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Gummiwarenfabrikation
Weise möglich ist, und deshalb wird diese Methode meistenteils zur Herstellung der Platten für die Gummifäden (s. unten) angewendet.
Aus den nach einer dieser drei Methoden erhaltenen Gummiplatten werden nun die verschiedenartigsten Artikel, meistens durch Handarbeit hergestellt. Bevor sie aber in den Handel kommen, haben sie alle einen Prozeß, die Vulkanisation, durchzumachen, der erst ihre große Gebrauchsfähigkeit bedingt und ihnen die Eigenschaft verleiht, die man eben an den Gummiwaren so hochschätzt. Die Vulkanisation besteht darin, daß man das mechanisch mit Schwefel gemischte Gummi auf eine Temperatur von 130 bis 140° C. erhitzt. Bei dieser Temperatur findet eine chem. Einwirkung des Schwefels auf den Kautschuk statt, und es bildet sich das vulkanisierte Gummi, ein Körper, der ganz andere Eigenschaften hat als das unvulkanisierte Gummi. Namentlich ist es innerhalb sehr großer Temperaturgrenzen elastisch, während das unvulkanisierte Gummi bei 0° hart wie Holz wird und bei höherer Temperatur erweicht. Sodann löst sich vulkanisiertes Gummi in den Lösungsmitteln, in denen sich das unvulkanisierte Gummi auflöst, wie Benzol, Äther, Terpentin u. s. w., nicht mehr. Die Vulkanisation wurde fast gleichzeitig zu Anfang der vierziger Jahre von Goodyear in Amerika und Hancock in England entdeckt. Goodyear erhitzte mit Schwefel gemischtes Kautschuk entweder im Wasser oder im Luftbade auf eine Temperatur von 130 bis 140° C., während Hancock die Gummiwaren in ein Bad von geschmolzenem Schwefel eintauchte. Eine dritte Art der Vulkanisation wurde etwas später von Parkes entdeckt. Dieselbe besteht darin, daß man die Gegenstände in ein Gemisch von Chlorschwefel und Schwefelkohlenstoff kurze Zeit eintaucht. Alle drei Methoden werden beute noch angewandt, am häufigsten die von Goodyear. Das Vulkanisieren geschieht meistens in mit Dampf geheizten Kesseln oder unter sog. Dampfpressen. Es sind dies große Pressen, deren Unter- und Oberteil hohl sind und mit Dampf erwärmt werden können. Da bei der Vulkanisation das Gummi erweicht, so schließt man es, damit es seine Form behält, entweder in metallenen Formen ein oder aber man wickelt es fest in feuchte Stoffe, die man nach der Vulkanisation wieder entfernt.
Einer der wichtigsten technischen Gummiartikel sind die Gummischläuche. Schläuche ohne Einlagen, wie sie namentlich zum Leiten, von Gas und zu chirurg. Instrumenten gebraucht werden, fertigt man in besondern sog. Gasschlauchmaschinen an. Es ist dies ein eiserner Cylinder, der durch Dampf erwärmt werden kann, in welchem sich eine Spindel bewegt. Diese preßt das Kautschuk aus dem Mundstück, in welchem man einen Dorn, der der innern Weite des Schlauchs entspricht, befestigt hat, heraus. Auf diese Weise werden auch Gummischnüre ohne Einlagen hergestellt. Schläuche mit Einlagen, wie sie in großen Mengen zu Wasserleitungszwecken, ferner in den Brauereien und Zuckerfabriken und zum Pumpen von Wasser u. s. w. verwendet werden, fertigt man auf folgende Weise: Man legt um einen metallenen Dorn, welcher der lichten Weite, die der Schlauch haben soll, entspricht, zunächst eine Schicht von reinem Gummi. Über diese Schicht kommen, entsprechend der Stärke, die der Schlauch haben soll, und entsprechend dem Druck, welchen dieser Schlauch später aushalten soll, Lagen von baumwollenen und Leinengeweben. Diese Gewebe sind entweder auf dem Kalander oder auf der Spreadingsmaschine vorher gummiert, sodaß sie fest sich mit der Gummischicht und untereinander verbinden. Außen wird nochmals eine Lage Reingummi aufgegeben. Behufs der Vulkanisation umwickelt man die Schläuche mit angefeuchteten baumwollenen Stoffen und bringt sie samt dem Metalldorn auf einen langen Wagen, den man in den Vulkanisierkessel hineinführt. Man macht Schläuche jetzt bis zu einer Länge von 35 m. Für besondere Zwecke, namentlich zum Saugen, wo der Schlauch einem äußern Druck zu widerstehen hat, bringt man außer der Stoffeinlage auch noch eine Spirale von Eisen oder Kupfer im Innern des Schlauchs an (Spiralschläuche). ^[Spaltenwechsel]
Gummiplatten ohne Einlage, wie sie namentlich verwendet werden zur Herstellung von Pumpenklappen, fertigt man auf die Weise, daß man die vom Kalander kommenden Platten aufeinanderlegt, bis die erforderliche Stärke erreicht ist. Man vulkanisiert diese Platten in der Regel unter den Vulkanisierpressen, die schon oben erwähnt wurden, damit sie eine ganz glatte Oberfläche erhalten. Gummiplatten mit Einlagen, wie sie in großen Mengen zu Verdichtungszwecken bei Dampf- und Wasserleitung benutzt werden, fertigt man auf die Weise, daß man zwischen zwei vom Kalander kommenden Lagen Gummi eine oder mehrere Lagen eines gummierten Stoffs anbringt und diese Platten u. s. w. dann zur Vulkanisation auf besondern eisernen Cylindern, sog. Trommeln, aufwickelt zusammen mit einem Baumwollgewebe. Das Ganze wird dann in einem Kessel mittels Dampf erhitzt und so vulkanisiert. Nach der Vulkanisation wickelt man die Platten von der Trommel los und entfernt das Gewebe, welches man zum Einwickeln gebraucht und welches diesen Platten eine Musterung gegeben hat. Statt mit Stoffeinlagen fertigt man solche Platten auch mit Einlagen von Metallgewebe oder Asbest und außerdem noch mit Umlagen von Stoffen oder Asbest. Aus diesen Platten werden durch besondere Schneidevorrichtungen dann die Dichtungsringe, sog. Flanschenringe, geschnitten.
Gummischnüre mit Einlage sowie Mannlochschnur, die zum Dichten bei den Dampfkesseln eine große Rolle spielen, werden auf ganz ähnliche Weise hergestellt.
Gummifäden, die in großem Maßstabe zur Herstellung elastischer Gewebe dienen, werden aus dünnen durch die oben erwähnten Spreadingsmaschinen erzeugten Platten dadurch hergestellt, daß die Platten auf besondern Drehbänken in schmale Streifen von quadratischem Querschnitt zerschnitten werden.
Gummibälle, das beliebte Kinderspielzeug, fertigt man auf die Weise, daß man nach einer Blechschablone aus Platten ovale Stücke schneidet und deren Ränder abschrägt. Aus vier solchen Platten formt man einen unregelmäßigen, würfelähnlichen Körper. Auf einer Platte befindet sich im Innern ein Pfropfen aus reinem Gummi. Ehe man den Ball ganz schließt, giebt man in das Innere desselben etwas doppeltkohlensaures Ammonium. Diesen jetzt geschlossenen Körper bringt man nun in eiserne zweiteilige Kugelformen, verschraubt dieselben fest und erhitzt sie im Vulkanisierkessel. Durch die Hitze verflüchtigt sich das doppeltkohlensaure Ammonium, preßt die Gummiplatten gegen die Wandung der Formen, und in diesem Zustande wird der