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Sieben Wunder der Welt – Siebold (Karl Theodor Ernst von)
Verse («Li romans de Dolopathos», hg. von Brunet und Montaiglon, Par. 1856). Eine zweite verloren gegangene lat. Bearbeitung, das «Liber de septem sapientibus», war die Quelle des franz. «Roman des sept sages» (in Versen, hg. von Keller, Tüb. 1836); ferner verschiedener franz. Prosaversionen sowie mittelbar zweier engl. Versversionen und einer ital. Prosaübersetzung (hg. von D’Ancona, Pisa 1864). Eine dritte lat. Bearbeitung, die «Historia septem sapientum» (hg. nach der Innsbrucker Handschrift von 1342 von Buchner, Erlangen 1889), ist in mehrern Handschriften und Drucken erhalten. (Ein jüngerer Druck u. d. T. «Pontianus. Dicta aut facta septem sapientum», Straßb. 1512, bietet einen ältern Text als der älteste Druck.) Eine vierte lat. Bearbeitung endlich (hg. von Mussafia, «Beiträge zur Litteratur der S. w. M.», Wien 1868) wurde vom Herausgeber mit zwei ital. Versionen als besondere (ältere) Gruppe («Versio italica») aufgestellt. Von allen diesen Bearbeitungen war die verbreitetste die «Historia septem sapientum», die vielen westeurop. Bearbeitungen direkt oder indirekt als Quelle diente, so dem deutschen Gedicht des Bühelers von 1412 («Diocletianus’ Leben», hg. von Keller, Quedlinb. 1841) sowie einer andern Bearbeitung (in Kellers «Altdeutschen Gedichten», Tüb. 1846) und verschiedenen Prosaübersetzungen: deutsch, niederdeutsch holländisch, französisch abgedruckt von G. Paris in «Deux rédactions du roman des sept sages» (in den Schriften der «Société des anciens Textes français», Par. 1876), spanisch, englisch und, auf dem Englischen beruhend, schottisch, armenisch, böhmisch, polnisch, russisch.
Vgl. K. Krumbacher, Geschichte der byzant. Litteratur (Münch. 1891); M. Murko, Die Geschichte der S. w. M. bei den Slawen (Wien 1890); ders., Beiträge zur Textgeschichte der Historia septem sapientum (in der «Zeitschrift für vergleichende Litteraturgeschichte», Neue Folge, Bd. 5).
Sieben Wunder der Welt, im Altertum sieben merkwürdige Bau- und Kunstwerke, die sich durch ihre außerordentliche Größe sowie durch ihre Pracht auszeichneten und zum Teil noch gegenwärtig in ihren Trümmern Bewunderung erregen. Man rechnete dahin die ägypt. Pyramiden (s. d.), die sog. Hängenden Gärten der Semiramis zu Babylon, den Tempel der Artemis zu Ephesus (s. d.), die Bildsäule des Olympischen Zeus von Phidias, das Mausoleum (s. d.) zu Halikarnassos, den Koloß (s. d.) zu Rhodus und den Leuchtturm (s. d.) auf der Insel Pharus.
Siebenzeit, Pflanzenart, s. Melilotus.
Sieblaufen, s. Erbschlüssel.
Siebmacherstuhl, Siebstuhl, ein Webstuhl, auf welchem gewebte Siebböden (s. Sieb) hergestellt werden.
Siebmuschel, s. Gießkanne.
Siebold, eine deutsche Gelehrtenfamilie, deren Glieder sich besonders auf dem Gebiete der Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe verdient gemacht haben:
Karl Kaspar von S., geb. 4. Nov. 1736 zu Nideck im Herzogtum Jülich, gab als Professor der Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe zu Würzburg diesen Lehrfächern eine angemessene Einrichtung und erwarb sich namentlich den Ruf eines ausgezeichneten Chirurgen. In Anerkennung der Verdienste, die er sich während des Krieges in den Hospitälern erworben hatte, wurde er 1801 in den Reichsadel erhoben. Er starb 3. April 1807.
Sein Sohn, Adam Elias von S., geb. 5. März 1775 zu Würzburg, studierte zu Jena, Göttingen und Würzburg Medizin, wurde 1799 außerord. Professor der Medizin zu Würzburg und, nachdem er eine Reise nach Wien unternommen, bei seiner Rückkehr Medizinalrat und ord. Professor. Er folgte 1816 einem Rufe nach Berlin, wo er die Entbindungsanstalt bei der Universität gründete und 12. Juli 1828 starb. Sein Hauptwerk ist das «Handbuch zur Erkenntnis und Heilung der Frauenzimmerkrankheiten» (2 Bde., Frankf. 1811; 2. Aufl., ebd. 1821‒23). Außerdem schrieb er: «Lehrbuch der theoretisch-praktischen Entbindungskunde» (2 Bde., Lpz. 1803‒4; 4. Aufl., Nürnb. 1824) und «Lehrbuch der Geburtshilfe» (5. Aufl., Würzb. 1831). ^[Spaltenwechsel]
Dessen Sohn, Eduard Kaspar Jakob von S., geb. 19. März 1801 zu Würzburg, studierte zu Berlin und Göttingen und wurde 1827 Assistent bei der Entbindungsanstalt daselbst, deren einstweilige Direktion nach dem Tode seines Vaters ihm übertragen wurde. 1829 wurde er Professor der Geburtshilfe in Marburg, 1833 in Göttingen, wo er 27. Okt. 1861 starb. Seit des Vaters Tode setzte er das von diesem 1813 begonnene «Journal für Geburtshilfe» fort. Auch schrieb er «Versuch einer Geschichte der Geburtshilfe» (2 Bde., Berl. 1839‒45), «Lehrbuch der Geburtshilfe» (ebd. 1811), «Zur Lehre von der künstlichen Frühgeburt» (Gött. 1812), «Lehrbuch der gerichtlichen Medizin» (Berl. 1846).
Regine Josephe von S., die Gattin Johann Theodor Damian von S.s, geb. 14. Dez. 1771, war die Tochter des kurfürstl. mainzischen Regierungsbeamten Henning zu Heiligenstadt. Nachdem sie in erster Ehe mit dem Mainzer Regierungsrat Heiland vermählt gewesen, studierte sie 1806‒7 die Geburtshilfe unter Anleitung ihres Schwiegervaters Karl Kaspar von S. und erhielt 1815 von der mediz. Fakultät zu Gießen die Doktorwürde. Sie wirkte bis in ihr hohes Alter zu Darmstadt als Geburtshelferin und starb daselbst 28. Febr. 1849.
Ihre Tochter aus erster Ehe, Marianne Theodore Charlotte Heiland, genannt von S. (durch Adoption ihres Stiefvaters), geb. 12. Sept. 1788 zu Heiligenstadt, erhielt durch ihre Eltern praktischen Unterricht in der Geburtshilfe und studierte dieselbe dann 1811‒12 in Göttingen unter Osianders und Langenbecks Leitung. Nach bestandener Prüfung erhielt sie 1814 die Erlaubnis zur Ausübung der Geburtshilfe und 1817 durch öffentliche Promotion zu Gießen die Doktorwürde. Bei dieser Gelegenheit schrieb sie: «Über die Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter und über Bauchhöhlenschwangerschaft insbesondere» (Darmst. 1817). Seitdem lebte sie zu Darmstadt, wo sie sich 1829 mit dem nachmaligen Oberstabsarzt Heidenreich vermählte. Sie starb 8. Juli 1859.
Siebold, hinter lat. naturwissenschaftl. Namen Bezeichnung für Philipp Franz von Siebold (s. d.).
Siebold, Karl Theodor Ernst von, Physiolog und Zoolog, geb. 16. Febr. 1804 zu Würzburg als Sohn von Adam Elias von S., studierte in Göttingen und Berlin und ward 1831 Kreisphysikus zu Heilsberg in Preußen, 1835 Direktor der Hebammen- und Entbindungsanstalt in Danzig, wo er 1839 auch das Stadtphysikat übernahm. 1840 wurde S. Professor der Physiologie und vergleichenden Anatomie in Erlangen, 1845 in Freiburg i. Br., 1850 in Breslau, wo er zugleich die Direktion des Physiologischen Instituts übernahm. Zur Gründung eines ähnlichen Instituts wurde er 1853 als Professor der Physiologie und vergleichenden Anatomie