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Eikern – Eilers
Hoyer von Falkenstein, aus der ursprünglich gewählten lat. Fassung ins Niederdeutsche übertrug, Schöffe zu Salbke an der Elbe. Aus den beiden kernigen Vorreden in Reimen, deren wirksame Bilder sich noch Goethe im Wertherkampf zu nutze machte, lernt man den selbständigen, bedeutenden, zugleich von Bescheidenheit erfüllten Mann, der den vergrabenen Schatz des alten Rechts allen zugänglich machen möchte, ebenso vorteilhaft kennen, wie aus dem zugleich frommen und freiheitlichen, patriotischen und kaiserl. Standpunkt seines Werkes. – Dagegen ist die sog. Repkowische Chronik oder Sachsenchronik eine nüchterne Weltchronik in niederdeutscher Sprache, die um 1237 erschienen, anfangs bis 1225, später bis 1248 reichte (hg. von Weiland in Bd. 2 der Deutschen Chroniken [Monumenta Germaniae historica], Hannov. 1877), sicher die Arbeit eines Geistlichen, also nicht E.s, der höchstens die gereimte Vorrede verfaßte; die Chronik wurde später fortgesetzt, ins Lateinische übersetzt und viel benutzt. – Vgl. Weiland in den «Forschungen zur deutschen Geschichte», Bd. 13 u. 14 (Gött. 1873‒74).
Eikern (Pronucleus), s. Befruchtung (Bd. 2, S. 630 b).
Eikōn (grch., «Bild»), in der griech.-kath. Kirche die Bezeichnung für Heiligenbild. Die Mehrzahl Eikones (lat. Icones) ist im 16. Jahrh. der Name für Sammlungen von Porträten berühmter Männer, die mit lat. oder gereimten deutschen Lobsprüchen begleitet wurden. Auch Fischart (s. d.) hat Eikones gedichtet und sogar Papstporträte mit seinen Versen begleitet («Accuratae effigies Pontificum», Straßb. 1573); der berühmteste Sammler von Eikones war N. Reusner (s. d.).
Eikonogēn, amido-β-naphtholmonosulfosaures Natron, eine Substanz, die, mit Natriumsulfit und Soda in Wasser gelöst, als Entwickler in der Photographie benutzt wird.
Eiland, s. Inseln.
Eilau, s. Eylau.
Eilbeck, Vorort von Hamburg (s. d.).
Eileiter, s. Gebärmutter.
Eileithyĭa (lat. Ilithyia), in der griech. Mythologie die Geburtsgöttin. Homer spricht sowohl von der einen E., als von E. in der Mehrzahl. Er nennt dieselben Töchter der Hera, wie E. auch sonst heißt. Auch erscheint E. als bloßes Attribut der Hera selbst oder der Artemis, da beide ebenfalls Göttinnen der Entbindung sind. Als ihr Vater wird Zeus, als ihr Sohn Eros genannt. Als Attribut führt sie eine Fackel, was ebenso wie ihre Bedeutung als Geburtsgöttin darauf hinweist, daß sie als Mondgöttin zu betrachten ist (s. Hera). Sie findet sich auf Vasen mit Darstellungen der Athenegeburt.
Eilenburg, Stadt im Kreis Delitzsch des preuß. Reg.-Bez. Merseburg, 23 km im SO. von Delitzsch, in 96 m Höhe, etwa zu zwei Dritteilen auf einer Insel der Mulde gelegen, an den Linien Halle-Cottbus und Leipzig-E. (23,6 km) der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 12447 (6236 männl., 6211 weibl.) E., darunter 297 Katholiken und 37 Israeliten, Postamt erster Klasse, Telegraph, Amtsgericht (Landgericht Torgau), Steueramt, Darlehnsbank, städtische Sparkasse, städtisches Krankenhaus, drei Kirchen, Rathaus (16. Jahrh.), Realprogymnasium, Bürgerschule; Fabrikation von Chemikalien, Celluloid, Tuch, Kattun, Piqué, Webösen, Cigarren, landwirtschaftlichen Maschinen, Eisengießereien, Mehl- und Schneidemühlen, Bierbrauereien und Kunstgärtnereien. In der Nähe die Eisengießerei Erwinhof. E. ist Geburtsort des Kirchenliederdichters Martin Rinkart und des Komponisten Franz Abt, deren Gedächtnistafeln sich am Archidiakonat und am Pfarrgebäude der Bergkirche befinden. – E. hat seinen Namen von dem westlich der Stadt gelegenen Schlosse erhalten, welches unter dem Namen Ilburg schon unter Heinrich Ⅰ. als wichtiger Grenzpunkt gegen die Sorben und Wenden und als Sitz der Grafen von Ilburg (jetzt Grafen von Eulenburg) genannt wird. Später kam es an die Grafen von Wettin, von diesen an die Markgrafen von Meißen. Durch Verpfändung kam die Burg 1370 an Böhmen, dessen König Wenzel sie dem böhm. Edelmann Andreas von der Duba zu Lehn gab. In einem hierdurch entstandenen Kriege wurde die Burg 24. Juni 1386 von Bischof Heinrich von Merseburg, der Ansprüche auf den Besitz machte, erobert und zerstört. E. kam 1396 durch Kauf an die Markgrafen von Meißen und blieb in sächs. Besitz, bis es 1815 an Preußen fiel. – Vgl. Gundermann, Chronik der Stadt E. (Eilenb. 1879).
^[Abb. Wappen] ^[Spaltenwechsel]
Eilendorf, Dorf im preuß. Reg.-Bez. und Landkreis Aachen, 5 km östlich von Aachen, hat (1890) 5010 kath. E., Postagentur, Fernsprechverbindung, Pferdebahn zur Stadt Stolberg, Wasserleitung; Kalkbrennerei und Holzhandel. Nahebei Galmei- und Bleigruben und der Fabrikort Atsch mit einer chem. Fabrik (Aktiengesellschaft Rhenania), einer Glashütte, zwei Fabriken feuerfester Steine und einer Kunstdüngerfabrik.
Eilers, Gerd, preuß. Pädagog und Staatsmann, geb. 31. Jan. 1788 zu Grabstede in Oldenburg, studierte zu Heidelberg und Göttingen Theologie, wurde dann Lehrer an der Hauptschule in Bremen, 1819 Direktor des Gymnasiums in Kreuznach, 1833 Schul- und Regierungsrat in Koblenz und 1844 Rat im preuß. Kultusministerium. Hier galt er bald als die rechte Hand des Ministers Eichhorn und wurde mit diesem 1848 entlassen. Er gründete hierauf eine Erziehungsanstalt zu Freyimfelde bei Halle, die er 1857 aufgab, und starb 4. Mai 1863 zu Saarbrücken. E. schrieb ein wertvolles Memoirenwerk: «Meine Wanderung durchs Leben» (6 Bde., Lpz. 1856‒61), außerdem «Zur Beurteilung des Ministeriums Eichhorn» (anonym, Berl. 1849) und «Betrachtungen und Urteile des Generals E. L. von Aster über die polit., kirchlichen und pädagogischen Parteibewegungen unsers Jahrhunderts» (2 Bde., Saarbr. 1858‒59).
Eilers, Gustav, Kupferstecher, geb. 28. Juli 1834 in Königsberg, Schüler von Trossin, lebt seit 1863 in Berlin. Hier entstanden, besonders seit 1870, eine Reihe Blätter, wie Tizians Zinsgroschen, Porträt des Georg Gyze von Holbein dem Jüngern (Berliner Museum) 1879, der Goldschmied Morett nach demselben (Dresdener Galerie) 1882, Bildnis einer Dame nach van Dyck (Casseler Galerie) 1886, die heil. Cäcilie nach Rubens (Berliner Museum) 1890; alles dies in Kupferstich. Nach neuern Malern hat er Werke von Kaulbach, Knaus, Sohn u. a. gestochen. Auch als Radierer hat er sich versucht (Bildnisse Kaiser Wilhelms Ⅱ., des Prinzen Heinrich von Preußen, Menzels, Joachims). In Berlin begründete er den Verein für Originalradierung. Er wurde