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Giesecke – Gießen
Mirow, machte 1813‒15 die Freiheitskriege mit, war seit 1816 Lehrer und Professor am Gymnasium zu Stettin, 1848 Vertreter Stettins in der Frankfurter Nationalversammlung und starb 18. März 1873 zu Jasenitz bei Stettin. Unter seinen zahlreichen Schriften sind hervorzuheben: «Epische Dichtungen» (Stett. 1827), «Wendische Geschichten» (3 Bde., Berl. 1843), «Gedichte» (2. Aufl., 2 Bde., Stett. 1867), die Zeitschrift «Damaris» (5 Bde., ebd. 1860‒65). – Vgl. Kern, Ludwig G. als Dichter, Gelehrter und Schulmann (Stett. 1875).
Giesecke, Schriftgießer- und Buchdruckerfamilie, s. Giesecke & Devrient und Schelter & Giesecke.
Giesecke & Devrient, graphisches Institut und Verlagsbuchhandlung in Leipzig, gegründet 1. Juni 1852 von Hermann Giesecke, geb. 9. April 1831 in Leipzig als Sohn von Christ. Friedr. Giesecke (s. Schelter & Giesecke), und Alphonse Devrient, geb. 21. Jan. 1821, gest. 21. April 1878. Nach des letztern Tod führte Hermann Giesecke das Geschäft fort, seit 1. Jan. 1879 im Verein mit seinem Bruder Dr. Bruno Giesecke, geb. 14. Sept. 1835, der schon 1867‒77 Teilhaber gewesen war, und seinem Sohn Raimund Giesecke, der aber 1889 wieder austrat und an dessen Stelle Alphonse Devrient, ein Neffe des Begründers, getreten ist. 1889 wurde ein Zweiggeschäft in Berlin errichtet.
Die Firma erwarb sich rasch einen Ruf durch ihre geschmackvollen Arbeiten. Sie umfaßt (1893) Buch-, Steindruckerei, Lithographie, Gravier- und Prägeanstalt, Kupferstecherei und Kupferdruckerei, mit Dampfmaschine (110 Pferdestärken), Gasmotor (3), 91 Pressen, 125 Hilfsmaschinen und 420 beschäftigten Personen. Einen Hauptzweig der Thätigkeit bildet die Herstellung von Wertpapieren für Regierungen, Behörden und Aktiengesellschaften, worunter auch das Ausland in beträchtlichem Umfang vertreten ist. Die kartogr. Abteilung lieferte topogr. und geolog. Specialkarten für Sachsen, Baden, Belgien, Hessen u. s. w. Die lithographische ist bedeutend im Buntdruck. Hervorragende Leistungen des Instituts waren die Reproduktion von Tischendorfs «Codex Sinaiticus» und des «Papyrus Ebers». Der Verlag enthält den «Codex Sinaiticus», das «Novum Testamentum Vaticanum» (1867) und anderes von Tischendorf, von Gebhardt und Harnacks «Evangeliorum Codex Graecus Purpureus Rossanensis» (1881), Wilckens «Tafeln zur ältern griech. Paläographie» (1891) und den «Codex diplomaticus Saxoniae regiae» (1. Hauptteil, Bd. 1‒2; 2. Hauptteil, Bd. 1‒9, 11‒14; 396 M.).
Gieseler, Joh. Karl Ludw., prot. Kirchenhistoriker, geb. 3. März 1792 zu Petershagen bei Minden, studierte in Halle, war daselbst seit 1812 Lehrer an den Franckeschen Stiftungen, machte 1813‒15 als freiwilliger Jäger die Freiheitskriege mit, wurde 1817 Konrektor am Gymnasium zu Minden, 1818 Direktor des Gymnasiums zu Cleve. Er folgte 1819 einem auf Grund seines «Histor.-kritischen Versuchs über die Entstehung und die frühesten Schicksale der schriftlichen Evangelien» (Lpz. 1818) an ihn ergangenen Rufe als Professor der Theologie nach Bonn, ging 1831 in gleicher Eigenschaft nach Göttingen, wo er seit 1837 Konsistorialrat war und 8. Juli 1854 starb. G.s Hauptwerk ist das namentlich durch seine reichhaltigen Quellenauszüge ausgezeichnete «Lehrbuch der Kirchengeschichten (Bd. 1‒3 [bis 1648] in 8 Abteil., Bonn 1824‒53; Bd. 4‒5 [bis 1848] aus G.s Nachlaß herausgegeben von Redepenning, 1855‒57; Bd. 6 [«Dogmengeschichte»], 1856). Ferner sind zu nennen: «Die Lehninsche Weissagung» (Erfurt 1849), «Über die kölnische Angelegenheit» (Lpz. 1838, unter dem Namen Irenaeus), sowie die Herausgabe der «Narratio de Bogumilis» des Euthymius Zygadenus» (Gött. 1842) und «Petri Siculi historia Manichaeorum seu Paulicianorum» (ebd. 1846; Appendix dazu 1850). Seit 1828 gehörte G. zu den Herausgebern der «Theol. Studien und Kritiken». – Vgl. Redepenning, G.s Leben und Wirken (Bd. 5 von G.s Kirchengeschichte). ^[Spaltenwechsel]
Gießbach, s. Bach.
Gießbach, linker Zufluß des Brienzersees im schweiz. Kanton Bern, entspringt in der Faulhornkette am Schwarzhorn und fällt nach kaum 11 km geraden Laufes in den See. Er bildet zwischen bewaldeter Felswand eine Folge von sieben großartigen Wasserfällen von zusammen 300 m Höhe, die einen Hauptanziehungspunkt des Berner Oberlandes bilden. Eine Drahtseilbahn (331 m lang, 28½ Proz. Steigung) führt zum Gießbachhotel hinauf.
Gießbleche oder Buckelbleche, mit halbkugelförmigen Vertiefungen (Buckeln) und mit einer Handhabe versehene Eisen- oder Kupferbleche, die zur Aufnahme geschmolzener, rasch abzukühlender Metallproben dienen.
Gießen, ein technisches Verfahren zur Formgebung der Körper, darauf beruhend, daß man das Material, aus dem die Körper bestehen sollen, im flüssigen Zustande in Formen (s. Gußformen) bringt, in welchen es bis zur Erstarrung verweilt. Man gießt Metalle, Gips, Stearin u. a. Körper, nachdem sie durch Schmelzen verflüssigt wurden, Gips, Cement u. s. w., nachdem sie mit reichlichen Mengen Wasser vermengt worden, und in letzterm Falle sind es chem. Vorgänge, welche die Erstarrung veranlassen. (S. Metallgießerei.)
Gießen. 1) Kreis in der hess. Provinz Oberhessen, hat 603,72 qkm, (1890) 74321 (36844 männl., 37477 weibl.) E., 6 Städte und 75 Landgemeinden. – 2) Hauptstadt der hess. Provinz Oberhessen und des Kreises G., in einer schönen, fruchtbaren Ebene, umgeben von Wäldern und sanften Anhöhen, am linken Ufer der Lahn gelegen, in die hier die Wieseck mündet, und an den Linien Cassel-Frankfurt a. M., Deutz-G. (166,8 km), Koblenz-Ems-G. (116,4 km) der Preuß. Staatsbahnen, G.-Fulda (106 km) und G.-Gelnhausen (69,8 km) der Oberhess. Eisenbahn, ist Sitz der Provinzialdirektion und des Kreisamtes, eines Landgerichts (Oberlandesgericht Darmstadt) mit 20 Amtsgerichten (Alsfeld, Altenstadt, Büdingen, Butzbach, Friedberg, G., Grünberg, Herbstein, Homberg, Hungen, Laubach, Lauterbach, Lich, Bad Nauheim, Nidda, Ortenberg, Schlitz, Schotten, Ulrichstein, Vilbel) und Kammer für Handelssachen, des Amtsgerichts, Kreisbauamtes, einer Reichsbanknebenstelle und Handelskammer und hat (1890) 20571 E., darunter 1783 Katholiken und 716 Israeliten, in Garnison (1500 Mann) das 116. Infanterieregiment Kaiser Wilhelm, Postamt erster Klasse mit Zweigstelle, Telegraph und Fernsprecheinrichtung. Die Straßen der innern Stadt sind zum Teil noch eng und winklig; außerhalb der frühern, 1803‒11 abgebrochenen Befestigungen
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