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Halikarnassos – Hall (Stadt)
ihm folgte sein Sohn Charles Lindley Wood, geb. 7. Juni 1839, als zweiter Viscount von H.
Halikarnassos (Halikarnassus, Halikarnasos), griech. Stadt an der Südwestküste von Karien, an der Stelle des jetzigen Budrun gelegen. H. gehörte in ältern Zeiten zu dem Bunde der sechs dor. Städte im südl. Kleinasien (der dor. Hexapolis, s. Doris). Um die Zeit der Perserkriege stand es zugleich mit den Inseln Kos, Nisyros und Kalymna unter der Herrschaft der Artemisia (s. d.). Um 450 wurde es Mitglied der großen, unter der Hegemonie Athens stehenden Bundesgenossenschaft. Die eigentliche Blütezeit von H. aber ist die Regierung des Fürsten Mausolus, Hekatomnus’ Sohn, der die Stadt durch zahlreiche Bauwerke verschönerte und zu seiner Residenz machte. Nach dem Tode des Mausolus 352 v. Chr. ließ dessen Witwe und Schwester Artemisia (s. d.) in der Stadt selbst ein großartiges Grabdenkmal, das Mausoleion (s. Mausoleum), für ihn errichten. Durch Alexander d. Gr. erobert und zum größten Teil zerstört (334 v. Chr.), wurde die Stadt zwar wiederhergestellt, gelangte aber nie wieder zu der frühern Blüte. – Vgl. Newton, A history of discoveries at Halicarnassus, Cnidus and Branchidae (2 Bde., Lond. 1862); ders., Travels and discoveries in the Levant (2 Bde., ebd. 1865).
Haliotĭdae, Haliōtis, s. Seeohren.
Halisarcoĭdae, s. Schwämme.
Halisaurĭer oder Halidrakonten («Meerdrachen»), Bezeichnung, unter welche man die sehr verschiedenen Gruppen meerbewohnender Tiere der Urwelt aus der Verwandtschaft der heutigen ausschließlich das Land bewohnenden Eidechsen zusammengefaßt hat. Zu ihnen gehörten die Nothosaurier der Trias, ähnlich dem Plesiosaurus (s. d.), aber mit teilweise schildkrötenartigen Knochen und zum Gehen noch geeigneten Füßen; ferner die Ichthyopterygier (s. Ichthyosaurus) und Sauropterygier (s. Plesiosaurus) des Jura, sowie die Mosasaurier (s. d. und Placodus, Empedias und Anomodonten) der Kreide.
Helitherĭum Kaup, ein großes Tertiärtier aus der Gruppe der Sirenen (s. d.), von welchem mehrere Skelette bei Mainz u. s. w. ausgegraben wurden. Die rudimentäre hintere Extremität ist bei H. einzig auf ein fingerlanges, an einem Ende spitz auslaufendes Stiftchen als Schenkelknochen reduziert.
Halitsch, s. Halicz.
Halĭtus (lat.), Hauch, Dunst; H. sanguĭnis, Blutdunst, der von frischem Blut ausgehende Dunst von eigentümlichem Geruch; halitös, dunstig, vom Hauche herrührend.
Halkolŏgie, die Lehre von den Geschwüren, s. Geschwür.
Halkyŏne, s. Alkyone.
Hall. 1) Oberamt im württemb. Jagstkreis, hat 335,87 qkm, (1890) 29548 (14453 männl., 15095 weibl.) E., 3 Städte und 25 Landgemeinden. – 2) H., auch Schwäbisch-Hall, Oberamtsstadt im Oberamt H., 75 km im NO. von Stuttgart, in einem tiefen Thale zu beiden Seiten des Kocher, an den Linien Crailsheim-Heilbronn (Kocherbahn) und Stuttgart-H. (80,4 km) der Württemb. Staatsbahnen, altertümlich und eng gebaut, ist Sitz des Oberamtes, eines Landgerichts (Oberlandesgericht Stuttgart) mit 7 Amtsgerichten (Crailsheim, Gaildorf, H., Langenburg, Künzelsau, Mergentheim, Öhringen) und Amtsgerichts und hat (1890) 9000 (4342 männl., 4658 weibl.) E., darunter 630 Katholiken und 177 Israeliten, Post, Telegraph, 5 Kirchen, darunter die got. Haupt- oder Michaeliskirche (1427‒1525) auf einer Terrasse mit Freitreppe, mit Altarwerk (Grablegung) von Lohkorn, die Katharinenkirche (14. Jahrh.) mit schönem Hochaltar und die kath. Kirche (1885), ein stattliches Rathaus (1735), paritätisches Gymnasium, seit 1877 (Rektor Dr. John, 17 Lehrer, 10 Klassen, 195 Schüler), eine Realanstalt, höhere Mädchenschule, ein reiches Hospital, Landesgefängnis, eine Saline und ein Solbad mit einer 1878 erbauten Badeanstalt. Die Sole wird aus dem 8 km entfernten Steinsalzbergwerk Wilhelmsglück hergeleitet. Die Bevölkerung betreibt Viehzucht, Fabriken, Handel und Kleingewerbe. Oberhalb der Vorstadt Unter-Limburg liegt die Stammburg der Grafen von Limpurg als Ruine. 4 km südlich von H. in Steinbach die Benediktinerabtei Komburg (s. d.), jetzt Sitz des Bezirkskommandos und des Ehren-Invalidenkorps. – H. ist durch seine angeblich schon von den Römern benutzten Salzquellen groß geworden. Es wird urkundlich 887 erwähnt, gehörte im 11. Jahrh. zum Bistum Regensburg, wurde dann eine hohenstaufische Municipalstadt und machte sich zur Zeit des Interregnums unabhängig. Es blieb Freie Reichsstadt mit demokratischer Verfassung, bis es 1802 mit seinem Gebiete (330 qkm mit 20875 E.) an Württemberg kam. Die Reformation wurde bereits 1522 durch Berufung von Johann Brenz eingeführt. Am 11. Febr. 1610 wurde hier die 1608 zu Auhausen (s. d.) geschlossene prot. Union erneuert.
^[Abb. Wappen]
Hall. 1) Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Innsbruck in Tirol, 10 km östlich von Innsbruck, in 559 m Höhe, am Inn, der hier schiffbar wird, an der Linie Kufstein-Innsbruck (Brennerbahn) der Österr. Südbahn und der Lokalbahn Innsbruck-H., Sitz eines Bezirksgerichts (355,66 qkm, 23 Gemeinden, 25 Ortschaften, 16314 deutsche kath. E.), des Berg-Revieramtes für Tirol und Vorarlberg und einer Berg- und Salinenverwaltung, ist altertümlich gebaut und hat (1890) 5763 E., darunter 92 Italiener, in Garnison ein Bataillon des 14. oberösterr. Infanterieregiments «Ludwig, Großherzog von Hessen», eine Pfarrkirche (1271) mit prächtiger Vorhalle (15. Jahrh.) von schwarzen Quadern, der Waldaufischen Reliquienkapelle, einem Altarblatt von einem Schüler Rubens’, dem Denkmal des Tiroler Freiheitskämpfers Speckbacher und der Kopie eines Christus von Albrecht Dürer; ein Gymnasium, eine Filiale der Staatsgewerbeschule in Innsbruck, ein Franziskanerkloster, ein Kloster der Tertiarerinnen, eins der Salesianerinnen mit einem Erziehungsinstitut, ein Pfründnerhaus, ein Taubstummeninstitut und eine Landesirrenanstalt. Von der alten Münzstätte (später Schloß Haaseck) ist noch der Münzturm erhalten. Die Industrie erstreckt sich auf Filzhut-, Beinknopf-, Feuerspritzen-, Papier-, Tuch-, Kaffeesurrogatfabrikation, Garnzwirnerei, Kunstmühle, Salzsiederei (Pfannhaus). Nördlich liegt im Hallthale 1450 m hoch das Salzbergwerk, dessen Salz in Wasser gelöst und in hölzernen Rinnen nach dem Salzwerk in H. 10 km weit zum Sieden geleitet wird. H. ist unter allen Salzbergen der ärmste (30‒35 Proz.). Die Salzerzeugung ist uralt und stammt schon aus vorröm. Zeit. Sie betrug (1891) 6670 t Siede- und 865 t ^[folgende Seite]