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Horsens – Horst (Julius Joseph Joachim Ludw., Freiherr von)
rechten Ufer der Hörsel, dacht gegen N. sanft ab, ist aber gegen S. in schroffen, abenteuerlichen Formen abgekantet. Der Berg ist der Sage nach der Sitz der Seelen der Gestorbenen, namentlich der Gottlosen und des Teufels. Aus dem Hörselloch, einer Felsspalte, die in eine niedrige, etwa 22 m lange Höhle führt, wollte der Volksglaube wimmernde Stimmen aus dem Fegefeuer vernehmen. Vor ihm sitzt der treue Eckart und warnt die Menschen, in den Berg zu gehen. Polack, der die Höhle untersuchte, vernahm das chorgesangähnliche Summen von Millionen kleiner Mücken. Im H. wohnt das wütende Heer, Frau Holle, die Venus, zu der Tannhäuser kommt. (Vgl. Witzschel, Sagen aus Thüringen, Bd. 1, Wien 1886.) Am 26. Okt. 1813 fand am H. ein Gefecht zwischen den Preußen und Franzosen statt, worauf York Eisenach besetzte.
Horsens, Stadt im dän. Amte Aarhus, auf der Ostküste Jütlands, am Horsensfjord und an der Linie Vamdrup-Frederikshavn, ist gut gebaut, hat (1890) 17290 E., eine höhere Schule, eine Vor Frelsers Kirke (Erlöserkirche), altertümliche Klosterkirche, großes Zuchthaus; Weberei, Eisengießerei und Maschinenwerkstätten, Schiffswerfte, Holzwarenfabriken und Kalkbrennerei. Wichtig ist der Handel; eingeführt wurde Kleie (1892: 6,02 Mill. kg), Roggen (0,55), Ölkuchen (1,81), Weizen (3,47), Gerste (16 Mill. kg); ferner Hafer und Düngemittel. Ausgeführt wurden: Weizen, Roggen und Speck, Butter (2,28 Mill. kg), Eier (862082 Stück), Schweinefleisch und Mastvieh (5507 Stück). H. ist Sitz eines deutschen Konsuls.
Horsf., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Thomas Horsfield, geb. um 1773; er lebte lange Zeit in Java, veröffentlichte, 1817 nach England zurückgekehrt: «Zoological researches in Java and the neighbouring islands» (1821‒24) und «Plantae Javanicae rariores» (3 Bde. mit Atlas, 1838‒52), und starb 1859.
Horsford, Ebenezar Norton, amerik. Chemiker, geb. 27. Juli 1818 zu Moscow im Staate Neuyork, studierte seit 1844 in Gießen, wo ihm durch Liebig das Interesse für agrikulturchem. und physiol.-chem. Gegenstände erweckt wurde. Nach Amerika zurückgekehrt, erhielt er 1847 die Professur für Chemie an der Harvard-Universität zu Cambridge bei Boston, wo er 1. Jan. 1893 starb. Von seinen für Liebigs «Annalen» gelieferten Arbeiten sind zu nennen: «Über den Wert verschiedener vegetabilischer Nahrungsmittel, hergeleitet aus ihrem Stickstoffgehalt» (1846), «Analyse der Asche von Trifolium pratense» (1846), «Über den Ammoniakgehalt der Gletscher» (1846), «Über den Ammoniakgehalt der Atmosphäre» (1850). 1856 erfand er das aus saurem phosphorsaurem Kalk und doppeltkohlensaurem Natron bereitete Backpulver (s. d.). H. begründete einen neuen Industriezweig, die Kondensation der Milch; während des Secessionistenkrieges erwarb er sich große Verdienste durch die auf wissenschaftlicher Grundlage basierte Verproviantierung der Unionsarmee. Seit 1863 ist H. Präsident der Rumford Chemical Works zu Providence (Rhode-Island). H. hat auch Schriften über Indianersprachen und die älteste Besiedelung Amerikas verfaßt: «The discovery of America by Northmen» (Bost. 1887), «The problem of the Northmen» (ebd. 1880).
Horsforth, Stadt in der engl. Grafschaft York, im West-Riding, unweit links des Aire, im NW. von Leeds, hat (1891) 7102 E. ^[Spaltenwechsel]
Horsham (spr. hohrschämm, auch hohrshämm), Stadt in der engl. Grafschaft Sussex, 32 km im NW. von Lewes, bei den Quellen des Arun, ist Eisenbahnknotenpunkt, hat (1891) 8637 E., Handel mit Getreide und Geflügel.
Horsky, Franz, Ritter von Horskysfeld, Landwirt, geb. 29. Sept. 1801 zu Bilin, besuchte das landwirtschaftliche Institut in Krumau und stand von 1821 bis 1855 in verschiedenen Stellungen, zuletzt als Wirtschaftsdirektor im Dienste des Fürsten Joh. Adolf Schwarzenberg. 1860 pachtete er Schloß und Meierei Mühlhausen und kaufte 1862 die Herrschaft Kolin, 1868 das Gut Welmschloß und 1871 das Gut Saar. Er gestaltete Kolin zu einer Musterwirtschaft und wirkte verdienstvoll als Reorganisator der bäuerlichen Wirtschaften, zu welchem Zwecke er auch seine «Feldpredigten» hielt. Zu erwähnen ist auch seine vielfach befolgte Methode der Düngerbehandlung, die darin besteht, daß der Dünger mehrere Monate im Stalle unter den Tieren liegen bleibt, wodurch eine ausgezeichnete Konservierung desselben bewirkt wird und Jauchegrube sowie Düngestätte überflüssig sind. H. starb 6. April 1877 in Kolin. Er schrieb: «Die vervollkommnete Drillkultur der Feldfrüchte» (Prag 1851), «Landwirtschaftliche Feldpredigten» (1. bis 6. Heft, ebd. 1861‒63), «Mein Streben, Wirken, meine Resultate nebst praktischen Ratschlägen» (ebd. 1874).
Horsley (spr. -lĕ), John Callcott, engl. Maler, geb. 29. Jan. 1817 zu Brompton, war seit 1831 Schüler der Londoner Akademie und widmete sich dem Genre. Einiges besitzt das South-Kensington-Museum sowie die Nationalgalerie, so: Der Virtuos und der Canarienvogel, Der Stolz des Dorfs, Der verlorene Sohn; ferner sind zu erwähnen: Malvolio in der Sonne, L’Allegro und Il Penseroso, Jane Gray und Roger Ascham, Der Tag der Toten und Die Barmherzigkeit Christi (Altarblatt für das Thomashospital in London). 1845 führte er im Hause der Lords ein Fresko: Geist der Religion, und 1847 in der Dichterhalle des Parlamentsgebäudes ein Wandgemälde nach Milton: Verwundung des Satans durch Ithuriels Lanze, aus.
Horsley-Dynamit (spr. -lĕ), ein Sprengmittel, welches zu den Dynamiten (s. d.), speciell zu den Nobeliten (s. d.) gehört. Es besteht aus 25 Teilen Nitroglycerin, 56 Teilen chlorsaurem Kalium und 19 Teilen Galläpfeln.
Horst, eigentlich soviel wie Strauchwerk, dann das aus Reisern gebaute Nest der Raubvögel. – Über H. in der Forstwirtschaft s. Bestand.
Horst, Julius Joseph Joachim Ludw., Freiherr von, österr. Generalmajor und Staatsmann, geb. 12. April 1830 zu Hermannstadt in Siebenbürgen, trat 1844 als Kadett in die österr. Armee und wurde 1846 Offizier. Nach dem Deutschen Kriege von 1866 legte H. in einer Denkschrift die Notwendigkeit dar, die Wehrkraft Österreichs nach preuß. Muster umzugestalten, und wurde im Herbst 1866 in die Organisationskommission nach Wien, später auch in den Marschallsrat berufen. Der 1868 zum Reichskriegsminister ernannte Freiherr von Kuhn beauftragte H. mit der Ausarbeitung und später auch mit der parlamentarischen Vertretung der auf die Heeresorganisation bezüglichen Gesetzentwürfe. Nach dem Sturze des Ministeriums Hohenwart wurde H. 25. Nov. 1871 zum Obersten in der Landwehr befördert und mit der Leitung des Ministeriums für die Landesverteidigung der im Reichsrate ver- ^[folgende Seite]