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Curculio – Cures
Städten Italiens eine große Popularität. 1845 schrieb er eine Verteidigung der Jesuiten gegen Giobertis (s. d.) «Del primato», auf die dieser in dem «Gesuita moderno» antwortete. 1850 wurde während des Aufenthaltes Pius’ Ⅸ. in Gaeta die Zeitschrift der Jesuiten «Civiltà cattolica» (s. d.) gegründet. C. war der erste Hauptredacteur, zog sich aber schon 1853 zurück und zerfiel allmählich mit dem Orden, später auch mit Pius Ⅸ., da er 1874 in der Vorrede zu einer Evangelienerklärung: «Lezioni esegetiche e morali sopra i quattro evangeli» (5 Bde., Flor. 1874‒76; 2. Aufl., Tur. 1887 fg.), die Notwendigkeit einer Aussöhnung des Papstes mit dem Königreich Italien und des Verzichts auf Wiederherstellung des Kirchenstaates geltend machte. 1875 überreichte er dem Papste eine Denkschrift darüber. Als diese 1877 gedruckt wurde, ließ ihn der Papst aus dem Jesuitenorden ausstoßen. Ende 1877 veröffentlichte C. «Il moderno dissidio tra la Chiesa e l’Italia». Leo ⅩⅢ. bestimmte ihn zwar zu einer Art von Widerruf; aber bereits in seinem Werke «La nuova Italia ed i vecchi zelanti» (Flor. 1881; deutsch, 2 Bde., Lpz. 1882) sprach C. seine frühern Ansichten von neuem aus und richtete, als diese Schrift auf den Index kam, in der schonungslosen Schrift «Vom königl. Vatikan, als dem Holzwurm, der noch in der kath. Kirche übrig ist» («Il Vaticano Regio, torlo superstite della Chiesa cattolica», Flor. 1883) seine Angriffe gegen die Kurie selbst, die er für den Zwiespalt zwischen Staat und Kirche verantwortlich machte. Als ihm infolgedessen die Ausübung der priesterlichen Funktionen untersagt wurde, veröffentlichte er als sein «letztes Wort» 1884 noch «Lo scandalo del Vaticano Regio», unterwarf sich dann aber, als der Papst in einem Breve an den Erzbischof von Florenz erklärte, alle Maßregeln gegen C. seien mit seiner Genehmigung ergriffen. Er starb 8. Juni 1891 in der Villa Careggi bei Florenz, nachdem er einige Tage vorher wieder in den Jesuitenorden aufgenommen worden war. Kurz nach seinem Tode erschien der 1. Bd. seiner «Memorie», bis 1849 reichend (Flor. 1891). Außer den genannten sind von seinen Schriften zu erwähnen: «La quistione romana nell’Assemblea francese» (Par. 1849), «La demagogia italiana ed il Papa Rè» (ebd. 1849), «La natura e la grazia» (2 Bde., Rom 1865), «Il libro di Tobia» (ebd. 1877), «Il Nuovo Testamento volgarizzato» (3 Bde., Neap. 1879‒80), «Il Salterio volgarizzato» (Tur. 1883).
Curculĭo, der Rüsselkäfer (s. d.).
Curculionĭdae, die Familie der Rüsselkäfer (s. d.).
Curcŭma L., Pflanzengattung aus der Familie der Zingiberaceen (s. d.) mit gegen 30 Arten, die größtenteils in Ostindien und dem Indisch-Malaiischen Archipel vorkommen, im südl. China auch kultiviert werden. Sie haben einen dicken Wurzelstock mit knolligen Ästen und an der Spitze verdickten Wurzelfasern, einfache, mit scheidigen Blättern besetzte Stengel und dickwalzige Blütenstände. Zu dieser Gattung gehören mehrere technisch wichtige Pflanzen: C. longa L., welche die Curcumewurzel liefert, C. leucorhiza Roxb. und C. angustifolia Roxb., aus deren Knollen das sog. ostind. Arrow-Root (s. d.) gewonnen wird. C. longa hat langgestielte, breit lanzettförmige Blätter und einen 15 cm langen, von den Scheiden der Blätter umhüllten endständigen Blütenstand, ihr Wurzelstock viele lange, gegliederte Knollen, aber wenig Wurzeln. Der Stamm dieser Wurzelstöcke kommt als lange (C. longa), die Nebenäste als runde Curcume (C. rotunda) in den Handel. Beide sind graubraun, etwas runzelig, undeutlich geringelt, von orangerotem Bruch und stark gewürzhaftem Geruch und Geschmack. Die Curcume, auch Gelb- oder Gilbwurz und gelber Ingwer genannt, enthält einen eigentümlichen harzigen, gelben Farbstoff, das Curcumin (s. d.). Früher hielt man die Curcume für ein wichtiges Heilmittel. Jetzt wird dieselbe in Europa nur noch selten angewendet, häufig dagegen in Asien, wo man sie als ein reizendes, auflösendes, harntreibendes Mittel gebraucht. Auch benutzt man sie in Indien und auf den ostind. Inseln als Gewürz an viele Speisen, desgleichen in England als Zusatz zu pikanten Saucen. In Deutschland verwendet man die Curcume jetzt fast nur als Farbstoff, vorzüglich zum Gelbfärben von Zuckerwerk, Liqueuren, Spielwaren, aber nur selten in der Zeugfärberei, da das Gelb sich auf die Dauer nicht hält. Von einer andern in Ostindien einheimischen Art, der C. zedoaria L. (s. Tafel: Scitamineen, Fig. 1), stammt die sog. Zitwerwurzel (s. d.).
Curcŭmapapier, s. Curcumin.
Curcumeīn, Name einiger orange färbenden Azofarbstoffe, die Abkömmlinge des Diphenylamins sind.
Curcŭmewurzel, s. Curcuma.
Curcumīn, der Farbstoff der Curcumawurzel (s. Curcuma). Derselbe hat die Zusammensetzung C₁₄H₁₄O₄, krystallisiert in orangegelben Prismen, schmilzt bei 177° und giebt mit Alkalien braunrote Salze. Wegen dieser Farbenänderung benutzt man den Curcumafarbstoff zum Nachweis von Alkalien, indem man Papierstreifen mit einer Lösung des Farbstoffes tränkt (Curcumapapier).
Curé (frz., spr. küreh), kath. Pfarrer, Curatus (s. d.).
Curée (frz., spr. küreh), eigentlich Bezeichnung für das bei der Parforcejagd den Jagdhunden von dem erlegten Wilde Vorgeworfene; das Wort wird aber im allgemeinen vom Aufbrechen und Zerwirken des erbeuteten Edelhirsches gebraucht. Ist dem Hirsch der Fang gegeben, was durch die Halalifanfare verkündet wird, so versammelt sich die gesamte Jägerei, um der C. beizuwohnen. Zuerst werden alle vier Läufe des Hirsches über dem Gelenk losgelöst und derselbe dann auf gewöhnliche Weise aufgebrochen und zerlegt. Die Eingeweide reinigt man vom Geäse, zerschneidet sie in kleine Stücke und deckt diese, wie das geringwertige zerstückelte Wildbret, mit der Hirschhaut zu. Dann führt man die Meute herbei, die aber ein Jäger mit vorgehaltenem Hirschkopfe so lange zurückhält, bis auf ein gegebenes Hornsignal die Haut weggezogen und das darunter Liegende den Hunden preisgegeben wird. Den rechten Vorderlauf des Hirsches erhält der Jagdherr mit einem Bruch (s. d.), die drei andern werden den vornehmsten Jagdgästen als Ehrenzeichen überreicht. Bei der sog. kalten C. findet das Zerwirken des Hirsches erst nach der Rückkehr von der Jagd im Hofe des Jagdschlosses oder Herrenhauses statt.
Cures, eine alte Niederlassung der Sabiner in der Nähe Roms, in der Nähe des heutigen Dorfes Correse, der Sage nach die Heimat der röm. Könige Titus Tatius und Numa, stand früh in freundlichen und feindlichen Beziehungen zu Rom und zwang dieses im 8. Jahrh. v. Chr., ihren Bewohnern das volle Bürgerrecht zu gewähren. In späterer histor. Zeit war der Ort ohne Bedeutung. – Vgl. Lanciani
^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]