Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Damást; Damastes; Damastpapier; Damaststahl; Damăsus

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Damast – Damasus

Zoba Hilfe geleistet hatte, unterjocht. Doch schon unter Salomo machte es sich vom Reiche Juda unabhängig, dem es später im Kampfe gegen Israel beistand. Der König Hasael, Zeitgenosse der Propheten Elia und Elisa, hob durch viele Eroberungszüge D. auf den höchsten Gipfel polit. Größe. Doch schon sein Sohn Benhadad Ⅲ. wurde Israel tributpflichtig. Eine nochmalige Erhebung um 800 v. Chr. hatte den völligen Untergang des damascenischen Reichs zur Folge. Die Stadt behielt indes auch unter der Herrschaft Assyriens, Babyloniens und Persiens nicht geringe Bedeutung durch ihren Handel. Nach dem Siege Alexanders d. Gr. bei Issus (333) geriet es mit Syrien in dessen Gewalt und nach seinem Tode unter die Herrschaft der Seleuciden, welche ihre Residenz nach Antiochien verlegten. Um 111, bei der Teilung des seleucidisch-syr. Königreichs wurde D. eine Zeit lang der Sitz des Königs Antiochus Kyzikenos. Nach mancherlei innern syr. Unruhen kam die Stadt 64 durch Pompejus in die Gewalt der Römer, die sie durch eigene Könige regieren ließen, und unter denen sie von neuem aufblühte. Später wurde D. der Sitz eines Bischofs und dem Oströmischen Reiche einverleibt, 635 n. Chr. von den Mohammedanern erobert. Moawija, der Stammvater der Omajjaden, verlegte die Residenz des Chalifats von Medina hierher, und seine Nachkommen residierten von 660 bis 750 daselbst, bis die Abbasiden die Residenz des Reichs nach Mesopotamien verlegten. D. wurde hierauf durch Statthalter verwaltet, von denen mehrere ein eigenes Sultanat begründeten. So ward es der Sitz der Tuluniden im 9., der Fatimiden im 10., der Seldschuken im 11. Jahrh. Heftige Kämpfe wurden auch während der Kreuzzüge um den Besitz der Stadt geführt. 1154 von Nureddin erobert und mit Haleb und Ägypten vereinigt, kam D. nach Nureddins Tode (1174) in die Gewalt Saladins, der hier 4. März 1193 starb. Nach Saladins Tode teilte D. meist gleiches Los mit Haleb und Ägypten. Am 24. März 1401 wurde die Stadt von den Mongolen unter Timur erobert und verbrannt, wegen ihrer wichtigen Lage für den Handel des Orients aber von neuem aufgebaut. Später waren die Mamluken als Herrscher Ägyptens auch Herren von D., bis es 4. Okt. 1516 Sultan Selim Ⅰ. eroberte. Am 15. Juni 1832 besetzte es Mehemed-Ali durch seinen Sohn Ibrahim Pascha und erhielt es 1833 mit Syrien und Palästina von der Pforte abgetreten, mußte es aber 1840 wieder zurückgeben. D. war 1860 der Schauplatz einer furchtbaren Niedermetzelung der Christen durch die Drusen, welche vom 9. bis 16. Juli dauerte. (S. Syrien.) – Vgl. Bremer, Mittelsyrien und D. (Wien 1853); ders., Topographie von D. (ebd. 1854); Porter, Five years in D. (2. Aufl., Lond. 1870); Macintosh, D. and its people (ebd. 1882).

Damást (frz. damas, engl. damask), eins der schönsten Erzeugnisse der Kunstweberei, ursprünglich ein mit Figuren (meist Blumen) auf Atlasgrund durchwirktes, einfarbiges Seidengewebe, dessen Herstellungsart nach einigen von den Babyloniern, nach andern von den Einwohnern der Stadt Damaskus erfunden sein soll, jetzt ein auch aus Leinen, Baumwolle und Wolle größtenteils mit Hilfe der Jacquardmaschine verfertigter, ein- oder mehrfarbiger Stoff mit großen Mustern von mannigfaltiger Zeichnung (Blumen, Arabesken, Tiergruppen, Landschaften u. s. w.). Das Gewebe ist durchweg ein fünf- bis achtbindiger, in den feinsten Sorten selbst zwölfbindiger Köper oder Atlas. Als die rechte Seite gilt diejenige, auf welcher die Figurbindung effektvoller ist als die Grundbindung. Die größte Mannigfaltigkeit mit Rücksicht auf Muster, Feinheit, Breite zeigt der leinene D., der gegenwärtig fast nur noch abgepaßt, d. h. nach bestimmtem Maß mit Einfassung, Mittelstück und Eckstücken gearbeitet, zu Tafeltüchern, Servietten und Handtüchern verwendet wird. Derselbe ist ganz weiß, indem das Muster auf der einen Seite glänzend in mattem Grund, auf der andern matt in glänzendem Grunde erscheint, oder weiß und gelblich (naturfarbig), indem die Figur auf der einen Seite hell in dunklerm Grunde, auf der andern dunkel in hellerm Grunde erscheint. Weißer baumwollener D. dient als wohlfeiler Ersatz des leinenen zu Tischzeug u. s. w. Damascierte Gewebe, d. h. mit damastartigen Mustern versehene Köpergewebe aus Wolle und Baumwolle (Woll- und Baumwolldamast), werden als Kleider- sowie als Möbelstoffe (Möbeldamast) oder auch zu Vorhängen verarbeitet. Beim halbwollenen D. besteht gewöhnlich der Einschlag aus Wolle, die Kette aus zweifädig gezwirntem Baumwollgarn. Damastartige kleingemusterte Stoffe kommen unter dem Namen Halbdamast (Gebild) vor; Doppeldamast ist ein in der Art des D., aber als Doppelgewebe (s. d.) gearbeiteter Stoff. – In Europa waren es zuerst die Italiener und Holländer, die den Seidendamast nach orient. Vorbildern webten; noch im 17. Jahrh. wurde derselbe nur aus Italien, besonders aus Genua, bezogen. Die Franzosen folgten jedoch bald nach und übertreffen jetzt in dieser Art der Weberei selbst die Italiener; auch in England und Ostindien sowie in Österreich (Wien) wird guter Seidendamast verfertigt. In Deutschland wird derselbe vorzüglich von Berlin, Krefeld und Lechhausen bei Augsburg geliefert. Die Leinendamastweberei blüht namentlich in Groß-Schönau, Löbau, Zittau in Sachsen; Schmiedeberg, Warendorf, Bielefeld und Salzwedel in Preußen; Neuhaus und Sommerhausen in Bayern; Mühlburg in Baden und Warnsdorf und Haida in Böhmen. Wollene und baumwollene D. liefern besonders Sachsen und England. – Vgl. E. Kumsch, Leinendamastmuster des 17. und 18. Jahrh. (Dresd. 1890). ^[Spaltenwechsel]

Damást, Zeichnung der Damascenerklingen (s. d. und Damascieren).

Damastes, s. Prokrustes.

Damastpapier, ein weißes oder gefärbtes Velinpapier, das durch Prägung oder Aufdrucken mit den bei leinenen Damastgeweben vorkommenden Mustern versehen und zu Tafeltüchern, Vorhängen, Bucheinbänden u. s. w. benutzt wird.

Damaststahl, s. Damascieren und Eisenerzeugung.

Damăsus, zwei Päpste.

D. Ⅰ. (366‒384), aus Portugal gebürtig, ward von einem Teile des röm. Klerus zum Bischof erhoben, während die Gegner den Ursinus (s. d.) wählten. Nach einem heftigen Straßenkampf blieb D. Sieger. Er verdammte auf einer röm. Synode 368 die arianischen Bischöfe Valens und Ursacius und war bemüht um Erhaltung und Wiederherstellung der altchristl. Gräber und Grabdenkmäler in den Katakomben; auch veranlaßte er den Hieronymus zur Abfassung der sog. Vulgata. Nach seinem Tode wurde er heilig gesprochen; Tag: 11. Dez. Eine Übersetzung der Briefe des D. gab Wenzlowsky, Briefe der Päpste, Bd. 2 (in der «Bibliothek der Kirchenväter», Kempten, 1876), heraus. Seine Werke