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Gummiwäsche – Gummosis
Körper vulkanisiert und bildet nun nach dem Herausnehmen aus der Form eine vollkommene Kugel. Beim Abkühlen verdichtet sich das doppeltkohlensaure Ammonium wieder zu einem festen Körper, und der Ball wird durch den äußern Luftdruck schlaff. Um ihm wieder die Kugelform zu geben, pumpt man mittels einer bis zur Spitze hohlen Nadel, die mit einer Luftpumpe in Verbindung steht, atmosphärische Luft unter ziemlich starkem Druck in das Innere des Balles, und zwar sticht man die Nadel in den Ball an der Stelle, an welcher sich im Innern der Pfropfen aus reinem Gummi befindet, welche Stelle man sehr leicht von außen fühlen kann. Ist der Ball straff aufgeblasen, so wird die Nadel herausgezogen und das seine Loch durch etwas Gummikitt verschlossen. Die Bälle erhalten meistens dann noch eine Verzierung durch Bemalen, Bedrucken u. s. w. Auf ähnliche Weise werden die Gummifiguren, wie Puppen, Tiere u. dgl., hergestellt.
Ein wichtiger Fabrikationszweig ist auch die Herstellung der Gummischuhe. Dieselben werden über eisernen Leisten gemacht, indem man einzelne, nach einer Schablone ausgeschnittene Stücke über diese Leisten legt und zusammenklebt. Die Sohle, die fast immer geriefelt ist, wird auf besondern Kalandern hergestellt. Die Vulkanisation findet auf den Leisten statt, und zwar nicht in Kesseln mittels Dampf, sondern in gemauerten Räumen durch erhitzte Luft. Besonderes Augenmerk hat man auf den Lack zu richten. Derselbe muß tiefschwarz sein und darf später nicht grau werden.
Wasserdichte Stoffe, wie sie in großem Maßstabe zu Regenmänteln, Taucheranzügen, Wagendecken und ferner als Unterlagen in den Krankenhäusern u. s. w. gebraucht werden, stellt man auf den erwähnten Spreadingsmaschinen aus Gummilösung her. Die Stoffe werden auf der Spreadingsmaschine mit der Gummilösung, die verschieden gefärbt sein kann (bei Regenmänteln ist sie in der Regel schwarz und bei dem sog. Hospitaltuch weiß), überzogen, und zwar kommen verschiedene Lagen von Gummi darauf, bis die erforderliche Stärke der Gummischicht erreicht ist. Man vulkanisiert diese Stoffe sowohl auf kaltem als auf warmem Wege. Ersteres geschieht mit den bekannten Mischungen von Chlorschwefel und Schwefelkohlenstoff, und letzteres entweder mit erhitzter Luft in denselben Räumen, in denen man die Gummischuhe vulkanisiert, oder, auf eiserne Trommeln gewickelt, in Kesseln mittels Dampf.
Einen besondern Fabrikationszweig bildet die Herstellung der Patentgummiwaren. Als Rohmaterial dienen hierzu die oben beschriebenen Patentgummiplatten. Man stellt hauptsächlich chirurg. Artikel, ferner die schwarzen Kindersauger und die schwarzen sog. Patentschläuche in diesen Fabriken her. Die Fabrikation selbst ist eine verhältnismäßig einfache. Dieselbe beruht vor allen Dingen darauf, daß frische Schnittflächen von Patentplatten durch einfaches Zusammendrücken sich fest vereinigen wie Eisen in der Schweißhitze. So stellt man die Patentgummischläuche auf die Weise dar, daß man einen Streifen aus Patentplatte, dessen Breite dem Umfange des Schlauchs entspricht, durch eine Leere hindurchzieht und so die beiden Kanten vereinigt. Bei manchen Artikeln, wo es auf eine größere Festigkeit der Naht ankommt, klopft man dieselben noch auf einem kleinen Amboß mittels eines Hammers. Dies geschieht z. B. bei den Schweißblättern sowie bei den aus Patentgummi hergestellten gefärbten Ballons, die, mit Wasserstoff gefüllt, als Spielzeug und zu Reklamezwecken dienen. Die Vulkanisation der Patentgummiwaren geschieht meistens nach der Methode von Parkes, oft auch, namentlich in Frankreich, nach der Methode von Hancock. ^[Spaltenwechsel]
Das Hartgummi oder hornisierte Gummi oder Ebonit, eine Erfindung von Goodyear, unterscheidet sich von dem Weichgummi durch den bei weitem größern Schwefelgehalt. Derselbe beträgt ungefähr das Dreifache wie beim Weichgummi. Daher wird das Hartgummi bei weitem länger vulkanisiert (und zwar in mit Dampf geheizten Kesseln) als Weichgummi. Das Hartgummi, das mehr die Eigenschaften des Horns besitzt, hat eine schwarze Farbe und erhält durch Polieren einen sehr hohen Glanz. In der Wärme wird es biegsam. Man stellt aus dem Hartgummi die verschiedensten Gegenstände wie aus dem Horn dar, namentlich Kämme, Schmucksachen, Stäbe und Röhren für elektrische Zwecke.
Die Verarbeitung von Guttapercha (s. d.) und Balata (s. d.) ist von der des Kautschuk nicht wesentlich abweichend. Die G. hat ihre Hauptsitze in Großbritannien, Frankreich und Deutschland, demnächst in Österreich; in andern Ländern kommt sie nur vereinzelt vor. In Deutschland wurden an roher Guttapercha und Kautschuk 1892 allein 46924 Doppelcentner im Werte von 28154000 M. eingeführt, dagegen an Gummiwaren aller Art 31508 Doppelcentner im Werte von 21678000 M. ausgeführt. – Vgl. Heinzerling, Fabrikation der Kautschuk- und Guttaperchawaren (Braunschw. 1883); Hoffer, Kautschuk und Guttapercha (2. Aufl., Wien 1892).
Gummiwäsche, richtiger Celluloid- oder Lithoidwäsche, Wäsche, die aus einer Einlage von starkem Shirting und einem Überzuge von Celluloid besteht, der in Form von dünnen Platten auf den Shirting gebracht und mit diesem mittels heißer Pressung unlöslich verbunden wird. Die Wäsche bekommt dann eine die Textur feiner Leinwand genau wiedergebende Prägung, wird auf der Polierscheibe geschliffen und poliert und endlich an erwärmten Apparaten in die Formen gebogen, in denen sie als fertiges Fabrikat in den Handel kommt. Für das Auge unterscheidet sich die G. nur wenig von feiner Leinenwäsche; im Gebrauch aber beruht ihr wesentlichster Vorzug vor jeder andern Wäsche in ihrer absoluten Wasserdichtigkeit, die es dem, der sie trägt, ermöglicht, sie in wenigen Minuten selbst zu reinigen und sofort wieder gebrauchsfähig zu machen. Die Wäsche bewahrt auch bis zu vollständiger Abnutzung ihre gute Form und ihre Farbe, letztere allerdings nur dann, wenn sie nach jedesmaligem Gebrauch gereinigt wird, da andauernde Einwirkung von Schweiß den Stoff gelb färbt. Eine minderwertige Qualität wird jetzt vielfach nur aus Celluloid, ohne Shirtingeinlage, gemacht und als G. verkauft. Zum Waschen jeder G. bedient man sich am besten lauwarmen oder kalten, nicht heißen Wassers und einer bimssteinhaltigen Seife, wie sie von jeder Gummiwäschefabrik mit der G. in den Handel gebracht wird; doch genügt auch jede andere Seife. Zur Schonung der Knopflöcher empfiehlt sich der Gebrauch sog. Mechanikknöpfe.
Gummōsis oder Gummifluß, eine krankhafte Erscheinung, die sehr häufig an Obstbäumen, besonders am Steinobst, wie an Kirsch-, Pflaumen-, Aprikosenbäumen u. s. w., auftritt und darin besteht, daß größere Mengen von Gummi an die Ober- ^[folgende Seite]