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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hemiglobus – Hemlockrinde

die übrigbleibende Hälfte für sich eine geschlossene, von untereinander gleichen Flächen begrenzte Gestalt bildet. So liefert das Oktaeder bei der H. das Tetraeder, das Tetrakishexaeder erzeugt das Pentagondodekaeder, die hexagonale Protopyramide das Rhomboeder. Dabei kann es verschiedene Modalitäten der H. geben, je nachdem auf diese oder auf eine andere Weise die Auswahl der zum Verschwinden bestimmten Hälfte der Flächen erfolgt ist. Im regulären System z. B. entsteht aus dem Hexakisoktaeder einerseits das Hexakistetraeder, andererseits das Dyakisdodekaeder. Die erstere Modalität ist die geneigtflächige oder tetraedrische H., die letztere die parallelflächige oder dodekaedrische H. Jedoch bloß bei einer Anzahl von Krystallformen hat die H. die thatsächliche Ausbildung von nur der Hälfte der Flächen im Gefolge. Wenn andere Formen, z. B. der Würfel, von der H. erfaßt werden, so bleibt dessen von sechs gleichen Quadraten umschlossene Gestalt als solche bestehen. Hier äußert sich daher die H. nicht morphologisch, sondern lediglich in der Weise, daß die Räume zwischen den Hauptschnitten oder Symmetrieebenen, die äußerlich alle gleich erscheinen, doch physikalisch nur abwechselnd gleich sind: die acht Ecken des hemiëdrischen Würfels stimmen in physik. Hinsicht bloß abwechselnd überein. Die H. an Krystallen ist demnach die Erscheinung, bei welcher die Räume (Krystallräume) zwischen den Hauptschnitten entweder in morpholog. oder in physik. Hinsicht bloß abwechselnd gleich sind, wobei die Verteilung der gleichen Räume ganz regelmäßig ist. Eine H. ist nur möglich in denjenigen Krystallsystemen, die mehrere Symmetrieebenen besitzen; sie ist also ausgeschlossen in dem monoklinen und triklinen. Die H. im regulären System wurde oben erwähnt. Im tetragonalen System liefert die H. die tetragonalen Sphenoide und Skalenoeder, im hexagonalen die Rhomboeder und hexagonalen Skalenoeder, im rhombischen die rhombischen Sphenoide. Durch das Eintreten der H. wird die Zahl der Symmetrieebenen der betreffenden holoedrischen Krystallgestalt vermindert, indem die hemiëdrische Form nicht mehr nach denjenigen Ebenen symmetrisch sein kann, nach denen die Zerlegung der holoedrischen in verschiedene Krystallräume erfolgt ist. Es ist einleuchtend, daß bei jeder H. zwei hemiëdrische Formen entstehen müssen, die sich gegenseitig zur holoedrischen Stammform ergänzen, weshalb sie komplementäre Formen, oder auch, weil sie bei völliger Ähnlichkeit einen Gegensatz in der Stellung zeigen, Gegenkörper genannt worden sind. Bringt man die H. allgemein dadurch zum Ausdruck, daß man den Hälftflächner mit dem durch 2 geteilten Zeichen des betreffenden Ganzflächners, z. B. das Tetraeder als Halbflächner des Oktaeders (O) mit O⁄2 (gesprochen o halbe), bezeichnet, so können diese komplementären hemiëdrischen Formen durch das vorgesetzte Zeichen + und – unterschieden werden; doch läßt man zweckmäßigerweise das positive Vorzeichen gewöhnlich weg. In der Natur findet eine strenge Scheidung zwischen holoedrischen und hemiëdrischen Formen statt, indem eine und dieselbe als Mineralart auftretende chem. Substanz entweder nur holoedrisch oder nur hemiëdrisch, und im letztern Falle auch nur in einer bestimmten Modalität der H. krystallisiert. (S. auch Krystalle.)

Hemiglōbus (grch.-lat.), Halbkugel.

Hemikrănie (grch.), die Migräne (s. d.). ^[Spaltenwechsel]

Hemileia vastātrix, der die Kaffeelaubkrankheit verursachende Pilz (s. Kaffee).

Hemimŏrphie, s. Hemimorphismus.

Hemimorphismus oder Hemimorphie (grch.), nach dem Vorgange von Breithaupt Bezeichnung für die (nicht mit der Hemiëdrie zu verwechselnde) Erscheinung, daß Krystalle, die nicht dem regulären System angehören, an den entgegengesetzten Enden einer Symmetrieachse, gewöhnlich der Hauptachse oder Vertikalachse, gesetzmäßig durch die Flächen ganz verschiedener Formen begrenzt werden. Diese Formen sind daher entweder nur mit ihrer obern oder mit ihrer untern Hälfte ausgebildet. Ein Beispiel liefert das hier abgebildete Kieselzinkerz; Fig. 1 zeigt oben Basis und Makrodoma, unten eine Pyramide; in Fig. 2 erscheinen oben zwei Makrodomen, zwei Brachydomen und die Basis, unten ebenfalls nur eine Pyramide. Auch die Krystalle des Turmalins sind ausgezeichnet hemimorph, indem sie an den beiden Enden der Vertikalachse ganz abweichende Rhomboeder, oder an dem einen (obern) Ende Rhomboeder, an dem andern (untern) die Geradendfläche aufweisen. Der H. findet sich auch bisweilen an den Krystallen des Struvits und Wulfenits, unter den künstlich dargestellten Substanzen an denen des Jodsuccinimids, Tolylphenylketons, Resorcins und Quercits. Die Erscheinung gewinnt deshalb ein doppeltes Interesse, weil die meisten hemimorphen Krystalle zugleich die Eigenschaft besitzen, durch Erwärmung polarelektrisch zu werden, d. h. an den entgegengesetzten, formell verschieden ausgebildeten Enden gleichzeitig die entgegengesetzten Elektricitäten zu entwickeln.

^[Abb. Fig. 1]

^[Abb. Fig. 2]

Hemimorphīt, Mineral, s. Galmei.

Hemīna, Maß = 1⁄32 Modius (s. d.).

Hémine (spr. emihn), Getreidemaß, s. Emine.

Hemineurasthenĭa, halbseitige Nervenschwäche, s. Nervenschwäche.

Hemiŏpie (grch.), s. Hemianopie.

Hemiparēse (grch.), halbseitige Lähmung.

Hemiphalacrōsis (grch.), s. Haarschwund.

Hemiplegie (grch.), halbseitige Lähmung.

Hemiprismen, die beiden ungleichwertigen Flächenpaare, die bei triklinen Krystallen zu einem vierseitigen vertikalen Prisma verbunden sind.

Hemiptēren, s. Schnabelkerfe.

Hemipyramiden, die beiden ungleichwertigen vierzähligen Flächenkomplexe, die sich zur Pyramide des monoklinen Krystallsystems vereinigen.

Hemisphäre (grch.) oder Halbkugel, s. Planigloben; in der Anatomie, s. Gehirn (Bd. 7, S. 675 b).

Hemistichĭon (grch.), Halbvers.

Hemitrŏpie (grch.), s. Krystalle.

Hemling wurde früher fälschlich der Maler Hans Memling (s. d.) genannt.

Hemlockrinde, die in der Lederfabrikation (s. d.) verwendete Rinde der Schierlingstanne. (S. Hemlockstannen.) Das Hauptgebiet der Produktion dieser Rinde sind die Staaten Wisconsin und Michigan und die canad. Provinzen Ontario und Quebeck ^[richtig: Quebec]. Der aus der H. gewonnene Extrakt, Hemlockextrakt, ist eine braune, sirupartige Flüssigkeit, die nach Neßler 14,3 Proz. Gerbstoff, im übrigen