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Deidesheim – Deïphobos
Deidesheim, Stadt im Bezirksamt Neustadt des bayr. Reg.-Bez. Pfalz, 7 km südlich von Dürkheim, an der Hardt und der Linie Monsheim-Neustadt der Pfälz. Eisenbahnen, einer der wohlhabendsten Orte der Pfalz, hat (1890) 2807 E., darunter 290 Evangelische und 57 Israeliten, Post, Telegraph, eine kath. und eine prot. Kirche (1875), Latein-, höhere Mädchenschule, landwirtschaftliche Fortbildungsschule, Filiale der Niederbronner Schwestern, reich dotiertes Hospital; bedeutenden Wein- und Obstbau. Einige der Keller gehören zu den größten in Deutschland. Der in günstigen Lagen gewachsene Deidesheimer, ein edler, weißer Wein, ist nächst dem Forster der vorzüglichste der Pfälzer Weine. Die besten Lagen sind Grain, Kränzler, Kalkofen und Kißelberg.
Deïfizieren (lat.), vergöttern; Deïfikation, Vergötterung.
Dei gratĭa (lat.), s. Gottes Gnaden.
Deiker, Hans, Maler, geb. 27. Mai 1822 zu Wetzlar, war anfangs als Schüler von Jakob Becker in Frankfurt a. M. Bildnismaler, trat dann in die Dienste des Fürsten zu Solms-Braunfels, auf dessen Gütern er den Wald und dessen Tierleben zum Gegenstande seiner Studien machte. Er behandelte in seinen Gemälden alle jagdbaren Tiere des deutschen Waldes, zugleich mit feiner Beobachtung des Landschaftlichen. Seit 1868 lebt D. in Düsseldorf. – Sein Bruder, Karl Friedrich D., geb. 3. April 1836 zu Wetzlar, schloß sich der gleichen Kunstrichtung an. Er war seit 1858 Schüler Schirmers in Karlsruhe und siedelte 1864 nach Düsseldorf über, wo er 19. März 1892 starb. Auch er hat seine Stoffe fast ausschließlich dem Leben des Jägers und seiner Tierwelt entnommen und mit großer Lebendigkeit in Sauhatzen (ein Bild, 1870, im Museum zu Köln), Hirschkämpfen u. s. w. dargestellt.
Deilephĭla, eine Gattung der Schwärmer (s. d.).
Deime, ein bei Tapiau in 1 m Höhe vom Pregel nach N. zum Kurischen Haff abgehender Arm, 41,5 km lang und 1,5 m tief, wurde 1405 durch den Deutschen Orden schiffbar gemacht.
Deimos, in der griech. Sage ein Dämon der Furcht, gepaart mit Phobos, dem Schrecken; sie gelten als die Söhne und Diener des Kriegsgottes Ares. D. heißt auch der äußere Marsmond.
Deinarchos, s. Dinarchus.
Deinhard, Karl August, deutscher Viceadmiral, geb. 2. Febr. 1842 zu London, trat 1856 in die preuß. Marine ein, wurde 1808 Kapitänlieutenant, 1874 Korvettenkapitän. Als Kommandant der Kreuzerfregatte Bismarck (1878‒80) stellte er die Ruhe auf den Samoa-Inseln her und setzte Malietoa Ⅰ. als König ein. 1880 zum Kapitän zur See befördert, befehligte D. später verschiedene Panzerschiffe, wurde 1887 Konteradmiral und später Inspecteur der 2. Marine-Inspektion. Als Chef des Kreuzergeschwaders leitete er 1888 die Blockade in Ostafrika; unter seinem Befehl wurden von den Geschwadermannschaften 10 siegreiche Landungsgefechte, sowie der Sturm auf Bagamojo 22. Sept. 1888 ausgeführt. 1890 erhielt D. den Oberbefehl über die Manöverflotte, 1891 wurde er Viceadmiral, 1892 Chef der Marinestation der Nordsee. Er starb 4. Okt. 1892 in Wilhelmshaven.
Deinhardstein, Joh. Ludw., Dramatiker, geb. 21. Juni 1794 zu Wien, studierte daselbst die Rechte, wurde Aktuar beim Kriminalsenat, widmete sich dann klassischen und ästhetischen Studien und erhielt 1827 die Lehrkanzel der Ästhetik an der Theresianischen Ritterakademie in seiner Vaterstadt. 1832‒41 war er Vicedirektor des Hofburgtheaters, dann Referent für Censursachen und 1829‒49 Herausgeber der Wiener «Jahrbücher der Litteratur». Er starb 12. Juli 1859 zu Wien. D.s zahlreiche Theaterstücke, meist ohne großen poet. Gehalt und tiefere Charakteristik, gefielen durch ihre Gemütlichkeit, gefällige Sprache und geschicktes bühnengerechtes Arrangement. Mit seinen «Künstlerdramen» (2 Bde., Lpz. 1845) ward er der Begründer dieses Genre. Unter seinen in den «Gesammelten dramat. Werken» (7 Bde., ebd. 1848‒57) enthaltenen Schauspielen haben «Hans Sachs» (1829) und «Garrick in Bristol» (1832) den meisten Beifall gefunden. ^[Spaltenwechsel]
Deinīt, ein neuer Sprengstoff der Fabrik Griesheim bei Frankfurt a. M., besteht aus Pikrinsäure und Trinitrotoluol und eignet sich besonders zu Geschoßladungen.
Deino (d. i. die Furchtbare), in der griech. Sage eine der Graien (s. d.).
Deinokrătes, s. Dinokrates.
Deinsen, rückwärts gehen (vom Schiff).
De intĕgro (lat.), von neuem.
Deïŏkes (medisch Dayaukku), nach Herodot der Gründer der medischen Dynastie, die 150 Jahre (699‒550) Medien regiert haben soll, bis die Perser unter Cyrus der medischen Herrschaft ein Ende machten. Der Aussage des Herodot gemäß machte D., des Phraortes Sohn, sich unter seinen verwilderten und gesetzlosen Landsleuten, die kurz vorher das assyr. Joch abgeschüttelt hatten, durch seine richterliche Befähigung bekannt; diese benutzte er, sich zum König wählen zu lassen. Er schuf eine Armee und baute die Hauptstadt Ekbatana (s. d.), die er mit sieben Mauern umgab. Er verschloß sich dann in seinem Palaste, führte höfisches Ceremoniell ein und ließ Recht sprechen durch Befehle und Regeln, die er aufstellte. Er soll dann nach 53jähriger Regierung gestorben sein und seinem Sohne Phraortes das Reich hinterlassen haben. Nach dieser Angabe fällt seine Regierung von 699 bis 646 v. Chr. In assyr. Inschriften jedoch wird Dayaukku schon 715 v. Chr. als Häuptling eines kleinen medischen Stammes erwähnt, der gegen die Assyrer sich empörte, von ihnen gefangen genommen wurde, aber bald wieder (vor 713) die Herrschaft in seinem Fürstentum erlangte. Der Gründer des medischen Reichs war nach einer Inschrift Asarhaddons nicht D., sondern Mamitiarsu; da aber D. der Ahnherr der spätern medischen Dynastie war, und seine Kämpfe mit den Assyrern sich tief in das Volksbewußtsein eingeprägt hatten, wies die spätere Sage ihm, mit Übergehung Mamitiarsus, die Einigung Mediens zu. – Vgl. Prášek, Medien und das Haus des Kyaxares (Berl. 1890).
Deiopeia ornātrix W. V., s. Bärspinner.
Deïphŏbe, die Tochter des Glaukos, bei Virgil Name der cumäischen Sibylle (s. d.), welche als die mit Sehergabe erfüllte Priesterin des Apollo und der Trivia in einer bei dem Apollotempel in der Nähe von Cumä gelegenen Höhle ihren Sitz hatte. Durch eine andere Höhle beim Avernussee führte sie den Äneas in die Unterwelt. D. soll dem König Tarquinius die Sibyllinischen Bücher verkauft haben.
Deïphŏbos, ein Sohn des Priamos und der Hekabe, war nächst Hektor einer der tapfersten Trojaner und wurde nach dem Tode des Paris Gatte der Helena. Sein Haus wurde bei der Eroberung von Troja zuerst von Menelaos und Odysseus aufgesucht, er selbst von ersterm getötet. Nach Virgil