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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Crucifix; Crucĭger; Crucinella

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Crucinella – Cruciger

Crucinella L., Pflanzengattung aus der Familie der Rubiaceen (s. d.) mit gegen 25 Arten, die größtenteils in den Mittelmeerländern und im westl. Asien vorkommen. Es sind Kräuter oder Halbsträucher mit quirlförmig zu vier stehenden Blättern und in Ähren oder Köpfchen gestellten Blüten. Sie sind meist unscheinbar blühende Gewächse; nur eine Art, die persische C.stylosa Trin., mit rosenroten Blumen, aus welchen der lange, keulenförmige Griffel weit hervorsteht, ist eine sehr hübsche Pflanze, welche als Ziergewächs gehalten wird. Sie bildet umfangreiche Büsche, welche zwei bis drei Monate lang mit schönen Blumen übersät sind, hält im Freien aus und läßt sich durch Zerteilung der Stöcke leicht vermehren.

Crucifix (lat. crucifixus, d. i. der Gekreuzigte), das Bild des an das Kreuz gehefteten Heilands, eine Darstellung, die erst im Laufe des 5. Jahrh. auftritt, wenn auch das Kreuz selbst als christl. Symbol schon früher in Gebrauch war. Der Übergang vom Kreuz zum C. wird dadurch gebildet, daß man das Lamm am Fuße, sodann das Brustbild Christi an der Spitze oder in der Mitte des Kreuzes anbrachte. Doch ist dieser Weg nicht überall beschritten worden. Zu den ältesten Darstellungen zählt ein Elfenbeintäfelchen des 5.-6. Jahrh. (jetzt im Britischen Museum), ein Relief an der Thür der Kirche Santa Sabina in Rom und eine Miniatur des syr. Evangeliars vom J. 586 in der Laurenzianischen Bibliothek zu Florenz. Gegen Ausgang der altchristl. und in der frühmittelalterlichen Zeit ist das C. in Gemälden, in den Miniaturen der Handschriften, in Elfenbeintafeln, in plastischen Arbeiten aus Holz, Stein, Metall u. s. w. verbreitet. Der Erlöser ist anfangs nicht immer als Gemarterter und Sterbender aufgefaßt. Später werden die Darstellungen des schmerzhaft Leidenden oder Sterbenden allgemein; vier seit dem 12. Jahrh. drei Nägel (nämlich für beide Füße nur ein Stück) heften ihn an das Kreuz (Fig. 1). In frühern Darstellungen sieht man häufig Sonne und Mond als menschliche Gesichter, halb verhüllt, was die Verfinsterung bedeutet. In der berühmten Crucifixgruppe der Kirche zu Wechselburg (s. Tafel: Crucifix zu Wechselburg), einem der schönsten Werke mittelalterlicher Kunst (13. Jahrh.), erscheint Gottvater mit der Taube des heil. Geistes über dem Gekreuzigten; Engel halten das Kreuz, Adam fängt in einem Kelche das erlösende Blut auf; vormals herrschende, gekrönte Gestalten, welche Juden- und Heidentum bedeuten mögen, liegen überwunden unter Mariä und Johannis Füßen. Seit der Reformation haben die kath. und die luth. Kirche, nicht aber die reformierte, das C. beibehalten. Es ist Gegenstand der Elfenbein- und Holzschnitzerei geblieben und folgt in idealer oder naturalistischer Behandlung dem Stile der Zeit (Fig. 2). – Vgl. Stockbauer, Kunstgeschichte des Kreuzes (Schaffh. 1870); Dobbert, Zur Entstehungsgeschichte des C. (in den «Jahrbüchern der königlich preuß. Kunstsammlung Ⅰ», Berl. 1880); Engelhardt, Die ältesten C. (in der «Zeitschrift für kirchliche Wissenschaft», Lpz. 1880).

^[Abb. Fig. 1.]

^[Abb. Fig. 2.]

Crucĭger, Creuziger oder Creutzinger, Kaspar, Gehilfe Luthers, geb. 1. Jan. 1504 zu Leipzig, wurde schon 1519 durch die Leipziger Disputation für Luther gewonnen, studierte seit 1521 zu Wittenberg Theologie, ging 1524 als Rektor der neubegründeten Stadtschule nach Magdeburg, kehrte aber 1528 als Prediger an der Schloßkirche und Professor, anfangs in der philos., seit 1533 in der theol. Fakultät, nach Wittenberg zurück. Seitdem wirkte er für die Reformation als akademischer Lehrer und Mitarbeiter Luthers an der Bibelübersetzung. Auch nahm C. am Marburger Religionsgespräch (1525)), an der Wittenberger Concordie (1536), am Tage zu Schmalkalden (1537), an den Religionsgesprächen zu Hagenau, zu Worms (1540), zu Regensburg (1541) teil und leitete die Einführung der Reformation zu Leipzig (1539). In den letzten Jahren litt er unter den Verhandlungen wegen des Interim und unter den Anfeindungen der Melanchthonischen Richtung