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Gießerei – Gießereiflammofen
sind neue Stadtteile mit stattlichen Gebäuden entstanden. Außer den Universitätsgebäuden sind zu erwähnen: die 1821 an der Stelle der alten, 1809 abgetragenen, erbaute evang. Stadtkirche, die neue evang. Kirche (1893), die kath. Kirche, die neue Synagoge, das Kanzleigebäude, eigentlich das alte Schloß, von dessen ursprünglichem Bau (12. Jahrh.) Überreste erhalten sind; ferner das alte Rathaus am Markt, das Zeughaus (1580), jetzt Kaserne, die neue Aula (Universitätsgebäude) in der Untern Neustadt, das neue Gymnasium, die neue Realschule, das Justizgebäude und das Lazarett, letztere fünf an den schönen Anlagen um die Stadt, sowie das Denkmal Liebigs von Schaper in der Ostanlage. G. ist Sitz der großherzoglich hess. Ludwigs-Universität, die infolge der Auswanderung einer Anzahl luth. Professoren aus Marburg, dessen Universität sich zur reform. Kirche bekannte, durch den Landgrafen Ludwig Ⅴ. gegründet und 19. Mai 1607 von Kaiser Rudolf Ⅱ. bestätigt wurde. 1625 wurde sie nach Marburg zurückverlegt, welches 1648‒50 «Samt-Universität» von Hessen-Cassel und Hessen-Darmstadt war. Seit 1650 ist G. wieder Universität mit vier Fakultäten, zu denen 1777 eine ökonomische, 1830‒59 eine katholisch-theologische kam. 1874 wurden die Lehrstühle für Bau- und Ingenieurwissenschaften an die Hochschule zu Darmstadt übertragen. Die neuen Statuten sind vom 26. Nov. 1879; die Universität hat (1892) 58 Professoren und 593 Hörer und dient zugleich als landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche und Tierarznei-Hochschule. Mit derselben sind verschiedene Anstalten und Sammlungen verbunden, wie die vereinigte Universitäts- und von Senckenbergische Bibliothek (1617 gegründet) mit wertvollen handschriftlichen Schätzen, ein anatom. Theater, akademisches Hospital mit Klinik, Entbindungsinstitut, chem. Laboratorium (von Liebig eingerichtet), botan. Garten, eine neue Irrenklinik, ein mineralog., physik., forst- und landwirtschaftliches Institut sowie Sammlungen für Naturwissenschaften, physik. Instrumente, Forstgarten u. s. w. Außer der Universität bestehen zu G. noch eine Augenklinik, ferner ein Gymnasium, gegründet 1605 (Direktor Dr. Schiller, 14 Lehrer, 11 Klassen, 3 Vorklassen, 416 Schüler), verbunden mit einem pädagogischen Seminar, ein Realgymnasium und Realschule, gegründet 1837 (Direktor Dr. Rausch, 26 Lehrer, 9 Realgymnasialklassen, 229 Schüler, 7 Realklassen, 314 Schüler, 3 Vorklassen, 149 Schüler), höhere Mädchenschule, Handwerkerschule und Industrieschule für Mädchen (Aliceschule). Von Gesellschaften und Vereinen sind zu nennen: die Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde (1833), welche Vorträge veranstaltet und Berichte herausgiebt, der Oberhessische Geschichtsverein (1878) mit Geschichtsmuseum, der Kunstverein, welcher Gemäldeausstellungen veranstaltet, der Gesellschafts-, der Konzertverein, die Freimaurerloge «Ludwig zur Treue», der Allgemeine Verein für Armen- und Krankenpflege mit Schwesternhaus und der Verein für Krankenpflege. Die Industrie erstreckt sich auf Eisengießerei und Maschinenfabrik (Heyligenstädt), elektrochem. Metallscheideanstalt (Throm), mechan. Baumwollweberei (Homberger & Söhne), Spinnerei, Weberei, Bierbrauerei, mechan. Werkstätten sowie Fabrikation von Chemikalien, Lack, Essigsprit (Silbereisen), musikalischen Instrumenten, Lampen, Möbeln, vor allem aber von Tabak und Cigarren (22 Fabriken). G. ist Sitz der 6. Sektion der Hessisch-Nassauischen Baugewerks-Berufsgenossenschaft. 2 km von G. liegt eins der größten Braunsteinbergwerke, in der Nähe die Margaretenhütte mit 1 Hochofen (Gebrüder Buderus). In der Nähe der Stadt liegen Schiffenberg, früher Kommende des Deutschen Ordens, sowie die Ruinen der Burgen Gleiberg und Vetzberg, der Badenburg und des Staufenbergs. – Die Stadt entstand im 12. Jahrh. aus den Dörfern Selters (Saltrissa), Aster und Kroppach, zu deren Schutz der Graf Wilhelm von Gleiberg zu Ende des 12. Jahrh. diesseits der Lahn die Burg zu den G. erbaute. Durch Vermählung kam die Herrschaft G. an die Pfalzgrafen von Tübingen, die sie 1265 an den Landgrafen Heinrich von Hessen verkauften. Bereits 1250 wird G. als Stadt erwähnt. Es wurde 1530 mit Festungswerken versehen, die 1547 Kaiser Karl Ⅴ. schleifen ließ. Sodann ward es 1560 von neuem mit Werken umgeben, die 1809 abgetragen wurden. – Vgl. Nebel, Kurze Übersicht einer Geschichte der Universität G. (Marb. 1828); Lutterbeck, Geschichte der kath.-theol. Fakultät zu G. (Gieß. 1860); Übersicht der interessantern Thatsachen aus der Geschichte von G. (ebd. 1865); Kraft, Geschichte von G. (Darmst. 1876); Büchner, Führer durch Vogelsberg, Wetterau, Lahn- und Dillthal, mit besonderer Berücksichtigung von G. und Umgebung (Gieß. 1880; 2. Aufl. u. d. T.: G. und seine Umgebung, ebd. 1891); ders., G. vor 100 Jahren (ebd. 1880); ders., Aus G.s Vergangenheit (ebd. 1885).
Gießerei oder Gießkunst wird namentlich die Metallgießerei (s. d.) genannt. Auch das Gebäude oder die Werkstatt, in welcher das Gießen (s. d.) stattfindet, wird G. genannt. Die Erzeugnisse der G. werden Gußwaren (s. d.) genannt.
Gießereiflammofen, ein zum Schmelzen des Metalle in Gießereien benutzter Flammofen (s. d.). Schon im Mittelalter benutzte man Flammöfen zum Schmelzen von Bronzen, deren Schmelztemperatur nicht sehr hoch lag, z. B. des Glockenguts. Sie hatten einen kreisförmigen, von einer Kuppel überspannten Herd, auf welchem sich das zum Einschmelzen bestimmte Metall befand; ringsherum war Holz aufgeschichtet. Die Gase entwichen nicht durch eine Esse, sondern durch Öffnungen in der Decke des Ofens (Pfeifen). Die Verbrennung war demnach langsam, man gebrauchte mehrere Tage zum Schmelzen, und die Erzielung sehr hoher Temperaturen war überhaupt nicht möglich. Noch jetzt findet man in veralteten Glockengießereien ähnlich eingerichtete Öfen. Erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erkannte man die nützliche Wirkung einer hohen, zur Abführung der Gase dienenden Esse und eines Rostes. Ein lebhafter Zug wird erzeugt, die Verbrennung wird beschleunigt; man erlangte die Möglichkeit, höhere Temperaturen als früher hervorzubringen und das Schmelzen in erheblich kürzerer Zeit durchzuführen. Man benutzt Flammöfen vorwiegend in Glockengießereien und Geschützgießereien zum Schmelzen von Bronze, außerdem in Eisengießereien zum Guß schwerer Stücke, während für die gewöhnlichen Zwecke der Eisengießereien der
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