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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Dagö; Dagob; Dagŏbert Ⅰ.; Dagobertshausen; Dagomba; Dagon; Dagop; Dagsburg; Daguerre; Daguerreotypie

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Dagö – Daguerreotypie

Bäuerinnen (1888), Bretagnerinnen nach dem Bittgange (1889; Ehrenmedaille des Salons).

Dagö, Dago oder Dagden (esthnisch Hio-ma), die größte der zum russ. Gouvernement Esthland gehörigen Inseln des Baltischen Meers, nördlich der Insel Ösel und von dieser durch den Sölasund getrennt, hat die Gestalt eines Vierecks, dessen Ecken als Halbinseln und Vorgebirge ins Meer hineinragen, und 960,1 qkm. Am größten ist die westl. Halbinsel Keppo mit dem Vorgebirge Dagerort (Leuchtturm); sie ist auch der höchst gelegene Teil, das übrige Land ist eben und niedrig, im Innern sumpfig. Im Norden ist der Boden steinig, im Süden lehmig und fruchtbar; der Wald besteht zumeist aus Kiefern; es finden sich viele erratische Blöcke. Die Küsten sind überall von Untiefen umgeben. Die Bevölkerung bildet drei Kirchspiele mit 16386 E. (zwei Drittel Esthen, ein Drittel Schweden und Deutsche), welche Viehzucht, Ackerbau, Fisch- und Seehundfang sowie auch unbedeutenden Handel mit Holz, Kalk und Getreide treiben. D. gehörte bis 1645 zu Dänemark, dann zu Schweden, seit 1721 zu Rußland.

Dagob, s. Dagop.

Dagŏbert Ⅰ., fränk. König, erhielt von seinem Vater Chlothar Ⅱ. 622 Austrasien, wo er unter der Leitung des Majordomus Pippin und des Bischofs Arnulf von Metz aufwuchs und regierte, bis der Tod des Vaters ihn 628 zum Herrn des ganzen Frankenreichs machte. D. verlegte seinen Sitz nach Paris und starb 638. Er war der letzte kräftige Merowinger und hielt auch die Herrschaft in Bayern aufrecht; auf seinen Befehl wurden hier 900 Bulgaren erschlagen, die daselbst Zuflucht gesucht hatten. Sein Name lebt heute noch, namentlich in der Pfalz, in der Erinnerung des Volks. Sein Reiterstandbild an der Façade des Straßburger Münsters stammt aus dem J. 1291. ‑Vgl. J. ^[Johann] H. Albers, König D. in Geschichte, Legende und Sage, besonders des Elsasses und der Pfalz (Kaisersl. 1884).

D. Ⅱ. wurde als Knabe 656 von dem Hausmeier Grimoald in ein irländ. Kloster gewiesen, nach 17 Jahren aber auf den Thron von Austrasien erhoben und führte den Namen König, bis er 678 ermordet wurde.

D. Ⅲ., Sohn Childeberts Ⅲ., führte von 711 bis 715 den Titel Frankenkönig und starb als Knabe von 16 Jahren. – Vgl. G. Richter, Annalen des fränk. Reichs (Halle 1873).

Dagobertshausen, Dorf im Kreis Melsungen des preuß. Reg.-Bez. Cassel, hat (1890) 300 evang. E., eine alte Kirche, der Sage nach vom Frankenkönig Dagobert Ⅰ. erbaut, 1892 restauriert und mit neuen Fenstern versehen; die alten schmücken jetzt die Löwenburg in Wilhelmshöhe bei Cassel. D. ist geschichtlich bekannt durch den Sieg Dagoberts über die Wenden (631).

Dagomba, s. Jendi.

Dagon, Hauptgottheit der Philistäer, scheint mit Fischschwanz dargestellt worden zu sein, besaß große Tempel in Asdod und Gaza, wurde aber auch in Askalon und andern philistäischen Städten sowie im israel. Binnenlande verehrt, wie die Ortsnamen Beth-Dagon und Kephar-Dagon beweisen.

Dagop, richtiger Dagob (vom singhalesischen dāgaba, das aus Pali dhātugabbha, Sanskrit dhatugarbha, «Reliquienkammer», entstanden ist), Name des innern Raumes eines Topen (s. d.), in dem Reliquien aufbewahrt werden. Irrtümlich wird oft der Tope selbst D. genannt. ^[Spaltenwechsel]

Dagsburg, Dachsburg, frz. Dabo, Dorf im Kanton Pfalzburg, Kreis Saarburg des Bezirks Lothringen, 18 km südlich von Pfalzburg, in einem Thale der Vogesen, an einem zur Zorn gehenden Wasser, hat (1890) 2887 kath. E., Postagentur, Telegraph; kelt. und röm. Altertümer; Sägemühlen, Anfertigung von Holzgefäßen. – Über dem im 17. Jahrh. zerstörten, jetzt aus zerstreuten Teilen bestehenden Dorfe D. lag auf einem Felsen (650 m) die D. oder Dagobertusburg (Dasborc 1091, Castrum de Tagisburc 1126, vom kelt. Dages = kleine Behausung), 1679 zerstört; jetzt steht an ihrer Stelle eine 1825 zu Ehren des heil. Leo geweihte Kapelle. – D. war der Hauptort einer 983 gegründeten Grafschaft, deren Herren ihre Abkunft vom elsäss. Herzog Eticho ableiteten und denen Papst Leo Ⅸ. entstammte. Mitte des 11. Jahrh. kam D. an eine Nebenlinie des herzogl. Hauses von Niederlothringen, 1300 durch Heirat an die Grafen von Leiningen, 1679 unter franz. Oberhoheit, im Lunéviller Frieden (1801) an Frankreich. – Vgl. Dugas de Beaulieu, Le comté de D. (2. Aufl., Par. 1858).

Daguerre (spr. -gähr), Louis Jacques Mandé, franz. Maler, geb. 18. Nov. 1789 zu Cormeilles im franz. Depart. Seine-et-Oise, war erst Steuerbeamter, wandte sich aber bald der Malerei zu, bildete sich unter Degotis Leitung im Dekorationsfach aus und that sich in der Behandlung der Licht- und Beleuchtungseffekte hervor. Außerhalb Frankreichs wurde D. zuerst bekannt durch das von ihm erfundene Diorama (s. d.), das durch Gropius auch nach Deutschland verpflanzt ward. Neben diesen künstlerischen Arbeiten beschäftigte sich D. auch mit physik. Versuchen, unter anderm zur Fixierung der Bilder in der Camera obscura (s. d.). 1829 trat er mit Nièpce (s. d.), der seit 1814 ähnliche Versuche gemacht hatte, in Verbindung zur Benutzung und Vervollkommnung ihres Verfahrens. Nach dem Tode Nièpces setzte D. seine Untersuchungen selbständig fort und löste 1838 das Problem, mit Hilfe des Lichts auf leicht ausführbare Weise dauerhafte Bilder herzustellen. (S. Daguerreotypie.) Die ersten Proben von Daguerreotypen legte Arago 1839 der Pariser Akademie öffentlich vor. Auf den Antrag Aragos und Gay-Lussacs (9. Juli und 2. Aug.) wurde D. eine jährliche Pension von 6000 und den Erben Nièpces eine solche von 4000 Frs. bewilligt, wofür sie ihre Erfindung der Akademie zur Veröffentlichung überließen. D. selbst berichtete darüber in der Schrift: «Historique et description des procédés du daguerréotypie et du diorama» (Par. 1839), der er später noch «Nouveau moyen de préparer la couche sensible des plaques destinées à recevoir les images photographiques» (ebd. 1844; deutsch Aachen 1844) folgen ließ. Stets mit der Vervollkommnung und Verwertung seiner Erfindung beschäftigt, starb er 12. Juli 1851. – Vgl. Ernouf, Les inventeurs du gaz et de la photographie (Par. 1877).

Daguerreotypie, die Herstellung von Lichtbildern nach Daguerres (s. d.) Methode, 1838 erfunden. Daguerre räucherte Silberplatten in Joddämpfen, erzeugte dadurch eine Schicht von Jodsilber, belichtete diese in der Camera obscura und setzte sie dann Quecksilberdämpfen aus. Diese verdichten sich nur an den belichteten Stellen der Platte und erzeugen dadurch ein positives Bild. Das Verfahren, das wegen der verwendeten Silberplatten teure Bilder lieferte und für jedes neue Bild eine neue Aufnahme