Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

776

Eierland – Eierstock

Störche, Kormorane und Steißfüße. Die Zahl fünf ist als normale bei der größten Menge der Singvögel anzusehen, doch steigt dieselbe nicht selten auf sechs, manchmal sogar auf sieben bis acht. Gelege von acht bis zwölf Eiern finden sich bei den Meisen und Goldhähnchen, bei Rallen und Enten und bei den Hühnern steigt die Gelegezahl bis auf 20 und 24.

Eierland, s. Texel.

Eieröl (Oleum ovorum), ein früher offizinelles Präparat, erhalten durch Auspressen des Dotters von hart gekochten Hühnereiern, stellt eine gelbe ölige Flüssigkeit dar und besteht zum größten Teil aus Palmitin und Oleïn, nebst Cholesterin und gelbem Farbstoff; wird leicht ranzig; man verwendet es in der Sämischgerberei; 1 kg kostet 20 M.

Eierpflanze, s. Solanum.

Eierpflaumen, s. Pflaumenbaum.

Eierpunsch, warmes Getränk aus Weißwein, den man mit zerquirlten Eiern, Citronensaft und etwas Arrak über dem Feuer schaumig schlägt.

Eierschalenporzellan (engl. egg-shells), sehr dünnes, durchscheinendes chines. und japan. Porzellan.

Eierschwamm, Gelbling, Gelbmännel, Gehlchen, Pfefferling, Pfifferling, (Cantharellus cibarius Fr.), ein Pilz aus der Familie der Hymenomyceten (s. d.), einer der wohlschmeckendsten und zuträglichsten Speiseschwämme. Er ist dottergelb, kahl, etwas fettig anzufühlen, sein Hut ausgeschweift wellig, mit dem Saume abwärts gebogen, oft trichterförmig vertieft, auf der untern Fläche mit faltenartigen Lamellen, von denen die größern vom Stocke am Strunke herablaufen, bis 8 cm im Durchmesser. (S. Tafel Pilze Ⅰ: Eßbare Pilze, Fig. 7.) Dieser Pilz wird aus Waldgegenden häufig auf den Markt gebracht, hält sich längere Zeit in unveränderter Güte und wird nicht leicht von Insekten angegangen. Ebensowenig leicht kann er mit andern giftigen Schwämmen verwechselt werden, höchstens mit dem verdächtigen Cantharellus aurantiacus Fr., dessen Hut aber eine dunklere, matte, filzige Oberfläche hat. Auch der Kaiserling (s. d.) wird E. genannt.

Eierspiegel, Instrument zur Beurteilung der Frische der Eier. Er besteht aus einem kastenförmigen Behälter ohne Boden, der in der Mitte durch eine horizontale Scheidewand geteilt ist. In dieser Scheidewand befindet sich ein kreisförmiger Ausschnitt, in den das zu untersuchende Ei mit der Spitze abwärts gerichtet gestellt wird. Blickt man durch die obere Öffnung des Kastens und richtet die untere gegen ein brennendes Licht, so erscheint ein frisches Ei gleichmäßig hell durchscheinend, während ein bebrütetes, in dem der Embryo schon entwickelt ist, mehr oder weniger dunkel oder fleckig erscheint.

Eierstab, ein aus der antiken Baukunst in die Renaissance übernommenes vielfach verwendetes Glied zum Schmuck der Gesimse (s. vorstehende Figur).

^[Abb.]

Eierstock (Ovarium), derjenige Teil des pflanzlichen und tierischen Organismus, in welchem die zur Fortpflanzung der Art dienenden Eier sich entwickeln. Der Bau dieses Organs ist natürlich bei den verschiedenen Pflanzen- und Tierklassen ein außerordentlich verschiedener. Bei den Pflanzen und bei manchen niedern Tieren verbleibt das Ei auch nach seiner Befruchtung im E. und wird in demselben mehr oder weniger weit entwickelt; so stellt z. B. der Apfel ein nach der Befruchtung weiter entwickeltes Ovarium dar, in welchem die befruchteten Eier als Samenkerne liegen. Bei den höhern Tieren dagegen verlassen die Eier entweder schon vor oder nach der Befruchtung den E. und durchlaufen die weitern Stadien ihrer Entwicklung entweder ganz außerhalb des mütterlichen Organismus oder in einem eigenartigen Organ des mütterlichen Körpers, der sog. Gebärmutter (s. d.). ^[Spaltenwechsel]

Bei den Säugetieren und den Menschen sind die E. zwei eiförmige, drüsenähnliche, im kleinen Becken rechts und links von der Gebärmutter liegende, nur dem weiblichen Geschlecht eigene Organe, welche durch einen sehnigen Strang, das Eierstockband, mit dem obern Teil der Gebärmutter verbunden und in eine nach der Seitenwand des kleinen Beckens zu verlaufende Falte des Bauchfells, in die sog. breiten Mutterbänder, eingehüllt sind. Beim geschlechtsreifen menschlichen Weibe besitzt jeder der beiden E. im gesunden Zustande Größe und Form einer etwas plattgedrückten Pflaume; ihre Farbe ist weiß oder rötlichweiß, ihr Gewicht zusammengenommen 10‒15 g. Äußerlich ist jeder E. von einer derben, faserigen (fibrösen) und einer glatten (serösen) Haut überzogen; im Innern besteht sein Gewebe aus einem gefäßreichen, von organischen Muskelfasern durchsetzten Bindegewebe, in welchem sich zur Zeit der Geschlechtsreife zahlreiche größere und kleinere Gebilde bis zum Umfange einer Erbse oder kleinen Kirsche vorfinden, die mit einer klaren, wasserhellen Flüssigkeit erfüllt sind. Diese Bläschen heißen nach ihrem Entdecker, dem Anatomen Regner de Graaf, die Graafschen Bläschen oder Follikel (Folliculi Graafiani) und stellen Eikapseln dar, innerhalb deren sich das eigentliche Ei (s. d.) bildet. Sie sind schon im E. des neugeborenen Mädchens vorhanden, jedoch noch sehr klein und unentwickelt; erst zur Zeit der Geschlechtsreife wachsen sie beträchtlich und treten immer mehr an die Oberfläche des E. hervor. Ihre Menge ist eine außerordentlich große; nach den Berechnungen von Henle und Waldeyer besitzt ein menschlicher E. in der ersten Zeit der Geschlechtsreife etwa 36000 Eier, sodaß auf beide E. 72000 Eier kommen; die große Mehrzahl derselben verfällt aber dem Verkümmern, und nur wenige reifen zu voller Ausbildung heran. Von Zeit zu Zeit löst sich ein solches Ei nach Durchbrechung seiner Hüllen aus seinem Bläschen los und tritt in die trichterförmigen Enden der Eileiter über, durch welche es in die Gebärmutterhöhle gelangt. Zur Erleichterung dieses Vorgangs ist der E. des zeugungsfähigen Weibchens periodisch (beim Menschen während der Menstruation, bei Tieren während der Brunft) einer heftigen Blutanhäufung ausgesetzt, welche nach Art einer Entzündung an der Stelle, wo ein reifes Ei liegt, die genannten Hüllen des E. erweicht und schmilzt, bis sie den Durchbruch des Eies gestatten. An der geplatzten Stelle bleibt der offene Graafsche Follikel, welcher durch Verfärbung des ergossenen Blutes ein gelbliches Aussehen annimmt und deshalb gelber Körper (Corpus luteum) heißt, zurück und heilt darauf nach Art einer vernarbenden Wunde. Gegen die Mitte oder das Ende der vierziger Jahre hört die