Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dampfschiffahrt

14) Nach Britisch-Senegambien: Von Liverpool nach Bathurst in 13 Tagen, jeden 3. Sonnabend (British and African Steam Ship Company).

15) Nach Fernando Po, Axim: Von Liverpool nach Fernando Po in 30 Tagen, jeden 2. Sonnabend (African Steam Ship Company und British and African Steam Navigation Company).

16) Nach den portugiesischen Kolonien in Westafrika: Von Lissabon nach St. Vincent in 6, nach Principe in 17, nach Loanda in 25 Tagen, zweimal monatlich (Empresa Nacional).

17) Nach Nordafrika, Tunis, Tripolis und Marokko: a. Von Genua nach Tunis in 2½ Tagen, Donnerstag (Società Florio e Comp.); b. von Livorno nach Tunis in 2¼, nach Tripolis in 7 Tagen, Freitag (Società Rubattino); c. von Marseille nach Algier in 1, nach Tunis in 2 Tagen, Montag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend (Compagnie Générale Transatlantique); nach Tanger in 6 Tagen, jeden 2. Dienstag (Compagnie Générale Transatlantique); nach Tanger in 6, nach Mogador in 11 Tagen, am 7. und 22. jeden Monats (Compagnie Paquet).

F. Nach Australien.

1) Nach Victoria, Süd und Westaustralien, Tasmanien, Neusüdwales, Queensland (Brisbane), Neuseeland, Neucaledonien: a. Von Bremerhaven nach Adelaide in 50, nach Melbourne in 52, nach Sydney in 55 Tagen, jeden 4. Mittwoch (Norddeutscher Lloyd); nach King George’s-Sund in 29, nach Adelaide in 33, nach Melbourne in 34 (Anschluß nach Wellington 48), nach Sydney in 36, nach Brisbane in 37 Tagen, jeden 2. Sonntag (Peninsular and Oriental Steam Navigation Company); b von Hamburg nach Adelaide in 46, nach Melbourne in 50, nach Sydney in 54 Tagen, jeden 3. Freitag (Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft); c. von Marseille durch den Sueskanal nach Port de France (Neucaledonien) in 44 Tagen (Messageries maritimes nationales); d. von London, abwechselnd durch den Sueskanal und über Kap der Guten Hoffnung, nach Adelaide in 42, nach Melbourne in 45, nach Sydney in 49 Tagen, jeden 2. Sonnabend (Oriental Line).

2) Nach Neu-Guinea: a. Von Genua nach Finschhafen in 60 Tagen, am 16. jeden zweiten Monats (Sunda-Linie von Hamburg nach Surabaja und von dort mit Schiffen der Neuguinea-Compagnie); b. von Singapur nach Friedrich-Wilhelm-Hafen in 17, Finschhafen in 21, Herbertshöh in 23 Tagen, jeden 8. Donnerstag, Anschluß an die Linie D 3 a (Norddeutscher Lloyd).

Auch indirekt hat die Entwicklung der D. zur Verbesserung und Beschleunigung des überseeischen Verkehrs beigetragen. Schon im 17. und 18. Jahrh. hatten die Engländer versucht, eine schnellere Verbindung mit Ostindien, als solche der beschwerliche, 12000 Seemeilen lange Weg um das Kap der Guten Hoffnung ermöglichte, zu erzielen, indem sie vom Persischen Meerbusen aus nach Indien den Karawanenweg durch das Euphratthal einschlugen. Doch war dieser Weg nicht lebensfähig. Oberst Capper und Colonel Taylor gelang es (1801) wenigstens für die ind. Post einen kürzern Weg über die Landenge von Sues zu eröffnen. Von London ging die brit.-ind. Post (Überlandpost, s. d.) über Land nach Triest, von da nach Alexandrien, wobei Lieutenant Waghorn (1832) durch seine berühmten Schnellfahrten sich hervorthat, dann über Land nach Sues, von wo aus die Einschiffung nach Bombay erfolgte. Aber erst nach dem Aufkommen und der Ausdehnung der D. konnte der geniale Franzose Ferdinand von Lesseps den großartigen Plan der Durchstechung der Landenge von Sues fassen und zur Ausführung bringen, wodurch Süd- und Ostasien, Ostafrika und Australien Europa um ein Bedeutendes näher gerückt sind, und wodurch der Verkehr mit diesen Ländern einen ungeahnten Aufschwung erfahren hat. Die neuerdings im Sueskanal eingeführten Verbesserungen, namentlich die Möglichkeit, ihn unter Benutzung elektrischen Lichts auch bei Nacht zu befahren, haben dahin geführt, daß die Hauptposten direkt mit denselben Schiffen durch den Kanal befördert werden. Nach Fertigstellung der Canad. Pacific-Eisenbahn hat übrigens England mittels der an diese anschließenden Linie von Vancouver nach China eine zweite Verbindung mit Asien hergestellt, hauptsächlich um für den Fall einer Sperrung des Weges durch Ägypten nicht von Indien abgeschlossen zu sein. Eine ähnliche Wirkung, wie der Sueskanal für die gedachten Länder, würde, wenn auch wohl nicht in gleichem Umfange, die ebenfalls von Lesseps unternommene Durchstechung der Landenge von Panama, hauptsächlich für die Westküste Amerikas, gehabt haben. Durch den nach Aufwendung von fast 1500 Mill. Frs. 1888 erfolgten Zusammenbruch des Unternehmens sind aber die Arbeiten unterbrochen worden, und es ist noch ganz ungewiß, ob die Bestrebungen zur Vollendung des jedenfalls unrentabeln Kanals, deren Kosten mindestens auf weitere 1500 Mill. Frs. veranschlagt sind, von Erfolg sein werden. ^[Spaltenwechsel]

Ganz außerordentliche Fortschritte hat die Schiffsbaukunst besonders in der letzten Zeit bei den für den Personenverkehr dienenden Schiffen in Bezug auf Größe, Schnelligkeit und Einrichtung derselben gemacht. Es sind schwimmende Paläste, welche an glänzender Ausstattung und Bequemlichkeit den größten festländischen Gasthöfen nicht nachstehen. Außer den bequem eingerichteten Kabinen, Badezimmern u. s. w. finden sich auf ihnen Damenzimmer, Musik-, Rauchzimmer, prächtige Speisesäle; eine Schiffskapelle sorgt für Unterhaltung der Gäste. Wie der Bau dieser prachtvollen, mehrere Millionen Mark kostenden Schiffe erst durch den gesteigerten Passagierverkehr möglich geworden ist, so haben umgekehrt dieselben wiederum zur Belebung jenes beigetragen. Immer häufiger werden weite Seereisen um ihrer selbst willen, zum Vergnügen und zur Erholung gemacht, ja seit mehrern Jahren hat die «Paketfahrt» angefangen, mit vier ihrer Schnelldampfer in jedem Winter mehrmonatige Vergnügungsreisen nach dem Mittelländischen Meere zu unternehmen, und dafür lebhafte Beteiligung gefunden. Namentlich seit Anfang des vorigen Jahrzehnts suchten sich die verschiedenen Neuyorker Linien mit ihren Schnelldampfern zu überbieten; die neueste, wichtige Verbesserung stellen seit 1889 von einigen Linien eingeführte Doppelschrauben-Schnelldampfer dar, welche, mit zwei vollständig getrennten Maschinen versehen, auch bei Beschädigung einer derselben ihre volle Manövrierfähigkeit behalten, und daher eine erhöhte Sicherheit bieten. Die gegenwärtig schnellsten Schiffe, der auf dem Vulkan zu Stettin gebaute «Fürst Bismarck» der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrt, «Majestic» und «Teutonic» der White-Star-Linie zu Liverpool,