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Crédit foncier – Credner (Herm.)
soviel wie ihm denselben gutbringen, gutschreiben, oder es dafür erkennen.
Crédit foncier (frz., spr. kredih fongßĭeh), Bodenkredit, s. Bodenkreditbanken.
Crédit mobilier (frz., spr. kredih mobilĭeh), häufige Bezeichnung für Kapitalgesellschaften, deren Geschäftsbetrieb darin besteht, selbst wieder die Begründung von Gesellschaften für Unternehmungen von allgemeinem oder lokalem Interesse, sowie die Umwandlung von Privatunternehmungen in Aktiengesellschaften zu vermitteln und zu bewirken, die Aktien und Obligationen dieser Gesellschaften, sowie überhaupt Anleihen zu übernehmen und unterzubringen, börsengängige Papiere zur Ermöglichung der Prolongation der Börsengeschäfte zu beleihen (sog. Reportgeschäft, s. d.). An die Wirksamkeit solcher Institute haben sich im Falle der Ungemessenheit des rein spekulativen Bankbetriebes oft unheilvolle Katastrophen geknüpft. Dies gilt insbesondere von dem Institut, von dessen Namen die allgemeine Bezeichnung von Banken mit den gekennzeichneten Geschäftskreisen als Kreditmobilierbanken entlehnt ist, der 1852 von den Gebrüdern Pereire in Paris unter Begünstigung Napoleons, damals noch Präsidenten der Republik, und Staatsgenehmigung mit einem Kapital von 60 Mill. Frs. gegründeten Société générale du C. m. Sie sollte die mit dem Napoleonischen Regiment anbrechende Ära der allgemeinen Wohlfahrt illustrieren. Nach dem mit Genehmigung der Regierung veröffentlichten Programm war sie bestimmt, Handel und Industrie mit Kapital zu unterstützen und den öffentlichen wie privaten Kredit zu spornen. Sie sollte fest verzinsliche Obligationen bis zu 600 Mill. Frs. gegen Erwerb von Aktien und Obligationen industrieller Unternehmungen ausgeben dürfen. Diese auszugebenden Obligationen waren zum größten Teile zu langer Befristung bestimmt, sodaß ihre Rückzahlung nur gleichen Schritt mit der Einlösung der in ihrem Portefeuille befindlichen Aktien und Obligationen zu halten brauchte. Diese fest verzinslichen Werte sollten im Verkehr die Papiere mit schwankender Dividende und wechselndem Kurse ersetzen. Gerade wegen ihrer langen Befristung im Vergleich zu den Noten anderer Banken, deren jederzeitige Zahlbarkeit denselben auch nur auf kurze Zeit Kapitalanlagen gestattete, sollte die Bank befähigt sein, bei Krisen die wichtigsten Dienste zu leisten, ohne selbst von ihnen etwas zu fürchten zu haben. Als dem Repräsentanten einer großen Anzahl von Unternehmungen wurde ihr der Charakter einer Versicherungsgesellschaft vindiziert. Zum Zwecke der Prolongationen der Börsengeschäfte von Monat zu Monat sollte sie die börsengängigen Effekten zu ihrem ganzen Werte beleihen. Anscheinend schwebte als das letzte Ziel die Umwandlung aller Privatunternehmungen in Aktiengesellschaften und die Beherrschung derselben wie der Börse durch das Institut vor. Von diesen Plänen ist nichts weiter zur Ausführung gekommen, als daß der C. m. in der Zeit von 1852 bis 1856 allerdings eine große Reihe von Aktienunternehmungen in Frankreich wie im Auslande, zum Teil von umfassender Bedeutung, insbesondere Eisenbahn-, Gas-, Omnibus-, Dampfschiff-, Immobiliengesellschaften teils schuf, teils reorganisierte, die hierdurch entfachte Spekulation durch das Treiben der Aktien und ihren Verkauf mit Agio benutzte und in diesen Jahren durch diese Agiotage und Börsenspiel hohe Dividenden, 1855 etwa 40 Proz., erzielte. Die Ausgabe der Obligationen wurde bereits 1855 von der schließlich unruhig gewordenen Regierung beanstandet und erfolgte erst 1864 und nur in Höhe von 60 Mill. Frs. 1857 folgte dem übertriebenen Aufschwunge ein gewaltiger Rückschlag und, nachdem die Jahre 1862 und 1863, letzteres mit 25 Proz. Dividende, wieder einen nicht nachhaltigen Aufschwung gebracht hatten, trat 1866 ein fast gänzlicher Verfall des Unternehmens ein, der durch eine Kapitalverdoppelung eher noch verschlimmert wurde. Die Aktien zu 500 Frs., welchem den ersten Jahren einen Kurs von 17‒1800 erreicht hatten und 1866 noch auf 880 standen, sanken Ende 1867 auf 140. Die Pereires mußten sich von der Leitung des Unternehmens zurückziehen und wurden ebenso wie die übrigen Verwaltungsräte in Prozesse verwickelt, die zu ihren Ungunsten endeten. Die 1871 auf neue Grundlagen gestellte Gesellschaft (die alte Gesellschaft ist aufgelöst und der Rest ihres Vermögens unter neuen Kapitaleinlagen in eine neue Gesellschaft gleichen Namens eingebracht) hat seitdem ein geräuschloses Dasein geführt. Einen ähnlichen, nur weit jähern Verlauf hatte das Unternehmen der Union générale in Paris, die 1880 die größten Tageserfolge hatte, aber schon 1882 zusammenbrach. Unter dem Eindrucke der Erfolge des C. m. entstanden in den fünfziger Jahren in Deutschland, und zwar auch in kleinen Residenzen, sowie in Österreich, begleitet von allen Erscheinungen des Gründungsfiebers, zahlreiche Kreditmobilierbanken, meist Kreditanstalten genannt. Von ihnen haben sich einige, besonders die 1853 gegründete Bank für Handel und Industrie in Darmstadt, die 1856 entstandene Österr. Kreditanstalt und die Leipziger Kreditanstalt, infolge vorsichtiger und geschickter Geschäftsführung mit Erfolg behauptet. – Vgl. Aycard, Histoire du C. m., 1852‒67 (Par. 1867). ^[Spaltenwechsel]
Crediton (spr. kréddĭt’n) oder Kirton, Marktflecken in der engl. Grafschaft Devon, 11 km im NW. von Exeter, am Creedy, nahe seiner Mündung in die Exe, nach den Bränden 1743 und 1769 neu angelegt, hat (1891) 4207 E., eine schöne got. Kirche; Schuhfabrikation und Ackerbau. Früher war die Wollmanufaktur bedeutend. – C., Geburtsort des heil. Bonifatius (um 680), war in angelsächs. Zeit (909‒1050) Bischofssitz.
Credner Herm., Geolog, geb. 1. Okt. 1841 zu Gotha als Sohn des durch seine Arbeiten über Thüringen und Hannover bekannten Geognosten Heinrich C., studierte in Clausthal, Breslau und Göttingen, führte dann eine Anzahl geolog.-paläontolog. Untersuchungen über die Umgegend von Hannover und von St. Andreasberg aus, die er monographisch behandelte, und bereiste 1864‒68 die östl. und centralen Regionen Nordamerikas zum Zwecke geolog. Studien, deren Ergebnisse er in der «Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft», dem «Neuen Jahrbuch für Mineralogie» und andern Zeitschriften niederlegte. 1869 habilitierte er sich an der Universität Leipzig und wurde 1870 zum außerord., 1877 zum ord. Honorarprofessor, 1881 zum Oberbergrat, 1891 zum Geh. Bergrat ernannt. Seit 1871 ist er auch Direktor der geolog. Landesuntersuchung des Königreichs Sachsen, deren Organisation ihm schon 1870 übertragen worden war. C.s Publikationen behandeln das Oligocän, die archäischen und Ganggebilde sowie die permischen Stegocephalen Sachsens; namentlich aber haben die Untersuchungen C.s zur Lösung der Glacialfrage wesent- ^[folgende Seite]
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