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Rothenhaus – Rothschild
Schloß des Fürsten Löwenstein-Wertheim-Rosenberg; Dampfgerberei, Sandsteinbrüche und Faßbinderei. – 2) R. in Baden, Dorf im Amtsbezirk Rastatt des bad. Kreises Baden, rechts an der Murg, am Eingang zum Murgthal des Schwarzwaldes und an der Nebenlinie Rastatt-Weisenbach der Bad. Staatsbahnen, hat (1890) 1596 E., darunter 70 Evangelische, Post, Telegraph, einen Chlornatrium-Säuerling (Elisabethenquelle, 20° C.) mit Badeanstalt; Steinhauerei, Herstellung von Glaswaren, Obst- und Meerrettichbau und Holzhandel. Nahebei, am Fuße des Schanzenberges, ein früher markgräfl. Schloß und Gut mit Musterwirtschaft, jetzt im Besitz des Fürsten von Lippe.
Rothenhaus, Schloß bei Görkau (s. d.) in Böhmen.
Rother, König R., der Held einer deutschen Dichtung des 12. Jahrh., in der der Name, das Motiv der Brautwerbung u. s. w. ursprünglich auf langobard. Sagen beruht; der Verfasser, wohl ein Geistlicher vom Niederrhein, dichtete um 1150 in Bayern und flocht viele bayr. Lokalbeziehungen ein. Der Inhalt ist R.s Brautfahrt nach dem Orient. R., in Bare (Bari in Apulien) herrschend, sendet zwölf seiner Mannen nach Konstantinopel, um die Königstochter zu werben. Die Boten werden aber gefangen genommen, und R. macht sich mit einem Heer auf, sie zu befreien. Unter dem Namen Dietrich weiß er die Huld und Liebe der Königstochter zu gewinnen, die er glücklich samt seinen Boten entführt. Ein Spielmann bringt sie durch List zu ihrem Vater zurück; R. wird bei einem neuen Entführungsversuch erkannt und zum Tode verurteilt, aber in höchster Gefahr von seinen im Hinterhalt verborgenen Mannen befreit. R.s Sohn ist Pippin, der Vater Karls d. Gr. Kreuzzugsmotive, Spielmannsscherze, die naive Anmut der Liebeswerbung bringen Abwechselung in das Heldengedicht. Ausgaben von H. Rückert (Lpz. 1872) und von K. von Bahder («Altdeutsche Textbibliothek», Nr. 6, Halle 1884). Denselben Stoff erzählt die auf deutscher Quelle ruhende altnord. Thidrekssaga von einem König Osantrix.
Rother, Christian von, preuß. Staatsminister, geb. 14. Nov. 1778 zu Ruppersdorf in Schlesien, kam 1806 als Kalkulator zur Kriegs- und Domänenkammer. Nach dem Tilsiter Frieden (1807) war er in Warschau im Bureau des Justizministers Grafen Lubienski thätig. Eine treffliche Schrift über Kassenverwaltung bahnte ihm den Wiedereintritt in den preuß. Staatsdienst. Er wurde 1810 Rechnungsrat, 1815 Specialbevollmächtigter bei der Verteilung der Kriegsentschädigung, die Frankreich zu zahlen hatte, 1820 Präsident der Staatsschuldenverwaltung und Chef der Seehandlung, 1836 Geh. Staatsminister und leitete 1835‒37 die Handelspolitik; seitdem beschränkte er sich auf die Leitung der Seehandlung, der Bank und des königl. Kreditinstituts in Schlesien. Seine Verdienste liegen namentlich in der Hebung des tief gesunkenen Staatskredits und der Belebung des überseeischen Handels durch die Seehandlung. Auch stiftete R. 1825 den Verein für sittlich verwahrloste Kinder; die 1840 gegründete Rother-Stiftung gewährte aus den Beträgen verfallener Seehandlungs-Prämienscheine unversorgten Töchtern verstorbener Staatsdiener Wohnung und Geldunterstützung. 1848 schied er aus dem Staatsdienst und starb 7. Nov. 1849 auf seinem Gut Rogau bei Parchwitz in Schlesien.
Rotherham (spr. röthĕrämm), Municipalborough in der engl. Grafschaft York im West-Riding, rechts am Don, an der Einmündung des Rother, Eisenbahnknotenpunkt, 8 km nordöstlich von Sheffield, hat (1891) 42050 E., gegen 34782 im J. 1881, Lateinschule, schöne Allerheiligenkirche; großartige Eisen- und Stahlfabriken, Nagelschmieden, Maschinenbau; in der Nähe Kohlen- und Eisengruben. ^[Spaltenwechsel]
Rotherhithe (spr. róthĕrheith oder róthĕrith), Stadtteil von London, in der Grafschaft Surrey, rechts an der Themse, oberhalb Deptford, hat (1891) in 5226 Häusern 39074 E., meist Matrosen und Schiffszimmerleute. Mit Wapping, links von der Themse, ist R. 3 km unterhalb London-Bridge durch den Themsetunnel (s. Tunnel) verbunden.
Rothesay (spr. rothsĕ), Hauptstadt der schott. Grafschaft Bute, an der Nordostküste der Insel Bute, hat (1891) 9034 E., einen vorzüglichen Hafen am Ende der schönen Rothesaybucht, Ruine eines königl. Schlosses (1098 gegründet), Kaltwasserheilanstalt. R. ist wegen seines milden Klimas beliebter Badeort.
Röthgruppe, Teil der Hohen Tauern, s. Ostalpen (Bd. 12, S. 695 b).
Rothhornbahn, Zahnradbahn im Berner Oberland, von Brienz (470 m) an der Brünigbahn auf das Rothhorn (2252 m), ist 15. Juni 1892 eröffnet.
Rothière, La, franz. Dorf, s. La Rothière.
Rothirsch, s. Edelhirsch.
Roth-Kostelez, Stadt im Gerichtsbezirk Náchod der österr. Bezirkshauptmannschaft Neustadt an der Mettau in Böhmen, an der Linie Deutschbrod-Liebau der Österr. Nordwestbahn, hat (1890) 3204 czech. E.; über 40 Leinen- und Baumwollwebereien und zahlreiche Färbereien.
Rothley (spr. -lĕ), Baron Macaulay von, s. Macaulay, Lord.
Rotholz, Fernambukholz, Bahamaholz, Brasilienholz, eine Anzahl Farbhölzer, die sämtlich von tropischen Cäsalpiniaceen (s. Caesalpinia und Leguminosen) abstammen und sich durch einen größern oder geringern Gehalt an Farbstoff (Brasilin und Brasileïn) unterscheiden. Das bekannteste ist das brasilianische R. oder rotes Fernambukholz, das jetzt in verhältnismäßig geringer Menge zugeführt wird. Das meiste R. kommt von Lima; auch Sta. Martha und Bahia sowie Ostindien liefern R., letzteres als Sapanholz bekannt. R. wird in der Färberei und zur Darstellung roter Lackfarben verwandt. (S. Holzrot.) Hamburgs Einfuhr betrug 1893: 22840 Doppelcentner. Durchschnittswert des brasilianischen und des ostindischen R. ist 16 M. und des westafrikanischen R. 8 M. für den Doppelcentner.
Rothschild, deutscher Name von Roeskilde (s. d.).
Rothschild, internationales Bankhaus, gegründet von Mayer Anselm R. Dieser, geb. 1743 zu Frankfurt a. M., besuchte die Religionsschule zu Fürth und trat dann als Gehilfe in ein Bankgeschäft zu Hannover ein. Nach einigen Jahren kehrte er nach Frankfurt zurück und fing mit einem kleinen Vermögen ein eigenes Geschäft an. Von wesentlichem Einfluß für den Aufschwung seiner Handlung war das Geschäftsverhältnis, in welches er zu dem damaligen Landgrafen von Hessen-Cassel, seit 1803 Kurfürsten Wilhelm Ⅰ., trat. Als Kurhessen 1806 von den franz. Truppen occupiert worden, der Kurfürst aus dem Lande flüchten mußte und sich nach Böhmen begab, vertraute dieser sein ganzes Vermögen der Obhut und Verwahrung R.s an. Nur mit großer persönlicher Gefahr für sich und seine herangewachsenen Söhne vermochte R. diese Schätze vor dem Angriff der franz. Polizei, die