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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Dalberg-Acton; Dalbergĭa; Dalbosee; Dalburg; Dalekarlĭen; Dalelf; D’Alembert

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Dalberg-Acton – D’Alembert

Pius Ⅶ. über die kirchlichen Angelegenheiten zu verhandeln und zugleich von Napoleon in betreff mehrerer streitiger Punkte billige Bedingungen für Deutschland zu erhalten, ging D. 1804 nach Paris. Seine früher vielfach geäußerte national-deutsche Gesinnung schwand jetzt mehr und mehr dahin; D. geriet in eine unwürdige Abhängigkeit von Napoleon, dessen Genie ihn blendete und der dem eiteln Mann zu schmeicheln wußte, ihn aber nachher wegwerfend und hochfahrend behandelte. D. wurde trotzdem nicht müde, in schwülstigen Huldigungen für Napoleon und in knechtischer Liebedienerei sich zu ergehen. Im Frühjahr 1806 ernannte er den Oheim Napoleons, den Kardinal Fesch, zum Koadjutor und zum Nachfolger im deutschen Erzkanzleramt. Im Sommer 1806 wirkte der deutsche Erzkanzler für die Begründung des Rheinbundes. Mit diesem erlosch die Reichskanzlerwürde, und D. empfing den Rang und Titel als souverainer Fürst-Primas des Rheinbundes mit dem Vorsitz in der Bundesversammlung; zugleich wurden seine Besitzungen durch die bisherige Reichsstadt Frankfurt und die Löwensteinschen Gebiete am rechten Mainufer vergrößert. Für das Fürstentum Regensburg, das er 1810 an Bayern abtrat, erhielt er den größten Teil der Fürstentümer Fulda und Hanau. Auch wurde er 1810 von Napoleon zum Großherzog von Frankfurt ernannt und mußte nun auf des Kaisers Befehl dessen Stiefsohn, den Prinzen Eugen Beauharnais, zu seinem Regierungsnachfolger annehmen; die Verwaltung und Rechtsprechung wurden im Großherzogtum Frankfurt nach franz. Muster umgestaltet. 1813 aber sah sich D. genötigt, auf alle seine Besitzungen als Landesherr zu verzichten. Er zog sich ins Privatleben zurück, indem er nur seine geistlichen Gerechtsame als Erzbischof von Regensburg sich vorbehielt, in welcher Stadt er von nun an wohnte. Dort starb er 10. Febr. 1817.

D. war als Gelehrter und als Regent gleich achtungswert, überall hinterließ er Spuren seiner nach den verschiedensten Seiten hin gemeinnützigen Thätigkeit; jedoch mangelte ihm bei seiner rationalistisch-kosmopolit. Anschauung jegliche Charakterfestigkeit und wahrhaft patriotische Gesinnung. Von seinen Schriften sind zu nennen: «Betrachtungen über das Universum» (Mannh. 1805), «Grundsätze der Ästhetik» (Erfurt 1791), «Von dem Bewußtsein als allgemeinem Grunde der Weltweisheit» (ebd. 1793), «Von dem Einflusse der schönen Wissenschaften und Künste in Beziehung auf öffentliche Ruhe» (ebd. 1793), «Perikles, über den Einfluß der schönen Künste auf das öffentliche Glück» (Gotha 1807), «Über den Frieden der Kirche in den rhein. Bundesstaaten» (Regensb. 1810). Auch der «Deutsche Merkur», das «Deutsche Museum», «Die Horen» enthalten manchen schätzbaren Aufsatz von ihm. Seine Lieblingswissenschaften waren außer der Kunstphilosophie und Litteratur die Mathematik, Physik, Chemie, Botanik und Mineralogie. – Vgl. Beaulieu-Marconnay, Karl von D. und seine Zeit (2 Bde., Weim. 1879).

Dalberg-Acton, engl. Peer aus der Familie Acton (s. d.).

Dalbergĭa L., Pflanzengattung aus der Familie der Leguminosen (s. d.), Abteilung der Papilionaceen, mit gegen 60 in den Tropen Amerikas, Asiens und Afrikas wachsenden Arten; es sind Bäume oder kletternde strauchartige Gewächse mit zahlreichen kleinen, rötlich oder weiß gefärbten Blüten und unpaarig gefiederten Blättern. Von einigen Arten dient das Holz zu Drechslerarbeiten und in der Tischlerei, besonders von den ostind. D. latifolia Roxb. und D. sissoo Roxb. D. melanoxylon Perot. aus Westafrika liefert das sog. Ebenholz vom Senegal. ^[Spaltenwechsel]

Dalbosee, schwed. Dalbo-Sjön, Name des an Dalsland (s. d.) stoßenden südwestl. Teils des schwed. Wenersees, wird durch die Halbinseln Wermlandsnäs und Källand von dem eigentlichen Wenersee getrennt.

Dalburg, s. Dalberg (Geschlecht).

Dalekarlĭen, schwed. Dalarna (Dalarne), Landschaft im mittlern Schweden, bildet jetzt das Kopparbergs- oder Falu-Län, ist rauh und gebirgig, aber reich an malerischen Gegenden, wird von der Dalelf durchströmt und hat (nach Strelbitskij) 30040,8 qkm, davon 1788,9 qkm Seen, und (1890) 197452 E. D. wird begrenzt im N. von Helsingland und Herjedalen, im W. von Norwegen und Wermland, im S. von Wermland, Örebro und Westmanland, im O. von Gestriksland und Helsingland. Der Ackerbau ist, da sich nur 15 Proz. des festen Bodens dazu eignen, im größten Teile des Landes unzureichend, die Viehzucht dagegen durch zahlreiche Wiesen begünstigt. Die Wälder bedecken 70 Proz. des festen Landes und ergeben ein reiches Erträgnis, sodaß mehrere Gemeinden ihr Kommunalvermögen nach Millionen Kronen berechnen. Der Bergbau liefert reiche Ausbeute an Eisen, Kupfer (besonders bei Falun) und Schwefel, auch etwas Gold und Silber wird gewonnen. Von Fabrikanlagen sind hervorzuheben: Kupfer- und Eisenwerke, Sägemühlen, Papierfabriken, Pulvermühlen u. s. w. Die Dalekarlier zeichnen sich durch Genügsamkeit, Fleiß, Ehrlichkeit und Freiheitsliebe, aber auch durch Eigensinn und starres Festhalten am Althergebrachten aus. Daher werden die uralten, eigentümlichen Volkstrachten, für die einzelnen Kirchspiele wechselnd, noch heute von der Mehrzahl beibehalten. An ihrer Tapferkeit brachen sich wiederholt die gegen Schwedens Freiheit und Unabhängigkeit gerichteten Angriffe, so namentlich als Christian Ⅱ. von Dänemark den schwed. Thron bestiegen hatte. Deshalb genießen auch die Dalekarlier noch immer eines bedeutenden Ansehens. Da der karge Boden seine Bewohner nur spärlich nährt, so wandern viele derselben nach andern Gegenden Schwedens aus, kehren aber, wenn sie etwas erworben, fast immer wieder in ihre Heimat zurück. Außer den drei Städten des Landes, Falun (Sitz des Landeshauptmanns), Hedemora und Säter, sind die Flecken Avesta am Dalelf, Ludwika am See Weßmann und Smedjebacken am See Nord-Barken bemerkenswert. Letzterer steht durch den 1795 eröffneten und 1840‒60 erweiterten, schönen Strömsholmskanal mit dem Mälarsee in Verbindung. Von Eisenbahnen hat D. 372 km.

Dalelf, der Hauptfluß der schwed. Landschaft Dalekarlien (s. d.), entsteht aus den zwei Quellflüssen Ost- und West-Dalelf, von je 240 km Länge auf dem norweg. Grenzgebirge; im untern Laufe, wo die D. teilweise die Grenze zwischen Svealand und Norrland bildet, erweitert sich der Strom zu großen Seen; er fällt nach einem Lauf von 420 km etwas südlich von Gefle in den Bottnischen Meerbusen, nachdem er kurz vorher den prachtvollen Wasserfall bei Elfkarleby (s. d.) gebildet hat. Sein Stromgebiet ist etwa 31900 qkm groß.

D’Alembert (spr. dalangbähr), Jean le Rond, s. Alembert.