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Damenisation – Dames
Damenisation, s. Solfeggio.
Damenlebenerhalter (Ladies Life Preserver), s. Flammenschutzmittel.
Damenreiten. Das D. unterscheidet sich vom Herrenreiten durch die Verschiedenheit des Sitzes, die es mit sich bringt, daß die bei dem Herrenreiten benutzte Einwirkung des rechten Schenkels bei dem D. durch den Gebrauch der Gerte ersetzt wird.
Damensattel, s. Sattel.
Damenspiel, ein Brettspiel (s. d.), das von zwei Personen auf einem quadratförmigen, gewöhnlich in 64, abwechselnd weiße (oder hellfarbige) und schwarze (oder dunkelfarbige) Felder geteilten Brette (Damenbrett) gespielt wird. Jede Partei hat zwölf, einerseits weiß oder hell, andererseits schwarz oder dunkel gefärbte flache Steine von scheibenartiger Form, die bei Anfang des Spiels (der Partie) auf den jedem Spieler zunächst befindlichen drei Reihen, und zwar gewöhnlich auf den Feldern von dunkler Farbe, aufgestellt werden. Die Spieler thun dann abwechselnd je einen Zug, indem sie entweder einen ihrer Steine auf ein angrenzendes gleichfarbiges Feld vorrücken oder, wo es möglich, einen feindlichen Stein schlagen, d. h. überspringen, und vom Brett entfernen. Hierzu ist der Spieler genötigt, wenn unmittelbar vor seinen eigenen Stein ein feindlicher so zu stehen kommt, daß direkt hinter dem letztern in gleicher Richtung ein leeres Feld sich befindet. Trifft dabei der eigene Stein auf einen zweiten, gleichfalls zu überspringenden Stein des Gegners, so ist auch dieser in demselben Zuge zu schlagen. Ist das Schlagen übersehen worden, so ist der Stein, der schlagen sollte, für den Spieler verloren. Sobald es einem Spieler gelingt, einen seiner Steine auf die letzte Reihe des Brettes, d. h. in die erste Linie des Gegners, vorzubringen, so erhält dieser Stein den Rang einer (durch zwei aufeinandergelegte Steine bezeichneten) Dame, die nun über beliebig viele Felder in derselben ununterbrochen schrägen Linie sich bewegen darf und vermöge dieser größern Zugfreiheit leichter den Sieg für ihre Partei herbeizuführen vermag. Als Sieger aber gilt derjenige Spieler, der entweder seinem Gegner sämtliche Steine geschlagen oder die noch übrigen feindlichen Stücke so festgestellt hat, daß der am Zuge befindliche Gegner seine Steine nicht mehr regelrecht bewegen kann. Übrigens hat man an verschiedenen Orten mannigfache Abweichungen von den gewöhnlichen Spielregeln, z. B. in betreff des Vor-und Rückwärtsschlagens, der mehr oder minder ausgedehnten Gangweise, beziehentlich Schlagweise der Dame u. a. angenommen.
Eine der in Deutschland beliebtesten Variationen ist die sog. Schlagdame, bei der umgekehrt derjenige Spieler gewinnt, der zuerst den andern genötigt hat, ihm sämtliche Steine zu schlagen, beziehentlich die noch übriggebliebene festzustellen. Außerdem giebt es auch Erweiterungen des gewöhnlichen D., besonders die in Frankreich übliche (meist als Polnische Dame bezeichnete) Spielweise auf einem 100feldrigen Brette mit 20 Steinen für jede Partei; diese Art des D., bei der gewöhnlich die Steine auf den weißen Feldern Platz finden, giebt zu Kombinationen reichern Anlaß. – Der Ursprung des Spiels verliert sich in die ältesten Zeiten. Die oft mit dem D. und bisweilen sogar mit dem Schach verwechselten Kombinationsspiele der Alten, namentlich die Petteia der Griechen und das Soldatenspiel (ludus latrunculorum) der Römer, waren zwar ebenfalls Brettspiele mit Steinen, jedoch von unsern modernen Spielen dieser Art ganz wesentlich verschieden. Im Mittelalter nannte man die Steine Zabelsteine. Das Spiel hat seinen Namen von dem aus Frankreich zu uns gekommenen Titel Dame (s. d.), der zunächst der Königin im Schachspiel, dann aber auch dem in die erste Reihe («in die Dame») des Gegners vorgerückten Damensteine beigelegt wurde. Die Engländer bezeichnen das D. als Draughts, die einzelnen Steine als Men, die Dame als King. – Vgl. Credner, Das D. (Lpz. 1886); Dufresne, Der Freund des D. (Wien 1888).
Damentuch, die leichtern Streichgarngewebe, die gleich den eigentlichen Wolltuchen die Prozesse des Walkens, Rauhens und Scherens durchgemacht haben, also nicht fadenscheinig sind. Gewicht für 1 qm 200‒250 g.
Damen vom heiligen Herzen Jesu (Dames du sacre-cœur), die Mitglieder eines Frauenordens, der 1800 von Mad. Magdalena Sophia Barat (gest. 1865) in Verbindung mit Pater Varin, dem Superior der Paccanaristen (s. d.), nach dem Vorbilde der Jesuitinnen (s. Englische Fräulein) gegründet, von Leo Ⅻ. 1826 bestätigt wurde und sich mit der Erziehung der weiblichen Jugend, besonders in Pensionaten beschäftigt. Der Orden hat sich rasch auch außerhalb Frankreichs verbreitet; aus dem Deutschen Reiche ist er 1873 als mit dem Jesuitenorden verwandt ausgewiesen.
Damen von der christlichen Liebe, Filles de la charité, s. Barmherzige Schwestern.
Damen von Unserer Lieben Frau von der christlichen Liebe oder Damen von Sankt Michael, s. Eudes.
Damerow, Heinrich, Irrenarzt, geb. 28. Dez. 1798 zu Stettin, studierte 1817‒21 Medizin und habilitierte sich 1827 in Berlin als Privatdocent, ging aber 1830 als außerord. Professor nach Greifswald. Seit 1832 war er bei dem damaligen königl. Kuratorium für Krankenhausangelegenheiten in Berlin beschäftigt und nahm in dieser Stellung auch teil an der praktischen Behandlung der Gemütskranken in der Charité. 1836 siedelte er als Arzt und Direktor des provisorischen Irrenheilinstituts nach Halle über, wohin er auch 1842, nachdem er mehrere Jahre als Hilfsarbeiter bei der Medizinalabteilung des Ministeriums in Berlin beschäftigt gewesen, zurückkehrte, um als Direktor die Einrichtung und Leitung der neubegründeten, 1844 teilweise eröffneten und 1857 im Neubau vollendeten Provinzial-Irrenheil- und Pflegeanstalt zu übernehmen. An diesem Institut bildete sich dann unter D. eine Anzahl vorzüglicher Irrenärzte. Er starb 22. Sept. 1866 zu Halle. D. schrieb «Über die Verbindung der Irrenheil- und Pflegeanstalten» (Lpz. 1840) und «Sefeloge. Eine Wahnsinnsstudie» (Halle 1853). 1844 begründete er die «Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie», die er bis 1857 als Hauptredacteur leitete und an der er bis zu seinem Tode als Mitarbeiter thätig war. Von seinen Beiträgen zu derselben sind unter andern «Zur Kretinen- und Idiotenfrage» (1858), «Über die Grundlage der Mimik und Physiognomik als freier Beitrag zur Anthropologie und Psychiatrie» (1860) und «Irrengesetze und Verordnungen in Preußen» (1863) auch in besondern Abdrücken erschienen.
Dames, Wilh. Barnim, Paläontolog, geb. 9. Juni 1843 zu Stolpe in Pommern, studierte in