Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hasensprung - Hasli
oder alle Kinder derselben Mutter mit Lippenspalten
behaftet. Wahrscheinlich handelt es sich mn mechan.
Einflüsse, indem in der frühesten Zeit, in den ersten
sechs Wochen der Schwangerschaft, ehe die Ober-
kieferfortsätze mit dem sog. Zwischenkiefer und mit-
einander verwachsen, gewisse Teile sich in die zwi-
schen den Kieferfortsätzen befindliche Spalte hinein-
legen und fo deren Vereinigung hindern. Man be-
seitigt die H. auf operativem Wege durch Wund-
machen der Spaltränder und Vereinigung derselben
mittels der umschlungenen Naht, eine Operation,
welche möglichst frühzeitig, am besten zwischen dem
dritten und fünften Monat des ersten Lebensjahres
vorzunehmen ist.
Hafensprung, in der Jägersprache ein krummes
Knöchelchen im Hinterlauf des Hafen.
Hafer, Aug. Ferd., Musikschriftsteller und Kom-
ponist, geb. 15. Okt. 1779 zu Leipzig, gest. 1. Nov.
1844 als Theaterkapellmeister, Kirchenmusikdirek-
tor und Seminarmusiklehrer in Weimar. Er kom-
ponierte meist Kirchenmusik, auch ein Oratorium
"Triumph des Glaubens", und schrieb: "Versuch
einer systematischen Übersicht der Gesanglehre" (Lpz.
1822) und eine "Chorgesangschule" (Mainz 1831).
Hafer, Charlotte Henriette, Sängerin, geb.
24. Jan. 1784 zu Leipzig, wurde von ihrem Vater,
dem Konzertmeister Johann Georg H., im Gesang
unterrichtet und trat mit Erfolg schon 1800-3 in
Konzerten auf. Nachdem sie in Dresden, wo sie
1803-6 an der Italienischen Oper angestellt war,
ihre Ausbildung vervollkommnet hatte, wurde sie
nicht nur in Wien und Deutschland, sondern auch an
vielen ital. Bühnen als eine der ersten Sängerinnen
ihrer Zeit sehr gefeiert. Ihre 1812 erfolgte Ver-
mählung mit dem Juristen Giuseppe Vera entzog
sie der Bühne. Sie starb im Mai 1871 in Rom.
Hafer, Heinr., mediz. Schriftsteller, Sohn von
Aug. Ferd. H., geb. 15. Okt. 1811 zu Rom, studierte zu
Jena Medizin und habilitierte sich 1836 als Privat-
docent in Jena. Hier wurde er 1839 zum außerord.,
später zum ord. Honorarprofessor der Medizin er-
nannt. 1849 wurde er ord. Professor in Greifswald,
1862 in Breslau. H.s Lehrthätigkeit erstreckte sich
Vorzugsweife auf Encyklopädie, Arzneimittellehre,
Epidemiologie und Geschichte der Medizin. Auf letz-
term Gebiete namentlich hat er feinen Ruf als Gelehr-
ter und Schriftsteller begründet. Er starb 13. Sept.
1885 zu Breslau. Von seinen mediz.-geschichtlichen
Werken sind besonders hervorzuheben: "Histor.-
pathol. Untersuchungen als Beiträge zur Geschichte
der Volkskrankheiten" (2 Bde., Dresd. und Lpz. 1839
-41), "Lehrbuch der Geschichte der Medizin und
der Volkskrankheiten" (Jena 1845; 3. Aufl., 3 Bde.,
1875-82), "Geschichte christl. Krankenpflege und
Pflegerschaften" (Berl. 1857), "Die Vaccination und
ihre Gegner" (ebd. 1854), "Grundrist der Geschichte
der Medizin" (Jena 1884). Auch besorgte er die
Herausgabe des von Grüner hinterlassenen großen
Quellenwerkes über die Geschichte des Englischen
Schweißes ("ßori^toi'eg do 8uäoi'6 anZlioo", Jena
1847) und stellte eine "Lidliotiisca. spiäkinioFra.-
Mca." (ebd. 1843; 2. Aufl., Greifswald 1862) zu-
sammen. 1840-42 gab er das "Repertorium für
die gesamte Medizin" sowie 1840-49 das "Archiv
für die gesamte Medizin" (10 Bde.) heraus.
Hasköi, Vorstadt von Konstantinopel (s. d.).
Haslach, Stadt im Amtsbezirk Wolfach des
bad. Kreises Offenburg, in 218 in Höhe, in schöner
Lage an der Kinzig und der Linie Offenburg-Singen
der Bad. Staatsbahnen, hat (1890) 1890 E., Post,
Telegraph, Kapuzinerkloster, 1630 vom Grafen
Friedrich Rudolf von Fürstenberg erbaut, 1804
aufgehoben, ein Mineralbad (Stahlquelle), Spital,
Spar- und Leihkasse; einen Eisenhammer, zwei Holz-
schuhfabriken, Senf-, Cigarren-, Vierklärfpänefabrik,
Gerbereien, Branntweinbrennerei, 2 Kunstmühlen,
Sägemühle, Handelsgärtnerei, Holzhandel, bedeu-
tende Viehmärkte, Obst- und Weinbau. H. wurde
1670,1704 und 1795 von den Franzosen geplündert.
Haslach, Markt in der österr. Vezirkshaupt-
mannschast Nohrbach in Oberösterreich, an der
Großen Mühl und an der Linie Urfahr-Aigen-
Schlägl der Mühlkreisbahn, Sitz eines Bezirksge-
richts (92,07 ykm, 8 Gemeinden, 65 Ortschaften,
7599 deutsche kath. E.), hat (1890) 1566, als Ge-
meinde 2158 E., Pfarrkirche mit gewaltigem alter-
tümlichem Turm, ursprünglich Wartturm der Rosen-
berger, Webereifachschule, Kunstmühle sowie eine
Leinen- und Baumwollfabrik.
Hasli, auch Hasli im Weißland, oder
Haslethal, die oberste Thalstufe der Aare (s. d.)
im Oberlande des fchweiz. Kantons Bern, umfaßt
in weiterm Sinne das ganze Gebiet der Aare von
den Quellen bis zum Vrienzerfee. Das Hauptthal,
von der Grimfel (s. d.) bis Zum See 40 km lang,
scheidet die Finsteraarhorngruppe von der Damma-
gruppe und zerfällt durch den Querwall des Kirchet
in zwei Thalstufen. Die obere, östlich von den
Gersten- und Gelmerhörnern, dem Tierälplistock
(3406 m), den Diechterhörnern und dem Mähren-
horn, westlich von den östlichsten Ausläufern der
Finsteraarhorngruppe (Vächlistock 3270 m, Ritzli-
horn 3282 m) umrahmt, ist eine öde, baumlose Fels-
wildnis mit zahlreichen Gletscherschliffen. Bei dem
berühmten Handeckfall (s. d.) der Aare beginnt der
Wald, und bei Guttannen (1049 m) zeigen sich neben
Alpenweiden spärliche Getreide-und Kartoffeläcker;
fruchtbar wird aber das H. erst unweit Innert-
kirchen, wo das Gadmenthal (s. d.) und das des Ur-
baches einmünden; 1km unterhalb durchbricht die
Aare in der finstern Schlauche (Schlucht) die Schwelle
des Kirchet und gelangt 1,5 km oberhalb Meiringen
(s. d.) in die untere Thalstufe, welche sich als teilweise
sumpfige, jetzt kanalisierte Ebene, 13 km lang, an
der Sohle 1-2 km breit, rechts vom Hasleberge
und dem Vrienzergrat, links von der Faulhornkette
umschlossen, bis zum See erstreckt. Das H. wird
vom Grimselpaßwea durchzogen.
Das obere Thal bildet mit seinen Seitenthälern
und der obern Hälfte der untern Stufe den Amts-
bezirk Oberhasle mit 592 <ikm und (1888) 7091
prot., 82 kath. E. in 6 Gemeinden. Hauptort ist
Meiringen. Der unterste Teil gehört zum Amts-
bezirk Interlaken. Die Oberhasler sind einer der
schönsten Schläge der Alpen: die Männer sehnig
und hochgewachsen, tüchtige Bergführer, verwegene
Gemsjäger und Strahler (Krystallsucher), dieFrauen
schlank mit feinen Oesichtszügen. Haupterwerbs-
quellen sind Alpwirtschaft und Holzschnitzerei. Sehr
lebhaft ist derTouristenverkehr. - Bis ins 14. Jahrh,
reichsfrei, von Landammännern regiert, seit 1275
mit Bern verbündet, wurde die Landschaft 1310 von
Heinrich VII. an die Freiherren von Weißenburg
verpfändet und ging 1334 gegen Erlegung der
Pfandfumme als vielfach begünstigtes Nnterthanen-
land an Bern über. Den Widerstand, den das Volk
1528 der Reformation entgegenfetzte, büßte es durch
zeitweiligen Verlust feiner Freiheiten. 1798 fiel