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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Leiningen; Leinkraut; Leinkuchen, Leinmehl; Leinöl

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Leiningen - Leinöl.

schaft Westerburg auf dem Westerwald, zu welcher auch die Herrschaft Schadeck an der Lahn gehörte, bestanden. Der erste Graf von L., welcher mit Bestimmtheit genannt wird, war Emiko, welcher 1096 als Anführer einer rohen Schar von Kreuzfahrern in Ungarn seinen Tod fand. Bereits 1220 war das Geschlecht im Mannesstamm erloschen. Die Erbtochter Liutgard vermählte sich mit dem Grafen Simon von Saarbrück, und ihr jüngster Sohn, Friedrich (1220-37), der sich nach einer seiner Burgen Friedrich von Hardenburg nannte, erbte die Leiningenschen Besitzungen und nahm den Namen eines Grafen von L.-Hardenburg an. Am Ende des 13. Jahrh. erbte Graf Friedrich IV. von L. von seinem Bruder Siegmund, Herrn von Altorf, die Grafschaft Dachsburg im Wasgau. Friedrichs IV. Söhne Friedrich V. und Joffried (Gottfried) teilten 1317 und 1318 die Leiningenschen Güter und gründeten die beiden Hauptlinien des Hauses: die ältere und die jüngere. Der Stifter der ältern Linie erhielt 1444 vom Kaiser die Würde eines gefürsteten Landgrafen, doch starb diese Linie schon mit Friedrichs V. Urenkel Hasso (Hesso) 1467 aus. Hierauf bemächtigte sich seine Schwester Margarete, die Witwe des Grafen Reinhard von Westerburg, des größten Teils der Besitzungen, nahm für sich und ihre Nachkommen den Namen der Grafen von L. an und wurde dadurch die Gründerin des Hauses L.-Westerburg (s. unten). Die jüngere, von ihrem Stifter Joffried auch die Joffriedsche Linie genannt, führte den Namen L.-Dachsburg. So bestanden seit 1467 die beiden Linien L.-Westerburg und L. Dachsburg. 1540 teilten aber die Söhne Emichs IX. von L.-Dachsburg die väterlichen Besitzungen und gründeten die Linien L.-Dachsburg-Hardenburg und L.-Dachsburg-Heidesheim-Falkenburg. Die erstere, evangelischer Konfession, gegründet von Johann Philipp, wurde 1779 in den Reichsfürstenstand erhoben, verlor aber im Lüneviller Frieden ihre auf dem linken Rheinufer gelegenen Besitzungen, etwa 660 qkm, und wurde dafür durch den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 durch Besitzungen im Mainzischen (Miltenberg, Amorbach, Bischofsheim etc.), Würzburgischen (Hardheim, Lauda, Rippberg) und in der alten Rheinpfalz (Mosbach und Boxberg) entschädigt. Die neuen zusammenhängenden Besitzungen, nahe an 1600 qkm, wurden zu einem Fürstentum vereinigt und durch die Rheinbundsakte von 1806 als Standesherrschaft der Oberhoheit Badens unterworfen, bis 1810 infolge der Territorialveränderungen eine Fläche von 270 qkm unter bayrische und ein kleiner Teil unter hessische Oberhoheit kam. Jetzige Residenz ist Amorbach. Der Standesherr, Fürst Karl Friedrich Wilhelm Emich, geb. 12. Sept. 1804, folgte seinem Vater Emich Karl 1814 unter der Vormundschaft seiner Mutter Maria Luise Viktorie, Prinzessin von Sachsen-Koburg, die sich nachmals mit dem Herzog von Kent verheiratete, durch den sie Mutter der Königin Viktoria wurde. Er war bayrischer Generalleutnant, vom 9. Aug. bis 5. Sept. 1848 Präsident des Reichsministeriums und starb 13. Nov. 1856 in Amorbach. Gegenwärtiges Haupt des Geschlechts ist Fürst Ernst von L., geb. 9. Nov. 1830, erbliches Mitglied der bayrischen Kammer der Reichsräte und Admiral in der großbritannischen Marine. Die zweite Linie, L.-Dachsburg-Heidesheim-Falkenburg, blieb gräflich und zerfiel 1658 in die Unterlinien L.-Heidesheim, L.-Dachsburg und L.-Guntersblum. Die erste erlosch im Mannesstamm 1706, die zweite 1709; die letzte, welche 1774 ebenfalls im direkten Mannesstamm ausstarb, besteht noch in den Nebenzweigen L.-Guntersblum und L.-Heidesheim, die sich aber nach den Gütern, welche sie durch den Reichsdeputationshauptschluß zur Entschädigung erhielten, L.-Billigheim und L.-Neudenau nennen. Auch sie wurden durch die Rheinbundsakte als Standesherren der Oberhoheit Badens unterworfen. Das jetzige Haupt von L.-Billigheim ist Graf Karl, geb. 7. März 1823, von L.-Neudenau Graf Emich, geb. 31. Juli 1855, Premierleutnant in der preußischen Garde, beide katholisch. Die Hauptlinie L.-Westerburg, von Margarete von Westerburg abstammend, ebenfalls gräflich, aber evangelischer Konfession, zerfiel 1695 in die Speziallinien Alt-L.-Westerburg und Neu-L.-Westerburg. Die erstere besitzt die Standesherrschaft Ilbenstadt unter hessischer Hoheit sowie auch die Hälfte der Herrschaft Westerburg und der Herrschaft Schadeck, die letztere die andre Hälfte von Westerburg und Schadeck unter preußischer Hoheit. Standesherr in Alt-L.-Westerburg ist Graf Friedrich, geb. 30. Dez. 1852, in Neu-L.-Westerburg Graf Wilhelm, geb. 16. Febr. 1824.

Leiningen, 1) Graf Christian Franz Seraphin Vinzenz von L.-Westerburg, geb. 10. Febr. 1812 zu Graz als Sohn eines österreichischen Obersten, trat in die österreichische Armee ein und war 1848 Oberst eines Infanterieregiments. Unter Puchner nahm er teil an dem ungarisch-siebenbürgischen Krieg, ward Generalmajor und Brigadier, zeichnete sich bei der Belagerung von Temesvár aus und wurde darauf zum Feldmarschallleutnant ernannt. 1850 ward er österreichischer Kommissar bei dem wiederhergestellten Bundestag in Frankfurt und im Dezember d. J. Bundeskommissar während der Bundesexekution in Kurhessen. Im Februar 1851 nahm er an den Dresdener Konferenzen teil, erhielt 1853 eine Mission nach Konstantinopel und wurde 1855 als Oberkommandant nach Krakau gesendet, wo er 1. Okt. 1856 starb.

2) Graf Karl von L.-Westerburg, Vetter des vorigen, geb. 11. April 1819 zu Ilbenstadt im Hessischen, war beim Ausbruch der ungarischen Revolution Hauptmann eines ungarischen Regiments und mit einer Ungarin, Lisinka von Sissanyi, vermählt, schloß sich dem Aufstand an, zeichnete sich in vielen Gefechten, besonders 17. April bei Waitzen und bei der Erstürmung von Ofen, aus, stieg während des Kriegs in der ungarischen Armee zum General und Korpskommandanten, mußte aber als unerschütterlicher Anhänger Görgeis bei Világos die Waffen strecken und ward 6. Okt. 1849 zu Arad mit zwölf andern ungarischen Generalen nach kriegsgerichtlichem Ausspruch durch den Strang hingerichtet.

Leinkraut, Pflanzengattung, s. Linaria.

Leinkuchen, Leinmehl, s. Leinöl und Ölkuchen.

Leinöl (lat. Oleum Lini), das fette Öl aus den Samen der Flachspflanze (Linum usitatissimum L., Schlaglein). Beim kalten Pressen gewinnt man aus den zerkleinerten Samen etwa 20 Proz. eines hellgelben Öls von schwachem Geruch und Geschmack, welches aber leicht ranzig wird. Die erwärmten Samen liefern 25-28 Proz. dunkleres Öl von bernstein- bis bräunlichgelber Farbe und etwas stärkerm Geruch und Geschmack. Das L. ist gelblich oder dunkelgelb, ziemlich dickflüssig, riecht und schmeckt eigentümlich unangenehm, besonders wenn es durch warme Pressung erhalten wurde, löst sich in 32 Teilen kaltem und in 6 Teilen kochendem Alkohol, leicht in Äther, besitzt das spezifische Gewicht 0,93-0,94, erstarrt bei -34°