Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Galipidīn; Galipīn; Galipot; Gälisch; Galitsch; Galitzenstein; Galītzin; Galĭum; Galizĭen

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Galipidin – Galizien

Galipidīn, C₁₉H₁₉NO₃, Alkaloid der Angosturarinde (s. d.), bildet leichte, länglich rhombische weiße Krystalle vom Schmelzpunkt 111°.

Galipīn, C₂₀H₂₀NO₃, Alkaloid der Angosturarinde (s. d.), bildet feine, seidenglänzende Nadeln vom Schmelzpunkt 115,5°.

Galipot (frz., spr. -poh), s. Fichtenharz.

Gälisch (engl. gaelic) oder goidelisch (altirisch goidelg, jetzt gaoidhealg), weniger richtig gaëlisch oder gadhelisch, nennt man im weitern Sinne den Zweig des kelt. Sprachstammes, der durch die Dialekte Irlands, des schott. Hochlandes, der Insel Man und der nördl. Inseln im Westen von Schottland vertreten ist (s. Keltische Sprachen). Die zu diesem Zweige gehörenden Kelten heißen Gälen (altirischer Nominativ des Singulars Goidel, Goedel). Im engern Sinne bezeichnet G. die kelt. Mundarten des schott. Hochlandes; sie werden auch ersisch (engl. erse, eigentlich «irisch») genannt; gälisch Redende in diesem Sinne gab es (nach einer Schätzung von 1883) in Schottland etwa 300000, dazu 8000 in England, Wales und Irland. Ihr ältestes Denkmal, ein paar Sätze im «Book of Deir» aus dem 9. Jahrh. (hg. von W. Stokes, «Goidelica», 2. Ausg., Lond. 1872), weicht nur wenig vom Altirischen ab; auch jetzt noch steht ihnen der irische Dialekt von Ulster sehr nahe. Einen großen Teil der gälischen Litteratur bilden Übersetzungen kirchlicher Schriften, deren Sprache sich in älterer Zeit eng an die irische Schriftsprache anschließt. Eine beträchtliche Anzahl älterer Gedichte wurde im Beginn des 16. Jahrh. von James Macgregor, Dekan von Lismore, in engl. Orthographie aufgezeichnet (eine Auswahl hg. von Skene, «The dean of Lismore’s book», Edinb. 1862, mit Übertragung ins Neugälische und ins Englische von McLauchlan). Das Vorhandensein längerer epischer Dichtungen bezeugen damals der Humanist Johnston (um 1520) und G. Buchanan (s. d.) 1580. Unter den neuern Dichtern der Hochschotten sind außer James Macpherson (s. d.) die namhaftesten: Alexander McDonald, der Sänger des Aufstandes von 1745, der religiöse Dichter Dugald Buchanan (geb. 1716), Duncan McIntire oder Ban (geb. 1724, «Poems», Glasg. 1834), der das Leben der Hirsche und Rehe schilderte, und Robert Mackay, genannt Rob Donn («Poems», Inverneß 1829), der die Schönheit der Mädchen besang. Auch später hat es nicht an Dichtern in der heimatlichen Mundart gefehlt; Vgl. Blackie, The language and literature of the Scottish Highlands (Edinb. 1876). Die Märchen und Sagen der Gälen hat Campbell gesammelt («Popular tales of the West Highlands», 4 Bde., Edinb. 1860‒62); derselbe hat auch die epischen Gedichte, die auf der altirischen Heldensage fußen (s. Find MacCumaill und Ossian), zusammengestellt («Leabhar na Feinne», Bd. 1, Lond. 1872). Eine Grammatik der Sprache haben Stewart (Edinb. 1801, 1812), Forbes (Lond. 1843, 1845), Munro (2. Aufl., Edinb. 1843); Wörterbücher Armstrong (ebd. 1825), die Highland Society (2 Bde., ebd. 1828), Macleod und Dewar (2 Bde., Lond. 1845; neue Aufl. 1853), McAlpine (7. Aufl., Edinb. 1877) geliefert. – Vgl. Atkins, T. de Courcy, The Kelt or Gael. His ethnography, geography and philology (Lond. 1893).

Galitsch. 1) Kreis im westl. Teil des russ. Gouvernements Kostroma, eben, im N. und O. mit einigen Höhenzügen, Lehm- und Sandboden, hat 4812,2 qkm, 108258 E., Ackerbau, einige Hausindustrie und Fabriken. – 2) Kreisstadt im Kreis G., südlich am fischreichen See G. (77,3 qkm), der von der zum Wolgasystem gehörigen Weksa durchflossen wird, hat (1888) 4523 E., Post, Telegraph, Reste alter Befestigungen, 15 Kirchen, 2 Banken, Gartenbau und Fischerei. Letztere beschäftigt gegen 400 Personen und giebt einen jährlichen Ertrag von 40000 Rubel. Die früher bedeutende Sämischgerberei und Handschuhfabrikation sind zurückgegangen. ^[Spaltenwechsel]

Galitzenstein, Bezeichnung für verschiedene Vitriole. Blauer G. ist Kupfervitriol (s. Kupfersulfat), grüner G. Eisenvitriol (s. Eisensulfate), weißer G. Zinkvitriol (s. Zinksulfat).

Galītzin, russ. Familie, s. Golizyn.

Galĭum, Pflanzengattung aus der Familie der Rubiaceen (s. d.) mit gegen 200 zum größten Teil in den gemäßigten Zonen, hier aber sehr verbreiteten Arten. Es sind der Mehrzahl nach Kräuter, zum kleinern Teil Halbsträucher. Sie besitzen quirlständige (zu 4, 6, 8‒12 um die Knoten des Stengels gestellte), ganze Blätter und kleine, meist weiße, selten gelbe oder rote Blüten, gewöhnlich in gabelteilige, oft rispig gruppierte Trugdolden geordnet, seltener einzeln oder büschelig in den Blattwinkeln stehend. Die deutschen Arten wachsen meist auf Wiesen und in Hecken und heißen Labkraut. Ein Unkraut auf bebautem Boden mit langen, vierkantigen, scharfen Stengeln und scharfrandigen Blättern ist das Klebkraut, G. aparine L. Diese Kräuter, besonders das echte Labkraut (G. verum L.), machen die Milch gerinnen (s. Lab). In England benutzt man die Blüten dieser auch in Deutschland auf Sandboden häufig wachsenden gelbblühenden Art bei Bereitung des Chesterkäses. Früher waren sowohl G. verum als auch andere Arten, wie G. mollugo L., offizinell.

Galizĭen, Kronland der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, zu Cisleithanien gehörig, umfaßt die Königreiche G. und Lodomerien, die Herzogtümer Auschwitz und Zator und das Großherzogtum Krakau, grenzt im N. an Rußland (Polen), im O. an Rußland (Volhynien und Podolien) und die Bukowina, im S. an die Bukowina und Ungarn, im W. an Österreichisch- und Preußisch-Schlesien und hat einen Flächenraum von 78501,73 qkm, d. i. 26,1 Proz. der österr. Reichshälfte. (Vgl. Karte Ungarn und Galizien zum Artikel Ungarn.)

Oberflächengestaltung. Das Land ist eine hohe Terrasse am nördl. Fuße der Karpaten (s. d.), die sich in einem großen Bogen von der schles. bis an die siebenbürg. Grenze hinziehen und ein 22‒30 km landeinwärts reichendes Bergland bilden, dann in ein fruchtbares Hügelland, zum Teil auch in Hochebenen und an den Flußufern zu sandigen Niederungen übergehen. Den nördl. Teil bildet eine ausgedehnte Ebene, die nur von niedrigen Hügelreihen und der zum uralisch-karpatischen Landrücken gehörigen Podolischen Höhe, einer wellenförmigen Hochfläche mit tief eingefurchten Flußthälern, unterbrochen wird. G. hat viele wasserreiche Flüsse, die im W. dem Weichsel-, im O. dem Donau- und Dnjestrgebiet angehören. In die Weichsel, welche bei Krakau schiffbar wird und dann die Nordwestgrenze bildet, fließen die Biala, Sola, Skawa, Skawina, Raba, der schiffbare Dunajec, die Wisloka, der schiffbare San von den Karpaten und der Bug vom Lemberger Plateau her. Der Dnjestr, welcher in einem galiz. Karpatenzweige entspringt