691
Hals (in der Jägersprache) – Halsband
Größe. Zwischen diesen Teilen hindurch verlaufen einige große Gefäße, die beiden Kopfschlagadern (carotides) und die Drosseladern (venae jugulares), welche viele bedeutende Äste abgeben und aufnehmen, das Blut nach dem Kopfe und wieder zurückführen, sowie viele Nerven, die, teils aus dem Gehirn, teils aus dem Halsteile des Rückenmarks entspringend, teils dem Gangliensystem angehörend, sich in den einzelnen Organen verzweigen. An jeder Seite der Halswirbel treten an den Halsteil des Rückenmarks acht Halsnerven (nervi cervicales) hervor, von denen sich die vier obersten zum sog. Halsgeflecht (plexus cervicalis) vereinigen und am Kopf und H. verbreiten, während die vier untersten mit dem ersten Brustnerven das sog. Armgeflecht (plexus brachialis) bilden und von diesem aus den Arm bis zu den Fingerspitzen hinab mit stärkern und schwächern Nerven versorgen. Diese Menge so wichtiger, zu den ersten Lebensprozessen, dem Atmen und der Ernährung, unbedingt nötiger Organe auf einen so geringen Raum zusammengedrängt, verleiht dem H. im Haushalt des menschlichen Körpers eine große Bedeutung.
Dem H. eigentümliche Krankheiten betreffen immer nur die einzelnen Teile desselben. Verunstaltungen des H. entstehen durch verschiedenartige Geschwülste, unter denen der Kropf (s. d.) am häufigsten ist. Geringgradige Vergrößerungen der Schilddrüse werden als dicker H., Blähhals oder Satthals bezeichnet. Der sog. schiefe H. (Torticollis) entsteht durch angeborene oder infolge rheumatischer Entzündung erworbene Verkürzung einzelner Halsmuskeln, namentlich des sog. Kopfnickers, der von dem Brust- und Schlüsselbein zum Zitzenfortsatz des Schläfenbeins sich erstreckt, und wird mitunter mittels Durchschneidung des verkürzten Muskels geheilt. – Vgl. Mackenzie, Die Krankheiten des H. und der Nase (deutsch, Berl. 1880); Schech, Die Krankheiten der Mundhöhle, des Rachens und der Nase (3. Aufl., Wien 1889).
In der Tierwelt ist der H. sehr verschieden entwickelt. Schlangen, Fische und die meisten niedern Tiere besitzen keinen H., bei den meisten Insekten ist er nur kurz, bei lebenden Eidechsen, Schildkröten u. s. w. ist er in der Regel sehr kurz, von gewaltiger Länge war er bei den ausgestorbenen Plesiosauren (s. d.). Auch die Vögel haben sehr verschieden lange H. und die Zahl ihrer Wirbel schwankt zwischen 9 (einzelne Raubvögel) und 24 (Schwan), zeigt bisweilen sogar individuelle Verschiedenheiten. Bei den Säugetieren ist die Zahl der Halswirbel sehr konstant 7, einerlei ob er so kurz wie bei der Maus oder so lang wie bei der Giraffe ist, nur einige Waltiere, bei deren fischartigem Habitus ein H. äußerlich so wenig zur Geltung kommt wie bei den fossilen Ichthyosauren, sowie das zweizehige Faultier haben weniger (6), das dreizehige Faultier aber mehr (9).
Hals, in der Jägersprache die Stimme des Jagdhundes. Der Hund giebt H., giebt anhaltend, grob, fein H.
Hals, ein Teil der Gebärmutter (s. d., Bd. 7, S. 609 a).
Hals, in der Seemannssprache bei Schratsegeln (s. Segel) die vordere untere Ecke, die vor dem Setzen des Segels befestigt werden muß; außerdem bezeichnet H. die untere nach Luv ausgeholte Ecke der Untersegel, Fock (s. d.) und Großsegel. (S. Schoten, Butluv.) Ein Schiff liegt über Backbord Halsen, wenn die Rahen über Steuerbordbug angebraßt sind, wenn es also Beim Wind (s. d.) segelt und der Wind von Backbordseite einkommt. ^[Spaltenwechsel]
Hals, Frans, holländ. Maler, geb. um 1580 zu Antwerpen, gest. Ende Aug. 1666, wurde in Haarlem Schüler K. van Manders und trat 1616 mit einem sog. Doelenstück (s. d.), dem Festmahl der Offiziere des Haarlemer Schützenkorps zum heil. Georg (Museum in Haarlem) hervor. Ähnliche Werke entstanden in den nächsten Jahren; so malte er 1627 das Festmahl der Offiziere der Georgsschützen und das der Adriansschützen, 1633 ein Gruppenbild der Offiziere der Adriansschützen, 1639 die Offiziere und Unteroffiziere der Georgsschützen, 1641 die Vorsteher des Elisabethhospitals, 1664 die Vorsteher und Vorsteherinnen des Altmännerhauses (sämtlich im Museum zu Haarlem), Werke, die an Lebenswahrheit und Schärfe der Charakteristik fast unübertrefflich sind. Ebenso vortrefflich sind seine Einzelbildnisse, deren Zahl sehr groß ist; hervorzuheben sind: der Maler selbst mit seiner zweiten Frau, Elisabeth Reyniers (Amsterdam, Rijksmuseum), Familie van Berensteyn, Philosoph Descartes (Paris, Louvre), Amme mit Kind (um 1635; Berliner Museum). Von seinen Genrebildern, die sich durch eine Fülle ausgelassenen Humors und breite malerische Behandlung auszeichnen, sind zu nennen: Der Heringshändler (London, Lord Northbrook) und die Hille Bobbe von Haarlem (um 1650; Berliner Museum). Infolge seines leichtsinnigen Lebenswandels mußte H. im Alter eine Unterstützung beim Magistrat nachsuchen, der ihm eine Jahrespension gewährte. Bis vor wenig Jahrzehnten nicht genügend bekannt, gehört H. jetzt zu den geschätztesten Meistern der niederländ. Schule. – Vgl. Frans H.’ Galerie (Radierungen von Unger, mit Text von L. Vosmaer, Amsterd. 1873); W. Bode, Studien zur Geschichte der holländ. Malerei (Braunschw. 1883).
Frans H., Sohn des vorigen, geb. um 1620, gest. nach 1669, war Schüler seines Vaters und malte ebenfalls Genrebilder; außerdem kopierte er die Werke seines Vaters, wie die Hille Bobbe (Dresdener Galerie).
Dirk H., holländ. Maler, Bruder des ältern Frans H., gest. im Mai 1656 zu Haarlem, strebte seinem Bruder in Auffassung und Technik nach und malte mit Vorliebe Genrebilder aus dem Leben des Mittelstandes, der Soldaten und Kavaliere. Erwähnenswert sind: Die Zechbrüder (1627; Berliner Museum), zwei Gesellschaftsstücke (1628; Wiener Akademie; 1638, Galerie zu Kopenhagen), Dame am Klavier (Amsterdam, Rijksmuseum).
Halsband, Halsgeschmeide, Halskette, ein Schmuck, der allen Zeiten und fast allen Völkern angehört, so den Ägyptern, wo die Frauen Kettchen und Schnüre mit mannigfachen Anhängseln, oft von kostbarster und geschmackvollster Arbeit (schöne Beispiele z. B. von der Königin Aah-Hotep im Museum zu Bulak), trugen und den Männern goldene Halsketten auch als besondere Gnadenbezeigung von den Pharaonen verliehen wurden. Gleiches findet sich bei den chaldäischen und assyr. Königen, Würdenträgern, Priestern und Frauen; bei kultlichen Handlungen legte der assyr. König ein H. an, das mit symbolischen Figuren geschmückt war. Perser, Hebräer und Araber huldigten für Männer und Frauen dem gleichen Geschmack an derartigem Schmuck. Bei den jüd. Frauen findet er sich in angereihten Perlen, Korallen, durchbohrten Edelsteinen oder Metallkügelchen,