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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Christoph

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Christoph (der Heilige) – Christoph (Herzog von Württemberg)

Christoph, der Heilige, s. Christophorus.

Christoph der Kämpfer, Herzog von Bayern, der Sohn Albrechts Ⅲ., geb. 6. Jan. 1449, erhob, als seinem Bruder Albrecht Ⅳ. (s. d.) durch das Abkommen von 1467 und den Verzicht des ältern Bruders Sigismund die Alleinherrschaft zugefallen war, Ansprüche auf Teilnahme an der Regierung und suchte sie mit Gewalt geltend zu machen. Er sammelte die Unzufriedenen im Straubinger Lande zu einem Bunde, der den Namen «Gesellschaft der Böckler vom Aingehürn» führte. Doch Albrecht überfiel unvermutet den Bund und vermochte C. 1469 ihm seinen Anteil an der Herrschaft auf 5 Jahre zu überlassen. Neuer Verdacht aber bewog Albrecht, ihn 1471 im Bade greifen und in die Altfeste München gefangen setzen zu lassen, aus der er erst nach 19 Monaten auf Verwenden des Kaisers entlassen wurde. Nach dem Versuch einer neuen Empörung einigte er sich 1475 mit Albrecht zu einem Vertrage, wonach dieser wieder auf 10 Jahre die Alleinherrschaft erhielt, ihm selbst aber Landsberg, Pähl und Weilheim übergeben wurden. 1475 besiegte er auf der Hochzeit des Herzogs Georg von Bayern-Landshut im Zweikampfe einen riesenhaften poln. Ritter, den Woiwoden von Lublin, der die ganze dort versammelte deutsche Ritterschaft gehöhnt hatte. Dann zog er auf Abenteuer aus, zeichnete sich besonders im ungar. Heere durch seine Stärke und Tapferkeit aus, aber die ihm zugewiesenen Landesteile, der Erpressungen müde, wandten sich an seinen Bruder Albrecht. Es kam zum Kriege, in dem C. unterlag und 1485 auf die Mitregierung verzichtete. Nun zog er nach Flandern und 1490 mit Kaiser Maximilian nach Ungarn. Heimgekehrt schloß er sich wieder dem Aufstande des Löwlerbundes gegen seinen Bruder an, verstand sich wieder zu einem Vertrage und zog mit Herzog Friedrich von Sachsen nach Palästina. In seinem Testament vermachte er seinem Bruder seinen Anteil am bayr. Herzogtum und starb auf der Heimkehr von Jerusalem im Aug. 1493 auf der Insel Rhodus. – Vgl. Trautmann, Die Abenteuer Herzogs C. von Bayern. Ein Volksbuch (2 Bde., 3. Aufl., Regensb. 1880); Riezler, Geschichte Bayerns, Bd. 3 (Gotha 1889).

Christoph ist der Name von drei Königen von Dänemark. C. Ⅰ. (1252‒59), Sohn Waldemars Ⅱ., folgte seinem Bruder Abel auf dem Thron. Seine Regierung war mit heftigen Kämpfen gegen den Klerus ausgefüllt, an dessen Spitze der Erzbischof von Lund, Jakob Erlandsen, stand. (5. starb 29. Mai 1259 an Gift, das ihm der Dompropst Arnfast bei Erteilung des Abendmahls beigebracht haben soll. – C. Ⅱ., Sohn des Königs Erik Glipping und der brandenb. Prinzessin Agnete, mußte bei seinem Regierungsantritt (1319) die erste Wahlkapitulation («Haandfästning») unterzeichnen. Als er sich an dieselbe nicht band, wurde 1326 an seiner Stelle der Neffe des Grafen Gerhard von Holstein, Herzog Waldemar von Schleswig, zum König gewählt, der bis 1330 regierte, worauf C. wieder zur Regierung kam. Er starb 2. Aug. 1332. – C. Ⅲ., Pfalzgraf am Rhein und Herzog von Bayern, als König von Schweden C. Ⅰ., ein Neffe des Unionskönigs Erich von Pommern, geb. 1418, ward von den aufständischen Großen Dänemarks, die der Regierung Erichs überdrüssig waren, 1439 herbeigerufen und ohne große Schwierigkeiten in den drei nordischen Reichen anerkannt. In Dänemark wütete während seiner Zeit ein Bauernaufstand, dessen Unterdrückung die völlige Leibeigenschaft zur Folge hatte. In Schweden ward unter C. das erste allgemeine Landesgesetz 1442 angenommen, das der Hauptsache nach bis 1736 in Gültigkeit blieb. Die auswärtige Politik C.s war wesentlich auf die Beschränkung der hanseatischen Macht gerichtet; statt ihrer begünstigte er den Handel der niederländ. Städte. Nach seinem Tode, 6. Jan. 1448, kam das Haus Oldenburg auf den dän. Thron.

Christoph, Graf von Oldenburg, geb. 1502 oder 1504 als jüngerer Sohn des Grafen Johann ⅩⅣ., erhielt 1509 und 1516 Präbenden in Bremen und Köln, später eine Domherrnstelle in Köln und eine Propstei in Bremen, ließ sich aber durch seine geistlichen Würden nicht von einer durchaus kriegerischen Laufbahn abhalten. 1525 kämpfte er an der Seite Philipps von Hessen; auch 1528 trat er neben Philipp in den Packschen Händeln (s. Pack) hervor. Frühzeitig bekannte er sich zum Protestantismus, an dem er stets eifrig festhielt. Seine hervorragendste Thätigkeit entwickelte er in dem als «Grafenfehde» bekannten lübisch-dän. Kriege 1531‒37. Mit Wullenwever und seinem Vetter, dem vertriebenen König Christian Ⅱ. von Dänemark, verbündet, eroberte er als Führer des lübischen Heers fast ganz Holstein, nahm die Insel Seeland mit der Hauptstadt und ließ sich Juli 1534 als Gubernator des dän. Reichs huldigen. Nachdem aber Herzog Christian von Holstein als Christian Ⅲ. zum Gegenkönig ausgerufen war, wurde die Cimbrische Halbinsel und Lübeck von diesem zum Frieden gezwungen und C. mußte nach tapferster Gegenwehr das ausgehungerte Kopenhagen übergeben. Später lebte C. meist auf dem Familiensitz zu Rastede, ein eifriger Freund und Beschützer der evang. Lehre sowie der humanistischen Studien. Im Jan. 1546 ward über ihn und andere evang. Domherren von Köln die Suspension verhängt. Im Sommer 1546 war er im Begriff, einen neuen Kriegszug nach Dänemark im Namen des auf die dän. Krone und die Befreiung des gefangenen Christian Ⅱ. hoffenden Kurfürsten Friedrich Ⅱ. von der Pfalz zu unternehmen, als der Schmalkaldische Krieg ausbrach und ihn bewog, in dem prot. Heere Dienst zu suchen. So kämpfte er als Oberst 1546 an der Donau und schlug mit Albrecht von Mansfeld vereinigt den kaiserlich gesinnten Erich von Braunschweig 23. Mai 1547 bei Drakenborg an der Weser. Er starb 4. Aug. 1566. Ein natürlicher Sohn von ihm wurde legitimiert. C.s Name haftet heute noch an mehrern großen mildthätigen Stiftungen. – Vgl. von Alten, Graf C. von Oldenburg und die Grafenfehde (Hamb. 1853).

Christoph, Herzog von Württemberg, der einzige Sohn Ulrichs von Württemberg und der bayr. Prinzessin Sabina, wurde 12. Mai 1515 geboren. Bei der Exekution des Schwäbischen Bundes gegen den Vater (s. Ulrich) fielen C. und seine Schwester Anna in die Gewalt der Feinde; C. wuchs unter der Leitung König Ferdinands auf, dem Karl Ⅴ. Württemberg übergeben hatte. 1530 wurde er auf dem Augsburger Reichstag Karl ausgeliefert, der ihn in sein Gefolge aufnahm. Als er aber dem Kaiser nach Spanien folgen sollte, entfloh er 1533 mit Hilfe seines Lehrers Tiffernus und fand eine Zuflucht in Landshut bei seinem Oheim Ludwig von Bayern. Nun setzte er sich in Verbindung mit seinem Vater und erhob nachdrücklich die Forderung der Rückgabe von Württemberg, zunächst für sich auf Einräumung der ihm zugesagten Ämter Tübingen und Neuffen. Viele

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