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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: a. St; Astarabad; Astarot; Astarte; Astasie-Abasie; Astatische Nadel; Asten; Astenberg; Aster

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a. St. – Aster

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Ast (Georg Ant. Friedr.)'

namentlich «Phaedrus» (Lpz. 1810 und «Politia» (2 Bde., ebd. 1814) und veröffentlichte eine kritische Ausgabe sämtlicher Werke Platos mit lat. Übersetzung und reichhaltigen Kommentaren (11 Bde., ebd. 1819–32), sowie ein «Lexicon Platonicum» (3 Bde., ebd. 1835-39).

a. St., Abkürzung für alten Stils, s. Alter Stil.

Astarabād, Stadt in Persien, s. Astrabad.

Astarōt, eine Stadt im Ostjordanlande, die Residenz des Amoriterkönigs Og und von Israel erobert (Jos. 9,10). Die gewöhnliche Gleichsetzung derselben mit Astarot-Karnaim (1 Mos. 14,5) ist den A. des Eusebius und Hieronymus gegenüber sehr unsicher. Diese setzen Astarot-Karnaim in die Nähe des Hiobsklosters im Hauran (wahrscheinlich nach dem heutigen Tell Aschtara), A. dagegen 6 röm. Meilen (9 km) von Edrei (Derat), d.i. in die Nähe des Jarmuk. Einige Handschriften der griech. Übersetzung des Alten Testaments lesen 1 Mos. 14,5 A. und Karnaim, nehmen also zwei verschiedene Städte dort an. (S. Bosra.)

Astarte (im Alten Testament mit willkürlicher, von bôschet, Schande, dem Euphemismus für einen Abgott, entlehnter Aussprache Aschtoret), griech. Name verschiedener weiblicher Lokalgottheiten bei Phöniziern, Kanaanäern, Aramäern. Zusammenzustellen ist mit ihr die südarab. Gottheit Athtar, um so mehr, als auch bei den Moabitern dem Wort das auslautende weibliche t fehlt. In dem Gebiete der assyr.-babylon. Kultur entsprechen ihr die Istar genannten Lokalgottheiten. Man hat vermutet, daß der Name aus Babylonien von den Westsemiten entlehnt und auf ihre weiblichen Lokalgottheiten übertragen sei. Mehrfach findet sich der Name vor einem im Genetiv stehenden männlichen Gottesnamen, um zu zeigen, daß die betreffende Gottheit die dem männlichen Gott entsprechende, ihm zur Seite stehende sei. So ist in der Mesa-Inschrift (s. Mesa) der Name Astar des Kemos, so wird sich auch der Name Atargatis, Derketo (s. d.) erklären. Auf Verschmelzung zweier ursprünglich verschiedener Kulte wird es zu deuten sein, wenn sich auf phöniz. Inschriften die zusammengesetzten Gottesnamen Eschmun-Astarte und Melech-Astarte finden, deren zweiter Teil aus den Namen A. besteht. Die verschiedenen A. sind ursprünglich völlig voneinander unabhängige Gottheiten. Erst die theoretische Spekulation machte aus ihnen die mytholog. Figur der A. Einen gottesdienstlichen Hintergrund hat diese nicht; es ist daher auch zwecklos gewesen, Untersuchungen über Wesen und Bedeutung der Göttin A. und über ihren Dienst anzustellen. Es kann sich überall nur um die einzelnen Figuren handeln. Die A. von Sidon hat nach 2 Kön. 11 zu Salomos Zeiten ein Heiligtum auf dem Ölberge erhalten, das nach 2 Kön. 23,13 erst durch Josia (621 v.Chr.) zerstört worden ist. (S. Aschera.)

Astăsie-Abăsie (grch.), ein krankhafter Zustand, bei welchem das Stehen und Gehen entweder ganz unmöglich oder sehr erschwert ist, während sich im Sitzen oder Liegen keinerlei Motilitätsstörung nachweisen läßt, welche die Steh-Geh-Hinderung erklärlich macht; häufig können sich die zum Gehen unfähigen Kranken durch Hüpfen oder auf allen Vieren ganz gut fortbewegen. Als Ursache der A. wird am häufigsten eine heftige Gemütserschütterung oder eine Verletzung angegeben; besonders Kinder und jugendliche Personen worden von A. befallen. Die Behandlung gleicht derjenigen der Hysterie (s. d.). ↔

Astatische Nadel, eine Magnetnadel, bei der durch Gegenwirkung einer zweiten, mit ihr fest verbundenen Magnetnadel die richtende magnetische Kraft der Erde weggeschafft oder doch sehr vermindert ist. In ihrer meist gebräuchlichen Form besteht dieselbe aus zwei nahezu gleichstarken Magnetnadeln, die so verbunden sind, daß sie in einem kleinen Abstand parallel übereinander liegen, und zwar jeder Pol über dem ungleichnamigen der andern. Dadurch ist der Einfluß des Erdmagnetismus, der auf je einen dieser Doppelpole in entgegengesetzter Weise und in nahe gleicher Stärke wirkt, fast aufgehoben. Ein Strom kann nun so geführt werden, daß er auf beide Nadeln im selben Sinne ablenkend wirkt. Dieses System dient vorzüglich zur Anzeige sehr schwacher Ströme. (S. Galvanometer.)

Asten, Friedr. Emil von, Astronom, geb. 26. Jan. 1842 zu Köln, studierte in Bonn unter Argelander Astronomie, kam 1870 als Rechner an die Sternwarte nach Pulkowa, wurde 1871 daselbst Adjunktastronom und starb 15. Aug. 1878. Neben dem hervorragenden Anteil, den er an der Berechnung der in Pulkowa ausgeführten Meridiankreis-Beobachtungen nahm, hat er sich namentlich bekannt gemacht durch seine Arbeiten über den Enckeschen Kometen, die alle Erscheinungen desselben von 1819 bis 1875 umfassen. Die Ergebnisse dieser Arbeiten veröffentlichte er 1871–77 in den «Mémoires» und dem «Bulletin» der Petersburger Akademie und in den «Astronomischen Nachrichten».

Astenberg, s. Kahler Astenberg.

Aster L., Aster, Sternblume, Pflanzengattung aus der Familie der Kompositen (s. d.), krautartige perennierende oder einjährige Gewächse mit schmalen ganzrandigen oder gesägten abwechselnd gestellten Blättern, großen meist in Doldentrauben oder Rispen, seltener einzeln stehenden Blütenkörbchen und länglichen zusammengedrückten Achenen mit ein- oder zweireihigem Pappus. Von den über 160 bekannten Arten sind die meisten in Nordamerika, die übrigen in Europa und dem nördl. Asien heimisch. Von den in Deutschland vorkommenden Arten werden als Zierpflanzen kultiviert: A. alpinus L., die Alpenaster, eine kleine ausdauernde schon im Mai blühende Pflanze mit 10–15 cm hohen einblütigen Stengeln und großen Blütenkörbchen mit hellblauen Strahlen- und gelben Scheibenblumen; A. amellus L., Virgilsaster, eine 50 cm hoch werdende, im Juli reichblühende Staude mit schönen blauen Randblumen und gelber Scheibe. A. tripolium L., die Sumpf- oder Strandaster, bildet einen charakteristischen Vertreter der deutschen Strand- und Salinenflora.

Die in Nordamerika einheimischen Arten haben in unsern Gärten Heimatsrecht gewonnen und zieren in stattlichen Büschen als Herbstastern die Rabatten. Sie sind weniger durch die Schönheit der einzelnen Blüten wie durch ihren Blütenreichtum, der, bis der Frost sie vernichtet, anhält, ausgezeichnet. Zu den graziösesten und elegantesten Arten derselben zählen A. bicolor, floribundus, formosissimus nebst ihren Varietäten, grandiflorus, multiflorus, Novae-Angliae, Novi-Belgii. Sind diese Stauden angepflanzt, so hat man nur die Stöcke alle 2–3 Jahre zu verjüngen, d.h. zu teilen und in frisches Erdreich zu pflanzen, um stets eines reichen Herbstflors versichert zu sein. Die für diese Operation geeignetste Zeit ist das Ende des September und der März.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 1012.