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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Decendium – Dechamps (Adolphe)

bekleidete Behörde. Auch für das J. 450 wurden, da die im Jahre zuvor gegebenen, auf 10 Tafeln verzeichneten Gesetze nicht völlig genügend erschienen, wieder D. erwählt, die noch 2 Tafeln hinzufügten (s. Zwölf Tafeln) und ihr Amt ungesetzlich auch 449 fortführten, bis ihr Übermut und die Gewaltthat, die ihr Führer Appius Claudius (s. d.) an der Virginia verübte, ihre gewaltsame Absetzung und die Wiedereinführung der alten Magistrate bewirkte.

Die Decemviri litibus (oder nach alter Schreibung stlitibus) judicandis waren eine richterliche Behörde, die in ungewisser Zeit, wahrscheinlich gleichzeitig mit den plebejischen Tribunen und Ädilen, eingesetzt wurde. Von ihren Befugnissen ist nur bekannt, daß sie in Prozessen, die streitiges Bürgerrecht und Freiheit betrafen, das Urteil zu finden hatten. Im letzten Jahrhundert der Republik, oder schon im vorletzten, wurden sie vom Volk gewählt. Unter Augustus Vorsitzer des Centumviralgerichts, erhielten sie sich als solche lange in der Kaiserzeit.

Die Decemviri sacrorum oder sacris faciundis, ein priesterliches Kollegium, für die Auslegung der Sibyllinischen Bücher und die Leitung der aus dem Auslande, namentlich aus Griechenland, eingeführten Kulte bestimmt, wurden 367 v. Chr. eingerichtet. Bis dahin war für diesen Zweck ein Kollegium von 2 Männern (Duoviri oder Duumviri) vorhanden gewesen, zu dem nur Patricier Zutritt hatten. Als das Amt nun auch den Plebejern zugänglich wurde, vermehrte man das Kollegium auf 10 Mitglieder, von denen 5 Patricier, 5 Plebejer waren. Sulla erhöhte im J. 80 die Zahl auf 15, die nunmehr Quindecimviri genannt wurden.

Decendĭum (vom lat. decem dies, d. i. zehn Tage), die im röm. Recht eingeführte, vom spätern Prozesse des gemeinen Rechts beibehaltene Frist von 10 Tagen, innerhalb deren der Appellant seine Absicht, appellieren zu wollen, in bestimmter Weise an den Tag zu legen (die Appellation zu «interponieren») hatte, wenn er nicht des Rechts der Appellation verlustig gehen wollte. Die Frist lief vom Tage der Publikation des anzufechtenden Urteils, für unverteidigte Abwesende von erlangter Kenntnis des Urteils an. (S. Berufung.)

Decennĭum (lat.), Zeitraum von 10 Jahren; daher Decennalĭa, ein Fest, das seit Augustus die röm. Kaiser mit Opfern, Spielen und Spenden feierten, so oft 10 Jahre der Regierung vergangen waren.

Decént (lat.), anständig, geziemend, sittsam.

Decentĭus, der Bruder des Usurpators Magnentius, wurde von diesem 351 n. Chr. zum Cäsar ernannt und mit der Bewachung Galliens betraut, als Magnentius den Krieg in Illyrien gegen den Kaiser Constantius Ⅱ. eröffnete. Als aber Magnentius die Schlacht bei Mursa verloren hatte, veranlaßte Constantius, um ihn völlig zu stürzen, 352 den Alamannenkönig Chnodomar, in Gallien einzufallen. Von diesem wurde D. im offenen Felde geschlagen und nachher in der Festung Sens blockiert. Um nicht in die Hand seiner Feinde zu fallen, tötete D. schließlich sich selbst (353), nachdem kurz zuvor Magnentius in Lyon ebenfalls durch Selbstmord geendet hatte.

Decentralisation (lat.), eine Richtung der polit. Bestrebungen und der Gesetzgebung, die den Gegensatz zur Centralisation (s. d.) bildet Obwohl letztere besonders streng in Frankreich durchgeführt ist, ist doch auch da das Streben nach D. hervorgetreten, das früher (Dekrete vom 25. März 1852 und 13. April 1861, mit der Erwägung eingeleitet: on peut gouverner do loin, mais on n’administre bien que de près) hauptsächlich darauf abzielte, Verwaltungsbefugnisse von den Centralbehörden auf die Präfekten, Unterpräfekten und Maires zu übertragen, neuerdings aber mehr in der Kräftigung der Selbstverwaltungskörper (Generalräte, Gemeinderate) ihren Ausdruck findet.^[Spaltenwechsel]

Decentralisationssystem, s. Kaserne und Krankenhaus.

Decénz (lat.), Anstand, Schicklichkeit.

Deception (lat.), Täuschung, Betrug.

Deceptionbai (spr. dĕßéppsch’n-), Bai an der brit. Südküste Neuguineas im Papuagolf.

Deceptioninsel (spr. dĕßéppsch’n-). 1) Kleine Insel der Neuen Hebriden. – 2) Größere ringförmige Vulkaninsel der Neushetland-Gruppe in 62° 55′ südl. Br. und 60° 35′ westl. L. von Greenwich. Die Ufer sind steile Felsen mit kleinen Gletschern, im Innern liegt wie ein See der nur durch einen schmalen Eingang abgeschlossene Port Foster.

Deceptōrisch (lat.), betrügerisch.

Decernāt (lat.), in Verwaltung und Rechtspflege der dem Beamten zugeteilte Arbeitsstoff; auch die nicht auf Urteilsfällung gerichtete Amtsthätigkeit.

Decernént (lat.), dasjenige Mitglied einer richterlichen oder Verwaltungsbehörde, welches eine gewisse Angelegenheit zu bearbeiten hat; bei Gerichten auch wohl ein Mitglied, welchem die bloß prozeßleitende Thätigkeit im Gegensatz zur eigentlichen Spruchthätigkeit zugewiesen ist.

Decernieren (lat.), eine Entscheidung, eine Verfügung, eine Anordnung treffen.

De Cesăre (spr. tsche-), Carlo, ital. Nationalökonom und Politiker, geb. 1824 zu Spinazzola in der Terra di Bari, studierte in Neapel Rechtswissenschaften und nahm 1849‒53 an den nationalen Bestrebungen teil, weshalb er ins Gefängnis kam. Er wurde 1860 Generalsekretär der Finanzen zu Neapel, 1868 des Ackerbaues, der Industrie und des Handels, war mehrmals Mitglied des Parlaments, später des Senats. T. schrieb: «Il mondo civile e industriale nel ⅩⅨ secolo» (Neap. 1857), «Della scienza statistica etc.» (ebd. 1857), «Sul metodo statistico» (Palermo 1857), «Della protezione e del libero cambio» (Neap. 1858), «Il sindicato governativo, le società commerciali e gli istituti di credito nel regno d’Italia» (2 Bde., Flor. 1867‒69), «Manuale popolare di economia pubblica» (2 Bde., Tur. 1862), «Le banche di emissione» (Rom 1875), «Del potere temporale del Papa» (2. Aufl., Neap. 1861), «Il primo unitario italiano» (2. Aufl., ebd. 1861), «L’alleanza franco-italiana e la politica di Napoleone Ⅲ» (ebd. 1862), «La Germania moderna» (2. Aufl., Rom 1874), «La vita, i tempi e le opere di Antonio Scialoja» (ebd. 1879) u. s. w. Auch verfaßte er einige lyrische Dichtungen und einen Roman.

Decession (lat.), Abgang; Decéssor, Amtsvorgänger.

Dechalandieren (frz., spr. -schalangd-), jemandem die Kunden entziehen, abspenstig machen; auch eigene Kunden verscheuchen.

Dechamps (spr. -scháng), Adolphe, belg. Staatsmann, geb. 17. Juni 1807 zu Melle in Ostflandern, betrieb bis zur Revolution von 1830 philos.-theol. Studien und wandte sich später allmählich der orthodox-kath. Richtung zu. Seine Mitarbeiterschaft am Genter «Journal de Flandres» und an der Brüsseler «Émancipation» verschaffte ihm 1834 einen Sitz