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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Einschienenbahnen

auf der die mit beiderseitigen Spurkränzen (s. Betriebsmittel, Bd. 2, S. 904 a) versehenen Wagenräder der Fahrzeuge laufen. Da Leitschienen ursprünglich nicht vorhanden waren, mußte der Schwerpunkt der sattelartigen Fahrzeuge ziemlich tief gelegt werden, damit die Fahrzeuge bei ungleicher Belastung der beiden Hälften sich nicht zu schief gegen die Bahn stellten. Später brachte man zur Erhaltung des Gleichgewichts noch vier Rollen an, die sich auf zwei Parallelleitungen bewegten. Eine 10,5 km lange Einschienenbahn wurde z. B. zur Ausbeutung der Minen von Ria (Ostpyrenäen) ausgeführt und wird durch Elektricität betrieben.

Im Laufe der Zeit wurden die Lartigueschen E. so weit vervollkommnet, daß sie gegenwärtig geeignet erscheinen, den Personen- und Güterverkehr von Nebenbahnen zu vermitteln. Irland besitzt eine derartige Einschienenbahn, die zwischen Listowel und dem Seebad Ballybunnion (Grafschaft Kerry) an Stelle einer andern vom Parlament bereits genehmigten Bahn ausgeführt wurde. Die Länge der Linie zwischen beiden Orten ist 15 km; eine Fortsetzung über Ballybunnion hinaus dem Strande entlang dient zur Ausbeutung von Sandlagern. Der kleinste Krümmungshalbmesser beträgt 25 m, die größte Steigung 1:50 (auf 640 m Länge). Die Gestalt der Böcke zeigt die beistehende Fig. 1. Der ganze Oberbau ist aus Stahl und wiegt 47 kg auf 1 m Länge. Als Weichen benutzt man Drehscheiben (s. Eisenbahnbau, S. 841) von 5 bis 6 m Durchmesser. An Betriebsmitteln sind vorhanden: drei Verbund-Lokomotiven (Fig. 2) mit drei gekuppelten Rädern und zwei wagerechten, in den Achsen 1,6 m voneinander entfernten Kesseln und einem Tender, der eine kleine Hilfsmaschine besitzt, bei Steigungen also als Lokomotive wirkt. Die Lokomotiven haben ein Leergewicht von 4,5 t und ein Dienstgewicht von 6,5 t; ein Tender wiegt leer 3,1 t und kann 900 t Wasser und 500 kg Kohlen aufnehmen. Die Bahn besitzt ferner an Betriebsmitteln drei Personenwagen Ⅰ./Ⅱ. Klasse und vier Wagen Ⅲ. Klasse, 4,9 m lang, 2,5 m breit und 2,7 t schwer; sie bieten 20‒24 Fahrgästen Platz und haben drei Haupträder von 51 cm Durchmesser und an jeder Seite zwei Leiträder von 30 cm Durchmesser und 12 cm Kranzhöhe. Die Züge sind mit der Westinghouse-Bremse (s. Eisenbahnbremsen) ausgerüstet. Beistehende Fig. 3 stellt einen Wagen im Durchschnitt, Fig. 4 einen Zug der Listowel-Ballybunnion-Eisenbahn dar. Die Züge verkehren mit einer Geschwindigkeit von 21 km in der Stunde, bei Probefahrten wurden Geschwindigkeiten bis zu 35 km erzielt. Außer verschiedenen Güterwagen sind noch 20 Sandwagen für je 4 t Nutzlast vorhanden.

^[Abb. Fig. 1.]

^[Abb. Fig. 2.]

^[Abb. Fig. 3.]

^[Abb. Fig. 4.]

Die Lartigueschen E. eignen sich besonders für welliges Gelände, da bei ihrer Anordnung bedeutend an Erdarbeiten gespart werden kann. In einem Falle wurde der Preis einer Bahnlinie, die als Schmalspurbahn 120000 M. für das Kilometer gekostet haben würde, durch Anwendung des Lartigueschen Systems auf 48000 M. ermäßigt. Im ebenen Gelände wird sich die Anlage von Lartigueschen Bahnen dagegen nicht empfehlen, da die Unmöglichkeit, feste Übergänge in der Höhe der Fahrbahn zu schaffen, die Bewirtschaftung der angrenzenden Ländereien bedeutend erschwert und infolgedessen die Grundentschädigung sich sehr hoch stellen würde, während an Erdarbeiten gegenüber einer gewöhnlichen Schmalspurbahn nur wenig oder nichts erspart wird. Andererseits macht sich der Umstand, daß der Bahnkörper auf ebenem Boden eine fortlaufende nahezu 1 m hohe Schranke bildet, für den Betrieb der Bahnhöfe in lästiger Weise geltend; man hat deshalb als Aushilfsmittel besondere Wagen bauen müssen, um für die Überschreitung der Gleise verstellbare Treppen zu schaffen. Die «Lartiguesche Eisenbahnbau-Gesellschaft» in London hat ferner den Bau einer Linie von Listowel nach Tarbert (23 km) bewirkt und die Bauerlaubnis für weitere 61 km, die Lynton-Bahn (Devonshire) und die Langbourne-Thal-Bahn (Berkshire), erworben. Außerdem sind von ihr Entwürfe ausgearbeitet worden, um Nebenbahnen der zu erbauenden Pariser Stadtbahn in den volkreichen, aber weniger feinen Stadtteilen (als Hochbahnen) herzustellen. Der Betrieb soll elektrisch auf in sich zurückkehrenden Ringlinien stattfinden, sodaß der Zug stets in derselben Richtung verkehrt. Ein- und Aussteigen soll wie bei kleinen Flußdampfern durch Brücken erfolgen, so- ^[folgende Seite]