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Hellia – Hellot
seits; letzteres hat die Form eines gelblichen Pulvers. Das fertige H. ist eine dunkelrote sirupartige Flüssigkeit vom spec. Gewicht 1,4, welche zum Gebrauch in Patronenhülsen von Glas oder Pappe abgefüllt wird, auch verwendet man mit H. getränktes Kieselgur in Metallhülsen. Die Entzündung erfolgt durch Zündschnur und Zündhütchen. Im Feuer verbrennt H. ohne zu verpuffen. Die Wirkung von H. kommt derjenigen von Dynamit mindestens gleich; Gestein und Kohle werden durch H. in großen Stücken abgetrennt, nicht wie bei Dynamit zermalmt. Auch freiliegend ist seine Wirkung erheblich. Hellhoff und Gruson konstruierten auf H. gegründete Hohlgeschosse mit mehrern Abteilungen für besondere Sprengstoffe (patentiert im Deutschen Reich); die Versuche wurden aber wieder eingestellt.
Hellĭa, Göttin der Unterwelt, s. Hel.
Helligkeit der Farben, s. Farbenlehre. – Über H. bei natürlicher Beleuchtung von Wohn- und Arbeitsräumen, Schulen u. s. w. s. Beleuchtung (Bd. 2, S. 661 b und S. 663 a.).
Hellin (spr. elljíhn), Bezirkshauptstadt in der span. Provinz Albacete (Murcia), an der Linie Albacete-Cartagena, ist gut gebaut, hat (1887) 13679 E., Reste eines röm. Kastells, eine schöne Kirche und Raffinerien des aus den 18 km entfernten Minen gewonnenen Schwefels, Fabrikation von Thonwaren, Leinen, Leder und Öl.
Helling, Hälbling, d. i. halber Pfennig, kleine hohl geprägte Scheidemünze der lübischen Währung, gleichbedeutend mit Scherf (s. d.). Unter Hälbling versteht man auch halbierte Hohlpfennige, deren Hälften mangels kleinerer besonderer Münzstücke als halbe Pfennige umliefen.
Helling (holländ.), auf einer Schiffswerft die geneigte, entweder mit Mauerwerk oder Holzbohlen belegte Ebene, auf der man Schiffe baut. Sie mündet mit ihrem untern Ende in tiefes Wasser des Hafens, Flusses u. s. w., damit die von ihr ablaufenden Schiffe sofort schwimmen. Das Schiff ruht nicht mit seinem Kiel unmittelbar auf der Sohle der H., sondern auf den hölzernen Stapelklötzen (s. Stapel). Während des Baues wird das Schiff seitlich durch eine Zahl Balken abgestützt. Beim Ablauf erbaut man in der ganzen Länge des Schiffs und zu beiden Seiten desselben eine Balkenverbindung, das Ablaufgerüst. Auf ihm ruht der Schlitten; derselbe besteht unten aus einer doppelten Balkenlage, den Läufern, und ist oben der Form des Schiffs angepaßt. Die obere Fläche des Ablaufgerüstes und die untere der auf ihm ruhenden Läufer werden mit grüner Seife und Fett geschmiert und dann zwischen die beiden Läuferbalken Hunderte von Keilen gleichzeitig getrieben, sodaß man die obern Teile der Stapelklötze und die Stützen wegnehmen kann; das jetzt nur vom Schlitten getragene Schiff setzt sich nach Lösung der Befestigung des Schlittens mit dem Ablaufgerüst in Bewegung und gleitet auf dem Ablaufgerüst zu Wasser. Früher wand man die Schiffe auch auf die H., um sie zu reparieren. Dies war nicht nur eine sehr schwere Arbeit, sondern griff die Schiffe auch sehr an. Jetzt führt man deshalb die Reparaturen im Dock (s. d.) aus.
Helljäger, s. Wilde Jagd.
Helllichtmalerei, soviel wie Hellmalerei (s. d.).
Hellmalerei (Freilichtmalerei), jene Art der neuern Malerei, die im Gegensatz zu der seit der Renaissance angewendeten, vorwiegend in geschlossenen Räumen herrschenden, bräunlichen Farbenmischung in den Bildern jene Töne aufsucht, welche die Natur im Freien bietet (daher Plein air), die also ihre Bilder im Sonnenlicht nach dem Sonnenlicht herstellt, um somit eine erhöhte Wahrheitlichkeit in der Farbe zu erlangen. Sie stellte sich mit schärfster Konsequenz gegen das «saucige» Helldunkel (s. d.) der ältern Kunst, dem sie konventionelle Unwahrheit vorwarf. Als Vorläufer dieser Kunst kann man die späten Venetianer, Canaletto, Tiepolo u. a., sowie einige Holländer, namentlich van der Hooghe, ferner die Engländer Constable und Turner betrachten. Auch die Malerschule von Barbizon mit ihrem Streben, das Zwielicht koloristisch richtiger darzustellen, bereitete die H. vor. Der Franzose Bastien-Lepage trat 1874 zuerst mit der entschiedenen Forderung unbedingter Naturwahrheit (sincérité) im Tone auf. Durch Manet wurde die Forderung hinzugefügt, die Dinge nicht zu malen, wie sie bei genauer Betrachtung erscheinen, sondern nach dem Eindruck, den sie unter den für das Bild geltenden Umständen machen (Impressionismus). Diese Richtung fand Vertreter in Renoir, Gervex, Lhermitte, Monet, Pissaro, Boudin, Morisot; der Belgier Stevens, der Holländer Israels, die Italiener de Nittis, Boldini, die Deutschen von Uhde, Liebermann, Kühl, Firle, Voltz, Scarbina, die Amerikaner Sargent, Harrison, Dannat, die Skandinavier Krogh, Zorn, Thaulow u. s. w. gehören dieser Richtung an, der hinsichtlich der Farbengebung durch Adolf Menzel schon vorgearbeitet worden war. Der Erfolg der Richtung äußert sich schon heute dahin, daß fast die ganze moderne Malerei sich von dem tiefen Atelierton der ältern Schule losgetrennt hat. Dieselbe Wirkung hatten die Präraffaeliten (s. d.) in England schon früher erreicht, ebenso wie die span. Maler (Madrazo, Pradilla), deren Auftreten auf der Internationalen Ausstellung zu München 1883 von großer Bedeutung für den Sieg der H. in Deutschland war. Der Hohn und die erbitterten Angriffe, welche von der ältern Schule gegen die H. gerichtet wurden, beginnen einer gerechtern Beurteilung ihrer Bedeutung zu weichen, während die H. selbst sich, namentlich angeregt durch den Amerikaner Whistler und durch die schott. Maler der Schule von Glasgow, mehr und mehr von der einseitigen Bevorzugung des weißlichblauen Sonnenlichts der Tieftonmalerei zuwendet und die Farbe im Halbton festzuhalten bestrebt ist. – Vgl. Duret, Les peintres impressionistes (Par. 1878); Muther, Geschichte der Malerei im 19. Jahrh. (Münch. 1893). ^[Spaltenwechsel]
Hellmesberger, Georg, Violinlehrer und Komponist, geb. 24. April 1800 zu Wien, besuchte das Konservatorium daselbst und wurde 1829 Dirigent der Hofoper, 1830 Mitglied der Hofkapelle. Er wurde 1867 pensioniert und starb 16. Aug. 1873 zu Neuwaldegg bei Wien. Zu seinen Schülern gehören H. Ernst und J. ^[Joseph] Joachim. Als Komponist wurde er durch Konzerte, Quartette u. s. w. bekannt.
Sein Sohn, Joseph H., geb. 3. Nov. 1829 in Wien, wurde 1851 artistischer Direktor der Gesellschaft der Musikfreunde, 1859 Violinprofessor und Direktor des Konservatoriums, das er seit 1877 mit dem Titel und den Funktionen eines Hofkapellmeisters bis 1892 leitete. Großen Ruf hatten die von ihm seit 1849 geleiteten Streichquartette.
Hellot (spr. elloh), Jean, franz. Chemiker, geb. 1685 zu Paris, wo er 1766 starb, wurde durch Geoffroy zu chem. Studien veranlaßt, war 1718‒32 Redacteur der «Gazette de France» und wurde