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i. e. – Iffland
patriarchalischer Lebenszustände (nach Jean Paul: des Vollglücks in der Beschränkung). Je mehr die Menschen sich von dem Naturleben und der Sitteneinfalt der frühesten Zeiten entfernten und je stärker der Gegensatz der beengenden Verhältnisse der bürgerlichen Konvenienz hervortrat, um so sehnsüchtiger mußten sie auf das ursprüngliche Naturleben als ein verlorenes ideales Dasein, als ein Leben voll Einfalt und Ruhe zurückblicken, das in der Befriedigung der einfachsten Bedürfnisse Glück und Genüge fand. In der That gehört daher die I., als eigentümliche Dichtform, überall einer solchen Zeit an, in der das einfache Naturleben der Wirklichkeit gegenüber als ein idealer Zustand bereits in eine poet. Ferne zurückgetreten war. Darum wählten die Idyllendichter von jeher am liebsten Menschen, Scenen und Vorgänge des ländlichen Daseins, insbesondere des Hirten-, Schäfer-, Fischer- und Jägerlebens, zu ihren Gemälden, und namentlich gab das harmlose Hirtenleben der alten Völker mit dem Ideal eines Goldenen Zeitalters oder einer Unschuldswelt zu solchen Schilderungen reichen Stoff. Diese Hirtendichtungen werden auch (vom grch. bukólos, Rinderhirt) als bukolische Poesie bezeichnet. Die ersten Spuren dieser Dichtgattung findet man im Orient, nur daß sie hier noch nicht als für sich bestehende Gattung ausgeprägt ist, sondern bald mehr als Erzählung, wie das Buch Ruth, bald wie Kalidasas «Çakuntalā» mehr als Drama mit idyllischem Charakter erscheint. Auch bei den Griechen war sie anfangs mehr epischer Art, doch schon mit Beimischung eines lyrischen Elements, wie bei Stesichorus, der die Leiden des Daphnis zum Gegenstand wählte. Als selbständige Gattung tritt bei ihnen die I. erst zu Anfang des Alexandrinischen Zeitalters mit Theokrit auf, der in sorgfältig ausgeführten Bildern vorzugsweise das Naturleben sicil. Hirten zur Anschauung bringt. Ihm schließen sich Bion und Moschus an. Unter den röm. Dichtern nimmt Virgil die erste Stelle ein. Aus der Nachahmung Virgils entsprang die I. der ital. Renaissancedichtung, die dialogische Form entwickelte sich zur dramatischen, zum Schäferspiel (Pastorale) von Tasso, Guarini, Sannazaro, Alamanni. Dieses Schäferspiel wanderte nach Spanien, Frankreich, Deutschland und England, mit kokettem Raffinement das naiv Anmutige in das widerlich Affektierte und süßlich Sentimentale verzerrend. Fast zwei Jahrhunderte hat diese Unnatur geherrscht, bis die neu erstehende Blüte der deutschen Litteratur eine kräftige Reaktion brachte. Während Salomon Geßners graziöse Prosaidyllen noch ganz in der alten verzopft-sentimentalen Richtung wurzeln, führte der offene Sinn der sog. Sturm- und Drangperiode für das Ursprüngliche wieder zurück zum naiv Gesunden und Wahren. Die Wendung wird besonders durch die Pfälzer I. des Maler Müller bezeichnet; Voß in seiner «Luise» und andern I. und besonders Goethe in «Alexis und Dora» und dem klassisch vollendeten, idyllischen Epos «Hermann und Dorethea» ^[richtig: Dorothea] wußten diese I. sogar auf die Höhe echt antiker Formenhoheit zu heben. In neuerer Zeit hat die I. besonders nach zwei Seiten hin eine wesentliche Umbildung erfahren. Einerseits eine Steigerung nach dem Volkstümlichen durch Aufnahme der Lokalfarbe des Volksdialekts; der Begründer dieser Richtung, die schon Voß durch einige plattdeutsche Gedichte vorbereitet hatte, ist Hebel mit seinen «Alamann. Gedichten». Andererseits eine Steigerung nach dem konfliktvoll handelnden Leben, welches das Gebiet des Romans und Dramas ist; Begründer dieser Richtung ist Immermann mit seinem «Münchhausen», während besonders Berthold Auerbach und Jeremias Gotthelf die I. zur Dorfgeschichte modelten.
i. e., Abkürzung für id est (lat., «das ist», «das heißt»).
Ierne (Irland), s. Hibernia.
If, L’île du château d’If, Felseninsel im W. des Hafens von Marseille, 2 km von der Küste gelegen, wurde durch Franz Ⅰ. befestigt, ist bekannt als Gefängnis Mirabeaus (1774) und durch Alexandre Dumas’ Roman «Der Graf von Monte-Christo».
i. f., Abkürzung für ipse fecit (lat., d. h. er selbst hat es gemacht).
Ifĕrten, Bezirk im schweiz. Kanton Waadt, s. Yverdon.
Iffland, Aug. Wilh., Schauspieler, Theaterdichter und Dramaturg, geb. 19. April 1759 zu Hannover, wo sein Vater Registrator bei der Kriegskanzlei war, wurde für das Studium der Theologie bestimmt. Durch die Vorstellungen der Ackermannschen Gesellschaft wurde jedoch in ihm die Neigung für die Bühne erweckt; er ging in seinem 18. Jahre heimlich nach Gotha, bildete sich hier unter Leitung Ekhofs (s. d.) aus und wurde 1779 Mitglied des Mannheimer Theaters. Hier legte er den Grund zu seinem Ruhm, den er durch Gastvorstellungen bald über ganz Deutschland ausbreitete. 1796 kam er nach Berlin, wo er Direktor des Nationaltheaters, 1811 Generaldirektor aller königl. Schauspiele wurde und 22. Sept. 1814 starb. Vor dem Theater in Mannheim wurde ihm 1864 ein Bronzestandbild (nach Widemanns Modell) errichtet. Seine Theaterleitung bezeichnet eine Blütezeit der Berliner Bühne. Die klassischen Dichtungen Goethes und Schillers brachte er rasch und in reicher Ausstattung zur Aufführung. Daneben pflegte er das ihm selbst am nächsten liegende bürgerliche Schauspiel, während er den Versuchen der Romantiker kühl gegenüberstand. Als Schauspieler nahm I. einen hohen Rang ein. Seine feinkomischen Charaktere zeichnete er mit großer Sauberkeit, in hochkomischen Rollen verschmähte er auch eine starke Würze nicht. Seine edlen Biedermänner, feinen Weltleute, vornehmen Fürsten waren mustergültig. Gestalt und Organ machten ihn für das Trauerspiel weniger geeignet; auch fehlte ihm der dichterische Schwung; doch bewährte auch hier sein edler Stil der Darstellung seine großen Vorzüge. I.s Theaterstücke zeugen von vollendeter Bühnenpraktik, großer Menschenkenntnis und sittlichem Streben; namentlich haben sich «Die Jäger», «Dienstpflicht», «Der Spieler», «Die Mündel» und «Die Hagestolzen» bis jetzt auf dem Repertoire erhalten. Als tüchtigen Dramaturgen zeigt sich I. in den theoretischen Abhandlungen und Aufsätzen seines «Almanach für das Theater» (Berl. 1807‒9, 1811‒12). An die Sammlung seiner «Dramat. Werke» (16 Bde., Lpz. 1798‒1802) schlossen sich die «Neuen dramat. Werke» (2 Bde., Berl. 1807‒9). Eine Auswahl enthalten die Ausgaben in 11 Bänden (Lpz. 1827‒28) und in 10 Bänden (ebd. 1844 und Stuttg. 1858‒60). – Vgl. K. Duncker, I. in seinen Schriften als Künstler, Lehrer und Direktor der Berliner Bühne (Berl. 1859); Koffka, I. und Dalberg (Lpz. 1865); Briefe von August Wilhelm I. und F. L. Schröder an den Schauspieler Werdy (hg. von O. Devrient, Frankf. a. M. 1881); Holsteins Einleitung zu der neuen Ausgabe der Selbstbiographie I.s: «Über meine theatralische Laufbahn» (Heilbr. 1886).