szob des ungar. Komitats Hont, am linken Donauufer, gegenüber von Višegrad, an der Linie Marchegg-Budapest-Verciorova der Ungar. Staatsbahnen, hat (1890) 3508 meist deutsche kath. E.; Obst- und Weinbau und bedeutende Ausfuhr von Tafeltrauben, Obst und Kastanien.