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Schörl – Schornstein
Schörl, Mineral, s. Turmalin.
Schorlemer-Alst, Burghard, Freiherr von, ultramontaner Politiker, geb. 21. Okt. 1825 auf Schloß Herringshausen bei Lippstadt, trat 1845 in das 8. Ulanenregiment ein, schied 1857 als Premierlieutenant wieder aus und widmete sich dann der landwirtschaftlichen Thätigkeit auf seinem Gute Alst bei Horstmar. Er wurde 1863 Mitglied des preuß. Landesökonomiekollegiums, war auch Ehrendirektor des Landwirtschaftlichen Provinzialvereins von Westfalen, Direktor des Landwirtschaftlichen Hauptvereins zu Münster, Mitglied des preuß. Staatsrats (seit 1884) und Vorsitzender des Westfälischen Bauernvereins. Seit 1870 war S. Mitglied des preuß. Abgeordnetenhauses; im Deutschen Reichstag vertrat er seit 1875 Tecklenburg-Steinfurt-Ahaus. Für seine rege Thätigkeit im Interesse des Ultramontanismus wurde er vom Papst Pius Ⅸ. zum päpstl. Geheimkämmerer ernannt. Er gehörte zu den schlagfertigsten Rednern des konservativen rechten Flügels der Centrumspartei und trat sowohl in kirchenpolit. wie wirtschaftlichen Fragen hervor. «Aus Gesundheitsrücksichten» legte er 1885 das Reichstags- und 1889 das Landtagsmandat nieder. Doch scheint der Gegensatz zu der unter Windthorsts Führung dominierenden demokratischen Richtung der Partei, der bei mehrfachen Gelegenheiten zu Tage trat, für den Rücktritt mitbestimmend gewesen zu sein. Zwar nahm S. 1890 wieder ein Reichstagsmandat an, mußte dasselbe jedoch wegen eines Herzleidens Ende des Jahres abermals niederlegen. Er starb 17. März 1895 in Münster.
Schorn, Karl, Geschichtsmaler, geb. 16. Okt. 1803 zu Düsseldorf, erhielt feine Kunstbildung zu Berlin in der Schule Wachs. Nachdem er schon durch Maria Stuart und Rizzio, Karl Ⅴ. zu San Juste, Cromwell vor der Schlacht bei Dunbar zur Anerkennung gelangt und dann 1824‒26 in Paris nach Gros und Ingres sich weiter gebildet hatte, trat er in die Cornelius-Schule in München und nahm an der Ausführung der Fresken in den Arkaden des Hofgartens wie an den Kompositionen zu den Seitenfenstern des Doms zu Regensburg teil. Eine Reise nach Italien gab Stoff zu einer andern Folge von Gemälden, zu denen auch launige Genrebilder zählen. 1843‒45 malte er im Auftrage des Königs Friedrich Wilhelm Ⅳ. von Preußen Die gefangenen Wiedertäufer vor dem Bischof Franz zu Münster 1536 (1846). Die Berliner Nationalgalerie besitzt von ihm die beiden Gemälde: Papst Paul Ⅲ. vor dem Bilde Luthers und Spieler aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges; die Neue Pinakothek zu München: Knox mit Soldaten disputierend und das unvollendete Kolossalbild Sintflut (1845‒60) ^[richtig -50? (Sterbedatum)]. Seit 1847 Professor an der Münchener Akademie, erscheint er als der koloristische und realistische Vorläufer des mit ihm verschwägerten Piloty. S. starb 7. Okt. 1850 zu München.
Schorndorf. 1) Oberamt im württemb. Jagstkreis, hat 192,84 qkm und (1890) 25578 (12139 männl., 13439 weibl.) E. in 1 Stadt und 27 Landgemeinden. – 2) Oberamtsstadt im Oberamt S., an der Rems und der Linie Stuttgart-Nördlingen der Württemb. Staatsbahnen, Sitz des Oberamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Ellwangen), Kameral- und Forstamtes, hat (1890) 4741 E., darunter 119 Katholiken, Post, Telegraph, Reste ehemaliger Befestigungen, gotische evang. Kirche mit prächtigem Portal, Schloß, Latein- und Realschule, Frauenstift; Tabak-, Cigarren-, Nähmaschinen-, Eisenmöbel- und Lederfabriken, Landwirtschaft, Viehzucht, Obst- und Weinbau. ^[Spaltenwechsel]
Schornstein, Schlot, Össe oder Esse (oft auch Kamin genannt), der vertikal, aufsteigende Kanal einer Feuerungsanlage, welcher den Zweck hat, den Rauch mit einer gewissen Geschwindigkeit ins Freie abzuführen und dadurch den zur Verbrennung des Brennmaterials erforderlichen Zug zu erzeugen. Sie sind entweder als gemauerte Röhren in den Gebäudewänden oder als freistehende röhrenförmige Kanäle von Stein oder Eisenblech ausgeführt. Die erstern haben entweder 0,40 bis 0,47 m Seite bei quadratischem Querschnitt und heißen dann besteigbare oder fahrbare S., oder sie werden nur 0,15 bis 0,21 m im Quadrat oder mit kreisrundem Querschnitt von 0,20 m Durchmesser ausgeführt als sog. enge S. oder russische Röhren. An fahrbare S. kann man eine beliebige Anzahl Feuerungen in verschiedenen Stockwerken anschließen, während bei russ. Röhren man nur solche in beschränkter Anzahl einmünden lassen darf und zwar nie Feuerungen verschiedener Stockwerke in dasselbe Rohr. Man rechnet erfahrungsgemäß auf einen Stubenofen 80 bis 85 qcm Schornsteinquerschnittfläche. S. von mehr als 55 cm Quadratseite müssen Steigeisen erhalten. Alle S. sind mindestens 30 cm über den Dachfirsten hoch aufzuführen. Die Reinigung durch den Schornsteinfeger (s. d.) geschieht für rechteckigen Querschnitt mit Senkkugel und Kreuzbesen, für runden Querschnitt mit Senkkugel und Bürste; sie muß der Feuergefährlichkeit wegen von Zeit zu Zeit stattfinden und das Reichsstrafgesetzbuch (§. 368, 4) bedroht das Unterlassen einer rechtzeitigen Reinigung der S. mit Geldstrafe bis zu 60 M. oder Haft bis zu 14 Tagen. Zur Reinigung ist im Keller in der Höhe von etwa 1 m vom Fußboden eine Öffnung anzubringen, die mit einer gußeisernen Reinigungsthür geschlossen ist, hinter welcher sich der Rußkasten befindet. Steigbare S. erhalten eine Einsteigeöffnung. Im Innern werden die S. mit Kalkmörtel ausgestrichen. Alles Holzwerk ist von den äußern Wandungen der S. mindestens 5 bis 7 cm entfernt zu halten. Die freistehenden S. haben quadratischen, polygonal achteckigen oder kreisrunden Querschnitt. Jeder S. besteht aus dem obern höhern Teil, dem Schaft, und dem untern, niedrigern Teil, dem Sockel, welcher stets aus Stein hergestellt wird, während der Schaft aus Stein oder Eisen gebaut sein kann. Der achteckige Querschnitt erfordert nur Formsteine an den Ecken, der kreisrunde dagegen lauter Formsteine. Die geringste Höhe eines Fabrikschornsteins ist 16 m; solche erhalten meist quadratischen Querschnitt, während S. von mittlerer Höhe achteckigen, solche von großer Höhe kreisrunden Querschnitt erhalten. Der runde Querschnitt ist für die Stabilität und den Rauchabzug der günstigste. Die Weite eines S. kann oben kleiner, ebenso groß oder größer als unten sein. Das erstere ist das gebräuchlichere, bei Lokomotiven das letztere. Zu verwerfen ist, die Schornsteinmündung mit einem Kapitäl zu versehen, wenigstens sollte ein solches nur ganz geringe Ausladung erhalten, da sonst die äußere Luft nicht saugend zur Entführung der Gase wirken kann, der Wind sich im Kapitäl fängt und, in wirbelnde Bewegung versetzt, in den S. schlägt. Der in den Schornsteinsockel mündende Rauchkanal, der sog. Fuchs, muß bogenförmig sein, damit sich die Rauch- ^[folgende Seite]