Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Crispi; Crispin; Crispīn; Crispus

596

Crispi – Crispus

Die meisten Gipfel sind, oft allerdings auf schwierigen Kletterwegen, zugänglich; am häufigsten bestiegen werden der Bristenstock, der Piz Giuf und der eigentliche C. Dem Südfuß der Gruppe entlang führt die Oberalpstraße, am Nordwestabfall zieht sich die Gotthardbahn und ‑Straße hin. Die übrigen Pässe des Massivs, der Kreuzlipaß (2350 m, Amsteg-Dissentis) und die Pässe über die Mittelplatte und die Fellilücke, sind rauhe beschwerliche Fußwege. Das Crispaltgebiet ist reich an seltenen Mineralien.

Crispi, Francesco, ital. Staatsmann, geb. 4. Okt. 1819 zu Ribera (Provinz Girgenti), studierte zu Palermo die Rechte und ward Advokat zu Palermo und seit 1846 zu Neapel, wo er mit Ribotti in Verbindung trat. Nach der Erhebung Palermos Jan. 1848 kehrte er nach Sicilien zurück, wo er im Parlament und in seiner Zeitung «L’Apostolato» Mazzinis Gedanken vertrat und Vertreibung der Bourbonen forderte. Deshalb mußte er, ausdrücklich von der Amnestie ausgeschlossen, nach Piemont flüchten, wo er am «Archivio storico italiano» und an den Zeitungen «Concordia» und «Gazetta di Torino» mitarbeitete. Nach der Mailänder Erhebung (1853) auch aus Piemont vertrieben, ging er nach Malta und von hier zu Mazzini nach London. Unter Verzicht auf seine republikanischen Bestrebungen kehrte er 1859 nach Piemont zurück, um Victor Emanuel Ⅱ. bei Italiens Aufrichtung zu unterstützen, ging dann nach Sicilien, wo er unter Garibaldi als Oberst bei Calatafimi 1860 tapfer kämpfte; zu Neapel ward er dann Sekretär des Diktators und einige Tage im Kabinett Liborio Romano Minister des Auswärtigen. Seit 1861 Mitglied der ital. Kammer, gehörte er zuerst der äußersten Linken an, wandte sich aber immer entschiedener dem monarchischen Konstitutionalismus zu und vertrat diese Schwenkung auch in der Presse («Il Precursore», begründet 1860, «La Riforma», begründet 1865) und in der Broschüre «Repubblica e monarchia» (1865). 1876 Präsident der Kammer geworden, unternahm C. 1877 eine Reise an die europ. Höfe. Zurückgekehrt, erhielt C. nach Nicoteras Sturz 1877 das Ministerium des Innern, mußte aber schon März 1878 sein Amt niederlegen infolge einer Anklage auf Doppelehe; trotz seiner Freisprechung übernahm er es erst April 1887 wieder, um nach Depretis’ Tod 29. Juli 1887 Ministerpräsident und Minister des Auswärtigen zu werden; daneben behielt er das Ministerium des Innern. In seiner auswärtigen Politik schloß sich C. rückhaltlos dem Dreibund an, wodurch er sich den Franzosen besonders verhaßt machte. Am 13. Sept. 1889 wurde C. von dem Radikalen Emil Caporali in Neapel durch einen Steinwurf verletzt. Zweifellos hat unter C. die äußere Geltung und militär. Stärke Italiens zugenommen, während die innere Kraft des Landes und die Zufriedenheit der niedern Bauern- und Arbeiterbevölkerung geschwunden ist. Dennoch besaß Italien unter ihm das höchste Ansehen, das es je seit seiner Wiederherstellung genossen. Die Entlassung Bismarcks, den er 1887 in Friedrichsruh besuchte, und dessen Verehrer und Freund er geworden war, hatte C.s Stellung nicht wesentlich erschüttert. Während er in einer Zusammenkunft mit Caprivi in Mailand (6. Nov. 1890) den Bund der Mächte neu bekräftigte, trat in der neugewählten Kammer seine Anhängerschaft in vermehrter Zahl gefestigt hervor. Da forderte C. 31. Jan. 1891 durch scharfe Beleidigungen der Rechten den Unwillen der Kammer heraus, sodaß diese durch ein Mißtrauensvotum seinen Rücktritt erzwang. Danach nahm er wieder seine Thätigkeit als Rechtsanwalt auf und trat in der Kammer in Opposition zu seinem Nachfolger Rudini, besonders nachdem er Anfang 1892 auch einige Mitglieder der äußersten Linken zu sich herübergezogen hatte. Rudinis Nachfolger Giolitti (seit Mai 1892) unterstützte er anfangs, brach aber dann mit ihm. In der Verwirrung, die durch Giolittis Rücktritt 24. Nov. 1893 entstand, erschien schließlich C. als der einzige Staatsmann, der der Schwierigkeiten Herr zu werden im stande sei. In dem Kabinett, das er 15. Dez. bildete, übernahm er selbst das Innere. C. ist eine leidenschaftliche Natur, von gewaltigem Selbstvertrauen und unbeugsamem Charakter. Aber in seinem rücksichtslosen Vorgehen sieht man eine Gefahr für die wirtschaftliche Blüte des Landes. C. veröffentlichte «Discorsi parlamentari» (1889) und «Scritti e discorsi politici, 1849‒90» (Rom 1890). – Vgl. Riccio, F. C. (Turin 1887); Narjoux, F. C. (Par. 1890); Barth, Crispi (Lpz. 1893).

Crispin (spr. -päng), komische Maskenrolle des ältern franz. Theaters, ein Bedienter, der entweder durch seine Pfiffigkeit seinem Herrn bei Liebeshändeln förderlich oder durch seine Ungeschicktheit und Tölpelhaftigkeit hinderlich ist. Der Schauspieler R. Poisson (1630‒90) brachte den C. zuerst auf die Bühne, indem er versuchte, dem ital. Arlecchino einen national-franz. Arlequin zur Seite zu stellen. Der C. ging schwarz gekleidet, gleich dem Scapin, unterschied sich aber von diesem durch schwarze Gamaschen, einen breiten, gelben Ledergurt dicht unter der Brust, an dem ein kleiner Stoßdegen hing, durch eine enge schwarze Kappe und runden Hut und auffallende Kürze seines span. Mantels. Das Poisson eigene Stottern gehörte später zu den charakteristischen Eigentümlichkeiten des C., dessen Blütezeit bis 1730 dauerte. Auch auf der deutschen Bühne spielte der C. in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. eine nicht unwichtige Rolle.

Crispīn, Heiliger und Märtyrer, stammte angeblich aus einer vornehmen röm. Familie und floh mit seinem Bruder Crispinianus um die Mitte des 3. Jahrh. aus Rom nach Soissons, wo beide das Schuhmacherhandwerk trieben (dessen Patrone sie deshalb geworden sind), aber um 287 dadurch den Märtyrertod erlitten, daß sie in einen Kessel mit geschmolzenem Blei geworfen wurden. Sein Wohlthätigkeitssinn soll so groß gewesen sein, daß er das Leder stahl, um davon für die Armen Schuhe zu fertigen. Daher nennt man Wohlthaten, die auf Kosten anderer erzeigt werden, Crispinaden. Gedächtnistag beider Brüder ist der 25. Okt.

Crispus, ältester Sohn Konstantins d. Gr., aus dessen erster Ehe mit Mamertina, wurde 1. März 317 (17 J. alt) durch seinen Vater zum Cäsar erhoben und mit der Regentschaft in Gallien sowie später mit dem Kriege gegen die Franken am Rhein betraut, den C. glücklich führte. In Konstantins letztem großen Kriege gegen Licinius, den Kaiser des Ostens, führte C. die von Thessalonich aus operierende Flotte und erkämpfte 323 bei Kallipolis im Hellespont einen glänzenden Sieg über die Geschwader des Licinius. Infolge von Verleumdungen, die von des Kaisers zweiter Gemahlin, Fausta, ausgingen, vielleicht auch aus Eifersucht über die Begeisterung, mit welcher das Volk dem Sohne anhing, ließ Konstantin im Sommer 326 in der istrischen Stadt Pola den C. töten und

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]