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De Bay – Debraux
Auguste Hyacinthe D., Bruder des vorigen, Maler und Bildhauer, geb. 2. April 1804 zu Nantes, war Schüler seines Vaters und von Gros, erhielt bereits 1823 den großen Preis mit: Aigisthos an der Leiche der Klytämnestra, und ging darauf zu seiner weitern Ausbildung nach Rom. 1830 nach Frankreich zurückgekehrt, entwickelte er sowohl auf dem Gebiete der Malerei als dem der Plastik eine außerordentliche Thätigkeit. Von seinen Gemälden sind hervorzuheben: Lucretia auf dem: Forum (Museum in Nantes), die Kinder des Greisen, Freiwilligenaushebung in Paris, das Kolossalbild: Zusammenkunft Franz’ Ⅰ. von Frankreich und des Königs von England, das sog. Camp du Drap d’or, 7. Juni 1520 (1837; Museum zu Versailles), Spaziergang Sixtus’ Ⅴ., Schlacht von Dreux im J. 1562, Erstürmung der Höhen von Rivoli durch die franz. Truppen unter General Joubert, 1797 (Museum zu Versailles). Nicht minder vortrefflich sind seine plastischen Arbeiten: das Grabdenkmal des Pariser Erzbischofs Affre (gest. 1848) in Notre-Dame zu Paris, die Statuen des Baumeisters Perrault und des Malers Claude Lorrain im Louvre, das Mausoleum des Grafen Damas. Sein bekanntestes Werk ist: Die erste Wiege (1855; Medaille erster Klasse). Ferner schuf er: Die Auferstehung Christi, im Giebelfeld der Kirche St. Etienne du Mont, und die Skulpturen an der prächtigen Fontäne St. Michel in Paris. Er starb 14. März 1805 in Paris.
De Bay, Michael, s. Bajus.
Dēbet (lat.), in der Mehrheit Debent, d. i. Soll und Sollen, wird in der Buchhaltung häufig die linke Blattseite eines Contos (s. d.) benannt und überschrieben, auf welcher die Beträge verzeichnet sind, womit dasselbe belastet wird. Debitieren (frz. débiter) heißt also im kaufmännischen Rechnungswesen belasten, zur Last schreiben.
Debilität (lat.), Schwäche.
Debīr, s. Allerheiligstes. – D. ist auch Name einer westlich von Hebron liegenden Stadt.
Debit (frz., spr. -bih), im Warenkleinverkehr soviel wie Vertrieb, Ausschank oder Verschleiß. Auch in dem Sinne von Konzession, ausschließlichem Verkaufsrecht monopolisierter Handelsartikel wird D. zuweilen gebraucht. Besonders für das Ausland überträgt der Produzent den D. seiner Artikel häufig einer bestimmten Person oder Firma. Eine wichtige Art des D. ist der Postdebit (s. d.). Im Buch- und Zeitungshandel findet ein dem Postdebit ähnliches Verfahren statt, indem der Verleger, welcher nicht mit dem Buchhandel im Verkehr steht, den Vertrieb gegen Entschädigung einem Buchhändler überträgt.
Debitieren, vertreiben, verschleißen (s. Debit); belasten (s. Debet).
Debitkommissionen, von den vormaligen deutschen Reichsgerichten in Schuldensachen der Reichsstände ernannte und mit Untersuchung des Vermögensbestandes, gütlicher Verhandlung und Administration des Konkurses beauftragte Kommissionen.
Debitmasse, soviel wie Konkursmasse.
Debĭtor (lat.), Schuldner.
Debĭtum (lat.), Schuld.
Debitverfahren, früher in einzelnen Teilen Deutschlands soviel wie Konkursverfahren (s. d.).
Deblockieren (frz.), die Blockade eines Platzes aufheben, ihn entsetzen. – Im Eisenbahnwesen, s. Blocksignalsystem und Central-Weichen- und Signal-Stellvorrichtungen. ^[Spaltenwechsel]
Debo, See im Reiche Massina in Nordwestafrika, liegt etwa 250 km südwestlich von Timbuktu in 15° 40′ nördl. Br. Von Süden her tritt der Niger mit zwei Armen in ihn ein, von denen der westliche, geringere, Diaka heißt. Zwischen beiden erstreckt sich in einer Ausdehnung von 200 km die Insel Burgu, eine Provinz Massinas. Dem Nordende des Sees entströmt der Niger als «weißer» und «schwarzer» Fluß, die 150 km lange Insel Dschimbala umschließend.
De Boni, Filippo, ital. Schriftsteller, geb. 7. Aug. 1816 zu Caupo bei Feltre, verließ den geistlichen Stand und wurde zunächst Hauslehrer in Venedig und Florenz. 1846 mußte er nach der Schweiz fliehen, wo er republikanische Flugschriften herausgab. 1848/49 war er Mitarbeiter der von Mazzini gegründeten «Italia del popolo», später Gesandter der Republik Rom in der Schweiz. Er kehrte 1859 in sein Vaterland zurück und trat 1860 ins Parlament, wo er stets der Linken angehörte. D. starb 7. Nov. 1870 zu Florenz. Von seinen Schriften sind zu nennen: «Gli Eccelini e gli Estensi» (3 Bde., Vened. 1841), «Voci dell’ anima» (Lausanne 1846), «Storia dei fatti delle Romagne» (1847), «Domenico Veneziano e Andrea del Castagno», Drama (Turin 1851), «La chiesa romana e l’ Italia» (Mail. 1863), «L’ inquisizione e i Calabro-Valdesi» (ebd. 1864), «Ragione e dogma» (Siena 1864).
De bonne grâce (frz., spr. bonn grahß), mit Freundlichkeit, bereitwillig.
Debōra (d. i. Biene), eine Seherin, an die sich die älteste histor. Erinnerung an einen Kampf israel. Stämme gegen die Kanaaniter des nördl. Westjordanlandes knüpft. Sie rief im Namen des Volksgottes Jahwe die Stämme gegen den in der Kischonebene herrschenden und den Zusammenhang der nördlich und südlich von dieser Ebene wohnenden israel. Stämme bedrohenden Kanaaniterkönig Sisera auf. Ihr Ruf riß die Stämme Issaschar, Sebulon, Naphtali, Manasse, Ephraim und Benjamin mit fort. Unter Führung des wie D. aus Issaschar stammenden Häuptlings Barak schlugen diese Sisera am Bache Kischon. D. scheint wie die Seherinnen der alten Germanen bei der Schlacht zugegen gewesen und die Streitenden durch ihre Lieder zum Kampfe angespornt zu haben. Dieses Ereignis besingt das Lied der D. (Richter 5), das älteste Denkmal hebr. Sprache. Eine jüngere, viel Irrtümliches enthaltende Darstellung findet sich Richter, Kap. 4.
Debordieren (frz.), überlaufen (von Gewässern, der Galle u. s. w.); auch ausschweifen; im militär. Sinne: den Gegner überflügeln; Debordement (spr. -bordmáng), Überschwemmung.
Débouché (frz., spr. -buscheh), der nach der feindlichen Seite zu gelegene Ausgang aus einem Engpasse oder Engnisse. Debouchieren, aus dem Engpasse (Engnisse) heraus sich entwickeln (von einer Truppenabteilung oder Armee).
Deboursieren (frz., spr. -burß-), Geldauslagen machen, vorschießen; Deboursement (spr. -burßmáng). Geldauslage, Vorschuß.
Debraux (spr. -broh), Paul Emile, franz. Liederdichter, geb. 30. Aug. 1796 zu Ancerville (Meuse), war seit 1816 an der Bibliothek der mediz. Fakultät zu Paris angestellt, gab aber diesen Posten auf, um unabhängig der Litteratur zu leben. Wie Béranger griff er die Restauration heftig an und frischte die Erinnerungen des Kaiserreichs auf; ferner besang er Wein, Liebe und Landleben. Sein