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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Couleur favorite; Couleurstudent; Coulisse; Coulisseneinlauf; Coulissengeschäfte; Coulmiers; Couloir; Coulomb; Coulombs Gesetz

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Couleur favorite – Coulombs Gesetz

Couleur favorite (frz., spr. kulöhr faworít), s. Einwerfen.

Couleurstudent, s. Couleur.

Coulisse (frz., spr. ku-), eigentlich Falz, Rinne, worin sich etwas auf und ab schiebt (daher Coulissentisch soviel wie Ausziehtisch), im Bühnenwesen Bezeichnung für die hintereinander aufgestellten Schiebewände, welche die Seitendekoration der Bühne und in den Zwischenräumen Zugänge für die Darsteller abgeben. Malerei und Aufstellung der C. müssen perspektivisch sein, die C. einander decken, was besonders durch schräge Aufstellung bewirkt wird. Das griech. Theater besaß schon eine den C. ähnliche Vorrichtung in den Periakten. Der Architekt Serlio brachte in Vicenza um 1532 zuerst C. an, um eine bessere Beleuchtung möglich zu machen, doch erfolgte ihre allgemeinere Einführung erst durch den Maler Ferd. Bibiena gegen Ende des 17. Jahrh. Die Bewegung der C. geschieht vom Unterraume der Bühne aus, die zu diesem Zwecke an den betreffenden Stellen kanalartig durchbrochen ist. In neuerer Zeit ist man teilweise, namentlich bei Zimmerdekoration, nach dem Vorgange der Pariser Theater wieder zu den geschlossenen, den Panoramatheatern zurückgekehrt. (S. Theater.)

In der Börsensprache bezeichnet C. an der Pariser und Wiener Fonds- und Aktienbörse eine besondere Klasse der an den Geschäften dieser Börse Beteiligten nach den ursprünglich coulissenähnlichen Seitenräumen, worin sie sich aufhalten. In Paris wird die Gesamtheit der außerhalb des sog. Parketts (der den vereidigten Mäklern – Agents de change – vorbehaltene Platz) unterhandelnden Mäkler und der mit ihnen verkehrenden Spekulanten so genannt, die betreffenden unberechtigten Mäkler Coulissiers, die durch diese vermittelten Operationen Coulissengeschäfte, eine Bezeichnung, welche auch wohl den ohne Dazwischentritt eines Mäklers unmittelbar zwischen den Parteien verhandelten Geschäften gegeben wird. Coulissenpapiere (Valeurs en banque) heißen diejenigen Effekten, welche vorzugsweise in der C. gehandelt und zum Teil gar nicht zur amtlichen Notierung zugelassen werden. Der Verkehr der Pariser Coulissiers wurde 1801 verboten, blieb aber geduldet, und obwohl man ihn 1859 wiederum durch gerichtliche Verurteilungen bekämpfte, erhielt sich die C. immer noch und lebt heute mit dem Parkett in der Hauptsache in gutem Einverständnis. Sie teilt sich in vier Gruppen, von welchen die erste (groupe des rentes) die bedeutendste ist und in der Nähe des Parketts ihre Stelle hat, während die übrigen drei Gruppen (groupe des valeurs à terme, des valeurs au comptant und de l’Extérieure) im Säulengang der Börse ihre Geschäfte machen. Die C. dehnt ihre Geschäftszeit über die des Parketts aus (von 12 bis 4 Uhr) und hält in der Halle des Crédit Lyonnais auch eine Abendbörse (Petite Bourse) ab. – Vgl. O. Marinitsch, La Bourse théorique et pratique (Par. 1892).

Coulisse, Coulissensteuerung (spr. ku-), bei Dampfmaschinen, s. Umsteuerungen.

Coulisseneinlauf (spr. ku-), s. Wasserräder.

Coulissengeschäfte, Coulissenpapier, Coulissentisch, Coulissier, s. Coulisse.

Coulmiers (spr. kulmĭeh), Dorf mit (1891) 351 E. im Kanton Meung-sur-Loire, Arrondissement Orléans des franz. Depart. Loiret, 21 km westnordwestlich von Orléans an der Straße nach Le Mans. Hier fand 9. Nov. 1870 zwischen dem 1. bayr. Armeekorps und der 2. Kavalleriedivision (12000 Mann Infanterie, 4000 Reiter und 100 Geschütze) unter General von der Tann und der Loire-Armee (15. und 16. Korps, 80000 Mann) unter General Aurelle de Paladines ein Treffen statt. Die Deutschen, die am Tage und in der Nacht vorher Orléans geräumt hatten, mußten nach siebenstündigem Kampfe nachmittags gegen 5 Uhr den Rückzug nach dem 7 km nordöstlich liegenden Artenay antreten und sich 10. Nov. nach Toury zurückziehen, um mit der 22. Infanterie- und 4. Kavalleriedivision in Verbindung zu treten. Die Bayern verloren 1308, die Franzosen 1500 Mann.

Couloir (srz., spr. kulŏahr), Lauftreppe, Geheimtreppe; Verbindungsgang, Korridor, z. B. hinter den Theaterlogen, in Parlamentsgebäuden; in den Alpen eine enge, steile Fels-(Eis-)rinne.

Coulomb (spr. kulóng), nach dem Physiker Charles A. de C. Benennung der Elektricitätsmenge, die der Strom von 1 Ampère (s. d.) in der Sekunde durch den Querschnitt fördert. Diese Menge dient als praktische elektromagnetische Einheit. Sie beträgt ein Zehntel der absoluten elektromagnetischen Einheit der Menge und entspricht 3000 Millionen der elektrostatischen Mengeneinheit. (S. Elektricitätsmenge und Elektrische Einheiten.)

Coulomb (spr. kulóng), Charles Augustin de, Ingenieur, geb. 11. Juni 1736 zu Angoulême, trat früh in das Geniekorps. Nach Martinique geschickt, baute er dort das Fort Bourbon. Er erhielt 1769 für seine «Théorie des machines simples» den von der Akademie dafür ausgesetzten Preis und zwar verdoppelt. Auch gewann er 1777 mit Pans wieder einen Preis der Akademie durch seine Abhandlung über die beste Konstruktion der Magnetnadeln und 1781 einen andern Preis durch die Abhandlung über die Reibung und den Widerstand der Seile bei Maschinen, worauf er noch im nämlichen Jahre in die Akademie aufgenommen wurde. Beim Ausbruch der Revolution war er Oberstlieutenant im Geniekorps, legte aber bald darauf seine Stelle nieder. Bei Errichtung des Instituts wurde er 1804 als Mitglied aufgenommen und zum Generalinspektor der Universität ernannt. Er starb 23. Aug. 1806. Er ist berühmt durch seine Versuche über Reibung (1779‒90), durch seine Untersuchungen über elektrische Anziehung und Abstoßung (s. Coulombs Gesetz) und durch die nach ihm benannten Instrumente zur Messung magnetischer und elektrischer Anziehungs- und Abstoßungskräfte, die Coulombschen Drehwagen (s. Torsionswage). Er schrieb «Mémoire sur la stabilité des voûtes» (1776), «Recherches sur la meilleure manière de fabriquer les aiguilles aimantées» (1777).

Coulombs Gesetz. Wenn einem leichten als Pendel aufgehängten elektrisch geladenen Kügelchen ein anderes gleichnamig geladenes Kügelchen genähert wird, so weicht dieses vermöge der elektrischen Abstoßung so weit ab, daß die in die Vertikallage zurücktreibende Schwerkraft der erstern das Gleichgewicht hält. Aus der Fadenlänge, dem Kugelgewicht und dem Ausschlag läßt sich dann die elektrische Abstoßung berechnen. Weicht z. B. eine 1 g schwere Kugel an einem 981 cm langen Faden um 1 cm aus der Gleichgewichtslage aus, so ist die Abstoßung eine Dyne (s. d.). Es läßt sich nun zeigen, daß die Abstoßung derselben Kügelchen bei gleichbleibender Ladung bei 2-, 3-, 4facher Entfernung nur ¼, ⅑, 1⁄16 jener bei einfacher Entfernung ist, d. h. daß die

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]